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Donnerstag, 8. März 2012, 01:35

Doktorspielchen war einmal

Hannah ist acht Jahre. Ihre beste Freundin Lisa ist zwölf. Lisa schreibt mir, weil sie Angst hat, dass sie bald ins Gefängnis kommt. Sie hat nämlich schon seit fast einem Jahr Sex mit Hannah, die jede Woche mindestens einmal bei ihr oder sie bei ihr im Bett übernachten darf.

"Zuerst haben wir uns nur so angeschaut und nur rum gespielt", schreibt Lisa.
"Aber dann haben wir im Fernsehen gesehen, wie Frauen sich geküsst haben und alles. Dann haben wir das auch gemacht. Das war ganz schön. Da haben wir das immer wieder gemacht. Auch bei Hannah in ihrem Zimmer. Da ist jetzt ihr Bruder rein gekommen und hat das gesehen. Er hat uns angeschrien, dass wir ja wohl spinnen und so und dass wir voll die Schweine sind. Und dass er das unseren Eltern petzt. Da haben wir ihn gebettelt, dass er das nicht machen soll. Da hat er gesagt, ja, aber dann müssen wir es mit ihm auch machen. Das wollen wir aber nicht. Hannah und ich sind lesbisch. Wir kriegen nur Gefühle mit Frauen. Ja und jetzt erpresst er uns, dass wir alles machen müssen, was er will und er will das auch, wenn die Hannah allein ist. Wir finden das gemein. Aber wir müssen das ja machen. Unsere Eltern dürfen das nie erfahren. Ich will auch nicht ins Gefängnis. Hannahs Bruder sagt, weil ich älter bin, muss ich ins Gefängnis, wenn er was sagt. Was sollen wir denn jetzt tun? Wir wollen am liebsten nicht mehr leben. Aber das trauen wir uns nicht."

Tobias und Torsten sind Zwillinge. Sie sind dreizehn Jahre alt. Torsten zwingt seinen Bruder allmorgendlich oder abendlich zu sexuellen Handlungen.
Tobias schreibt mir:

"Wir müssen morgens zur gleichen Zeit aufstehen und abends zur gleichen Zeit ins Bett und dann immer zusammen ins Bad. Wir müssen auch immer die gleichen Klamotten anziehen und die Haare gleich tragen. Wir haben auch nur ein Zimmer zusammen. Wir sind eineiige Zwillinge. Andere können uns meistens nicht unterscheiden. Das findet unsere Mutter gut. Deshalb versteht sie nicht, wenn ich sage, dass ich nicht mit Torsten zusammen ins Bad und am liebsten ein eigenes Zimmer will.
Unser Zimmer und das Bad sind im Keller. Mein Vater hat es erst später einbauen lassen. Im Keller hört keiner, was bei uns im Zimmer oder im Bad los ist. Das haben meine Eltern extra so gemacht, damit wir da unten auch mal Lärm machen können und es oben keinen stört.
Wenn wir im Bad sind, zwingt mich mein Bruder, dass ich mit ihm zusammen unter die Dusche muss. Da treibt er es dann mit mir. Wenn es dann passiert, sagt er, siehste, du willst es ja auch. Ist doch toll, dass wir uns haben. Aber ich will das nicht wirklich. Ich hasse, dass es passiert. Aber ich kann nichts machen. Es passiert einfach. Ich strenge mich immer an, dass es nicht passiert, aber ich kann das nicht halten. Und dann sagt er, dass ich es doch will, dass er es ja sieht und merkt und dass ich es schließlich auch merke und genieße und dass ich mich nicht so verstellen soll. Und dass es ja nichts Schlimmes ist, weil wir ja Brüder sind und es außer uns keiner weiß. Das habe ich dann so ausgehalten. Aber jetzt will er es richtig mit mir machen. Er sagt, es ist bestimmt geil. Aber ich habe Angst. Ich will das nicht. Aber ich kann nichts machen. Was soll ich denn machen?"

