Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Forum von Dr. Karin Jäckel. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Lotosritter

Fortgeschrittener

Beiträge: 264

Wohnort: Oberbayern

Beruf: Künstler

  • Nachricht senden

1

Samstag, 28. Februar 2015, 23:57

Fritz Raddatz, kein Opfer, sondern nur Missbrauchter und Geschändeter

Am 26. Februar starb der Feuilletonist Fritz Raddatz. In seinen Tagebüchern hielt er fest, wie er von seinem Vater brutal gezüchtigt wurde und von seiner Stiefmutter mit Hilfe und im Beisein des Vaters sexuell geschändet wurde. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung antwortete Raddatz letztes Jahr auch zu dem erlittenen Missbrauch:

Zitat

Als Sie elf Jahre alt waren, gab es eine Nacht, die, wie Sie schreiben, »mein ganzes Leben bestimmt und zerstört hat, nämlich als mein Vater mich verführt und ich mit seiner Frau ficken muss«.
Obwohl ich ein alter Mann bin, habe ich diese Nacht nicht vergessen können. Mein Vater kam mit erigiertem Glied in mein Schlafzimmer, zog mich durch die Verbindungstür ins elterliche Schlafzimmer und führte mich meiner Stiefmutter zu. Mit meinen elf Jahren hatte ich keine Ahnung, was von mir erwartet wurde. Ich hatte noch nicht mal onaniert. Meine Sexualität bestand aus unbegriffenen Ferkelversen aus der Schule und Witzchen, wie die Kinder zustande kommen. Mein Vater führte mir vor, wie man das macht. Sein erigierter Schwanz – riesig in den Augen eines Elfjährigen – war ein entsetzlicher Schock. Es war eine psychische und physische Vergewaltigung. Heute würde man Herrn Raddatz einen Sexualverbrecher nennen und die Polizei rufen.

Was mich an seinem Bericht erschreckt ist seine erkennbare Empathielosigkeit und Distanz mit der er über das Verbrechen spricht. In ähnlich distanzierter Weise berichtete ich vor Ausbruch meiner akuten PTBS auch über meine Schändung. Sie war ein Datum in meiner Biografie, das mit mir nur insoweit zu tun hatte, als dass ich es bezeugen konnte. Das und wie ich daran gelitten habe, hatte ich bis dahin überspielt und mir Gefühle dazu nicht erlaubt. Ich konnte erstmals 50 Jahre später über das, was mir angetan wurde, weinen. Ich nehme an, Fritz Raddatz konnte dies bis zu seinem Tod nicht.
Lotosritter