Janina ist zwölf. Sie ist von ihrem Mitschüler Max beim Ladendiebstahl ertappt worden. Max ist einmal sitzengeblieben und deshalb zwei Jahre älter als Janina. Er erpresst Janina, sich an intimen Körperstellen zu entblößen und sich dann von von ihm mit der Handykamera fotografieren zu lassen. Die Fotos verkauft er an andere Mitschüler.

Janina schreibt mir:
"Ich finde das mit den Fotos nicht so schlimm. Aber ich habe Angst, dass Max den anderen sagt, wer das auf den Fotos ist. Dann bin ich voll blamiert. Jetzt hat Max gesagt, wenn ich es einmal mit seinem Kumpel mache, lässt er mich in Ruhe, weil er dann so viel Kohle kriegt, dass es mit den Fotos geschenkt ist. Sein Kumpel hat ein Auto. Da würde er mit mir in den Wald fahren. Sein Kumpel ist voll eklig. Ich will mit dem doch nicht mein erstes Mal haben. Aber wenn ich das nicht machen, dann sagt er, wer das auf den Fotos ist. Und das will ich nicht, Was soll ich machen?"

Gute Frage: Was soll ich machen?

Sie kommt täglich immer öfter in meinem Kummerkasten an. Schon längst schaffe ich es nicht mehr, die einzelnen Beiträge für die Veröffentlichung aufzubereiten, damit andere aus den Beispielen lernen können. Kinder und Jugendliche scheinen an ihrer viel zu früh endenden Kindheit und der massiven sexuellen Reizüberflutung zu zerbrechen, die per Internet auf dem Handy , Fernsehberieselung und Videos am PC zur Allzeitverfügbarkeit wird.
Meist entspinnt sich mit den Kindern und Jugendlichen eine längere Korrespondenz, die irgendwann bis zum nächsten Problem unterbrochen und dann mit neuem Thema fortgeführt wird. Ein bisschen Lebenshilfe ist das.
Aber, so frage ich mich immer wieder: Wo sind die Eltern?
Meist zeigt sich, dass es alleinerziehende Eltern sind oder in Trennung befindliche oder beruflich stark eingespannte, auch bei Anwesenheit eher abwesende Eltern sind.
Vertrauen, frage ich oft, hast Du denn kein Vertrauen zu ihnen?
Nein, Vertrauen haben sie nicht, erfahre ich dann. Die Eltern würden sich ja doch nicht für sie interessieren, würden bloß rum brüllen, wenn ihnen etwas nicht passte, mit Taschengeldentzug, Freundeverbot, Fernsehverbot, Rechnerverbot oder ins Zimmersperren und Schweigen bestrafen. Vor allem das Schweigen, das so tun, als ob man gar nicht da wäre, nichts gesagt hätte! Das tue so weh. Da käme man sich wie der letzte Dreck vor.
Angst haben sie vor diesen Reaktionen der Eltern, sagen sie mir, die Mädels und Jungs. Angst, dass sie ins Heim kämen oder ins Internat oder wie Luft behandelt würden, wie schlechte Luft. Nein, die E´ltern um Hilfe bitten, das ginge nicht, das könnten sie nicht und bringen würde es sowieso nichts.
Nein, sagt der missbrauchte Zwilling, wie sollte ich das meiner Mutter sagen oder meinem Vater? Meine Mutter würde heulen und mir kein Wort glauben. Mein Vater würde, ja, ich weiß auch nicht, was der mit uns machen würde, wenn er es glauben würde, aber nichts Gutes. Der ekelt sich vor Schwulen. Der würde es bestimmt auch nicht glauben. Und mein Bruder würde nichts zugeben, das hat er schon gesagt. Und das glaube ich ihm auch. Wenn der was will, dasnn kriegt er das auch. Der ist nicht so eine Memme wie ich.

Nein, sagt Lisa, unsere Eltern dürfen das nie, nie erfahren. Hannah unmd ich dürften uns dann ja nie, nie wiedersehen. Das würden wir nicht aushalten. Weil wir uns doch so lieben.

Meine Etern? Ja, nee, das ist das Letzte. Lieber will ich tot sein, sagt Janina.

Wie also helfen? Was raten? Was tun?
Habt ihr so was schon erlebt? Etwas ratlos grüßt euch Karin

2

Donnerstag, 8. März 2012, 12:22

Hannah und Lisa

Hannah und Lisa haben noch nichts zu befürchten, weil beide unter 14 sind.
Doch sobald Lisa 14 Jahre alt ist und Hannah 10 Jahre alt ist, ist die
sexuelle Handlung strafbar:



http://www.planet-liebe.de/beziehung/sex-und-das-gesetz.html



http://www.praxis-jugendarbeit.de/jugend…strafrecht.html





Das, was der Bruder hingegen tut, ist übergriffig und strafbar.



Ich würde beiden empfehlen, sich den Eltern anzuvertrauen, denn das, was
der Bruder macht, ist übergriffig und muss gestoppt werden. Mit den Eltern zu reden kann nicht schlimmer sein, als das auszuhalten, was der Bruder macht.
Wenn die
beiden ihren Eltern nicht vertrauen können/wollen, gibt es einen
Vertrauenslehrer oder andere Bezugspersonen, wie z.B. eine Oma?
Forum für falsche Erinnerungen, (iatrogen)
induzierte falsche Erinnerungen, erfundener Missbrauch,
Falschanschuldigungen und Induzierung der Multiplen
Persönlichkeitsstörung (Link manuell eingeben; Serverproblem) : http://www.induzierte-erinnerungen.de

3

Sonntag, 11. März 2012, 02:36

Ich denke, die eigentliche Problematik liegt viel tiefer, als bei vordergründiger Betrachtungsweise überblickbar ist.
Die Frage "was ist zu tun?" ist so ohne weiteres kaum oder gar nicht zu beantworten.
Sicherlich ist in jedem der geschilderten Einzelfälle dringend zu überlegen, wie die betroffenen Kinder und Jugendlichen an kompetente therapeutische und beratende Hilfen kommen können.
Allein das dürfte schon schwierig, teilweise gar nicht zu beantworten sein.
Nicht zuletzt, da schon die primäre Vertrauensbasis zu den Eltern meistens stark beschädigt, vielleicht sogar zerstört, zu sein scheint.
Das übergreifende Problem scheint jedoch ein gesamtgesellschaftliches zu sein, welches mit der immer stärker fortschreitenden Vernichtung der Institution Großfamilie zusammenhängt, sowie mit der damit einhergehenden isolierten Ermächtigung einzelner Elternpaare oder gar Elternteile in Abhängigkeit von speziell darauf zugeschnittenen staatlichen Institutionen, welche einen enormen Druck auf die Eltern ausüben, wobei gerade die Kinder teilweise erheblich instrumentalisiert werden.
Wo Kinder Schutz bräuchten ( auch voreinander ) wird ihnen Macht erteilt, sogar über die eigenen Eltern.
Wo Verwaltungssachbearbeiter Akten sauber führen und im Auftrage von Hilfesuchenden verwalten sollten, werden sie ermächtigt, in unzulässiger Weise als Richter gegen die Auftraggeber zu agieren. Als Berater oder gar Helfer können sich diese demzufolge Minikönige üblicherweise kaum empfinden.

Ein angebl. afrikanisches Sprichwort besagt: "um ein Kind groß zu ziehen, braucht es ein ganzes Dorf!".
Analog kann man wohl sagen, es braucht beide Eltern, Großeltern, Onkel, Tanten, Geschwister, sonstige Verwandte, Freunde, Nachbarn, Bekannte u.s.w..
Je mehr, desto besser.
Eine intakte soziale Gemeinschaft im direkten Umfeld.
Nur so kann erreicht werden, daß die Eltern nicht hoffnungslos überfordert sind und daß auch die Kinder ausreichend Möglichkeiten finden, um in jeder Situation vertrauenswürdige Personen zur Verfügung zu haben, an die sie sich ggf. wenden können, wenn es um Probleme geht, die sie nicht so einfach mit den direkt beteiligten klären können.

Der stark verkürzte Weg, also "entweder gehst Du zu Deinen Eltern, oder zu einem davon profitierenden Profi, der dann Maßnahmen gegen Deine Familie einleitet" ( sog. "Hilfen" die darauf abzielen, weitere profitable Maßnahmen nach sich zu ziehen ), kann in solch komplizierten Problemlagen nahezu unmöglich im besten Interesse des Kindes sein ( seltene Ausnahmen bestätigen die Regel ).

Es geht also im Endeffekt darum, wie man in der heutigen Gesellschaft ( speziell in Städten ) ein "ganzes Dorf" ( im familiären Sinne ) ersetzen oder gar wiederherstellen kann.

Auch Kummerkästen und Foren können da sicherlich nur eine weitere Krücke sein, die ausschließlich versuchen kann, einen kleinen Ausgleich zum staatlichen System zu bieten. Wobei klar ist, daß auch dadurch nur eine zwar von Profitinteressen unabhängige, aber ansonsten genau so anonyme und somit extrem pauschale, distanzierte Möglichkeit geschaffen wird, die somit außer einem gewissen Wohlwollen leider kaum konkrete Hilfsmöglichkeiten bieten kann.
Hintergrundwissen, sowie systemisch-lösungsorientierte Eingriffsmöglichkeiten sind so leider viel zu selten gegeben, oder zumindest ermittelbar.

Was fehlt ist der staatliche Einsatz ( z.B. durch Finanzierung und gesetzliche Förderung ) für die Familie, den Freundeskreis und die Nachbarschaft als kleinste Zellen der Gesellschaft. Dazu bräuchte es Stadtteil- oder Dorfzentren, in welchen auch je ein Jugend- u. Familien- u. Seniorenzentrum integriert sein müßte ( welche am besten überhaupt nicht voneinander abgegrenzt sein sollten ).
Diese Zentren müßten in so ausreichendem Maße vorhanden sein, daß nahezu jeder Mensch dort über persönliche Kontakte verfügen würde, egal ob er diese als Hilfen braucht, selbst zur Verfügung stellt oder als reines Freizeitangebot betrachtet ( und möglw. überhaupt nicht nutzt ).

Diese Zentren müßten vom Staat völlig unabhängig verwaltet und geleitet werden, nämlich von Familien, Jugendlichen und Senioren ( und auch alleinstehenden Personen ) selbst.
Sie müßten befugt sein, sämtliche staatlichen Mittel und Hilfen selbst zu organisieren und nach Bedarf zur Verfügung zu stellen ( z.B. Therapien, Ausweichquartiere, Mediatoren u.s.w. ).

Eine Art sozialer Dorf- o. Stammesrat für moderne Städter und Dorfbewohner, an den sich jeder jederzeit mit jedem Problem wenden könnte.

Fachkräfte ( z. B. Psychologen, Therapeuten, Rechtsanwälte, Ombudsleute ) würden dort vermutlich nur in sehr geringem Maße gebraucht, da genügend erfahrene Familien- u. sonstige Gemeinschaftsmitglieder verfügbar währen, um Störungen der entsprechenden sozialen Systeme recht schnell zu erkennen und entsprechende Lösungsmöglichkeiten nach Bedarf organisieren zu können ( vorzugsweise im direkten Bereich, also wiederum unter Verwandten, Freunden, Nachbarn, Bekannten o.ä. ).
Ein vollständiges Versagen sämtlicher Hilfsmöglichkeiten, wie es ja heute Gang und Gebe ist, würde dadurch weitgehend vermieden und auch schnelle, flexible Wechsel der Hilfen ( und ggf. auch der Ansprechpartner ) wären möglich.

Einzig denkbarer Grund, warum derartiges nicht versucht, ja noch nicht mal öffentlich angedacht wird:

Es würde die längst kopfstehenden politischen Systeme ( z.B. Demokratie, Monarchie, Behördenwesen u.s.w. ) sicherlich sehr schnell wieder auf die Füße stellen.
Ein Volksvertreter ( egal ob er sich Abgeordneter, König oder Häuptling nennt ) müßte dadurch wieder den Teil der Bevölkerung vertreten, der ihn gewählt hat und dessen Auftrag verantwortlich wahrnehmen ( ebenso institutionelle Sachbearbeiter ).

Das wäre nichts geringeres als eine Revolution!
( und der größte Dienstleistungsbereich deutschlands würde dabei vermutlich in absehbarer Zeit Pleite machen )

Anmerkung:
Das ist in den geschilderten Einzelfällen zwar sicherlich direkt nicht hilfreich, zumindest nicht im Bezug auf die tatsächlich gegebene Situation, aber ich hoffe, daß das Wesen der eigentlich vorliegenden Problematik dadurch möglw. ein Wenig deutlicher geworden ist.

Möglw. hilft das ja auch hie und da etwas, wenn es um die Ermittlung konkreter "Ausweichmöglichkeiten" in einzelnen Fällen geht.

Gruß..........Fiete
Respekt immer!
Angst nie!

4

Montag, 19. März 2012, 00:39

...........

Tigress

Anfänger

Beiträge: 14

Wohnort: zuhause

Beruf: hatte ich auch einmal

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5

Donnerstag, 29. November 2012, 19:19

@Fiete: Die Idee der Dorf- und Stadtteilzentren ist gut. Zumindest müssten die Leute, die irgendwelche Entscheidungen treffen, den Leuten, über die sie entscheiden, hinterher noch oft genug in die Augen gucken. Einen Fehler hat die Idee: Ich kenne keins solcher Zentren, und es wird solche Strukturen auch erst geben, wenn das gegenwärtige Machtgefüge um die Jugendämter nicht mehr besteht. Bis dieses System von selbst kollabiert, werden wir wohl noch länger warten müssen.

lg

Tigress

6

Freitag, 30. November 2012, 06:46

Ehrlich gesagt, Tigress, auch ich kenne kein solches Zentrum. Es gab aber im Lauf der Menschheitsgeschichte immer wieder ähnliche Institutionen. Zunächst einfach in den gesellschaftlichen Gruppierungen selbst, die nur ein paar dutzend bis hundert Leute groß waren. Auch Gemeinschaftshäuser o.ä. Dorfzentren gab es, in denen sich ein großer Teil des gesellschaftlichen Lebens abspielte. Und vor einigen Jahrzehnten hatten wir hier in D. z.B. unabhängige Jugendzentren und als es die grauen Panther noch gab, hatten die auch ihre Treffpunkte. Warum diese, im Prinzip schon in die Richtung gehenden, Zentren, soweit mir bekannt, alle geschlossen wurden, weiß ich nicht, aber man könnte durchaus spekulieren, daß manche davon wohl einfach deswegen nicht erwünscht waren, weil sie von staatlicher Kontrolle relativ wenig abhängig waren.
Familienhäuser als Notaufnahme und Gewaltschutzeinrichtung sind ja schon seit Jahren im Gespräch, zumindest in der Väterbewegung. Prof. Amendt erinnert immer wieder mal daran.
Und die Idee von Ombudsstellen zur Kontrolle und Qualitätssicherung der JÄ und Gerichte, sowie als außergerichtliche Anlaufstellen bei innerfamiliären Streitigkeiten oder Problemen mit Ämtern und Gerichten, sind seit einigen Monaten auch in der Diskussion ( ist von einigen Piratengruppen ausgegriffen worden ). In Berlin versuchen die JÄ u. Drittleister schon selbst ähnliches ( natürlich fest im Helfersystem eingebunden ) zu praktizieren, nicht zuletzt sicherlich, weil sie erkannt haben, daß derartiges unausweichlich ist und sie sich so ihren Einfluss sichern wollen.

Ansatzpunkte gibt es also.
Natürlich ist vollkommen klar, daß eine zig-Milliardenindustrie sich nicht einfach die Wurst vom Brot ziehen lässt und die derzeitige gesellschaftliche Entwicklung ist auch nicht gerade als günstig zu bezeichnen.

Aber durch die rapide Expansion der Dienstleistungsbranchen ( rein um ihrer selbst willen ), bis hin zu dem neuesten, völlig kuriosen Vorschlag, daß Mütter, die kurz nach der Geburt eines Kindes wieder arbeiten gehen, dafür vom Staat eine Haushaltshilfe bekommen sollen ( absoluter Wahnsinn, sollen die sich alle gegenseitig die Wohnung putzen und reihum die Kinder betreuen? ), ist klar, daß dieser Unsinn sich von selbst erledigen wird. Ein Dienstleistungssystem ohne Rückgrat in der Produktion treibt unweigerlich in den wirtschaftlichen Zusammenbruch.
Die Karten werden also ein absehbarer Zeit, zumindest teilweise, neu gemischt werden.
Selbst die "hohe Politik" sieht ja längst, daß nur mit ehrenamtlichen Leistungen die Finanzierbarkeit des heutigen staatlichen Systems noch aufrecht zu erhalten ist. Allerdings versuchen die Institutionen logischerweise die Kontroll- u. Leitungsfunktionen fest im Griff zu behalten ( oder sogar auszubauen ).
Da liegt das eigentliche Problem, denke ich.

Und die Idee der regionalen Sozialzentren ist natürlich insofern eine Idealvorstellung, die in der Praxis von vielen Faktoren abhängig ist.
Je nach den Gegebenheiten des jeweiligen Standorts ergeben sich vermutlich recht spezielle Problemstellungen, die man erstmal lösen muß.
Das ist aber etwas, das durch ein Umdenken in der Öffentlichkeit schon wesentlich beflügelt werden könnte, denn die Hauptarbeit und -initiative sollte idealerweise auch von den Leuten vor Ort ausgehen.
Mal vorausgesetzt, daß es vielleicht gelingt, aus dem Umfald von Väter- u. entsorgen Elternorganisationen einige unabhängige Gewaltschutzzentren zu gründen, etwa zeitgleich die familienrechtliche Problematik in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, könnte dadurch schon eine gewisse Eigendynamik angeschubst werden.

Es ist halt nur eine Idee, mit einem ziemlich langfristigen Ziel und der Weg dahin ist in einigen Punkten unklar, oder noch gar nicht existent.
Aber eine einigermaßen auf Menschlichkeit und gesundem Verstand aufbauende sozio-kulturelle Entwicklung vorausgesetzt ( wie immer die auch zustande kommen mag - so gesehen hat der zweite Weltkrieg uns immerhin die UNmrk und das Grundgesetz beschert ), könnte ich mir vorstellen, daß etwas ungefähr ähnliches dabei herauskommen könnte.

Wie genau so etwas en Detail umzusetzen wäre, habe ich, ehrlich gesagt, überhaupt keine Ahnung.
Aber dafür gibt es andere schlaue Köpfe, die möglw. zur richtigen Zeit am richtigen Ort das richtige in Gang bringen.

Das waren jetzt mal die positiven Ansatzpunkte, die ich kenne. Die negativen habe ich letztens erst an anderer Stelle so zusammenzufassen versucht:
https://gabrielewolff.wordpress.com/2012…en/#comment-706


Gruß.............Fiete
Respekt immer!
Angst nie!