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Mittwoch, 12. September 2012, 23:32

Rituelle Beschneidung contra Gleichwertigkeit von Kindern

Auf wer-kennt-wen.de gibt es einen Thread, in dem sehr viele Infos zu dem Themenbereich rituelle Beschneidung ( besonders von Jungen, bei Mädchen sind ja selbst symbolische Beschneidungs-Riten längst praktisch weltweit verboten ) zusammengetragen wurden.
Ich habe mir erlaubt, die Texte und Zitate mal etwas zusammenzufassen und, völlig unsortiert, untereinander zu setzen.
Es sind ein paar Videos dabei und drei, wie ich meine, sehr unterstützenswerte Petitionen.
http://www.vaeter-fuer-gerechtigkeit.de/…-zulaessig.html

Gruß..........Fiete
Respekt immer!
Angst nie!

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Samstag, 29. September 2012, 22:32

Mir will es nicht einleuchten

Was unterscheidet das Beschneiden von Jungen und Mädchen?
Ist das Kappen einen männlichen Körperteils weniger verboten als das Kappen eines weiblichen?
Sind Jungen generell zur Verletzung freigegeben, Mädchen nicht?
Sind Mädchen schützenswerter als Jungen?
Was unterscheidet die Schmerzen der beschnittenen Kinder?
Leiden Jungen etwa weniger als Mädchen?
Schmerzt das Hautabschälen an einem Mini-Penis weniger als an einer Mini-Klitoris? Schmerzt das Abschneiden einer Minivorhaut weniger als das Abschneiden von Schamlippen?
Was unterscheidet die Gefahren, denen beschnittene Mädchen bzw. Jungen durch die Beschneidung ausgesetzt sind?
Überleben Jungen leichter als Mädchen?
Warum ist die Beschneidung von Mädchen verboten, die von Jungen erlaubt?
Weil es unterschiedliche religiöse Motive sind, unterschiedliche Religionen?
Rechtfertigen - egal, welche - religiöse Motive und Überzeugungen Körperverletzungen an Kindern?

Mir will es nicht einleuchten, dass Kinder gequält und lebenslang gezeichnet werden - dürfen.

Leib und Seele sind ebenso unatastbar wie die Würde des Menschen. Auch Kinder sind Menschen!

Wenn Erwachsene sich beschneiden lassen wollen, - es ist ihre Entscheidung, ihr Körper.
Aber Kinder?
Sie haben keine Wahl. Sie müssen erdulden und erleiden, was Erwachsene über sie bestimmt haben und an ihnen vollziehen.

Mir will es nicht einleuchten.


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Samstag, 29. September 2012, 22:43

Es graust mich

Obwohl es kaum zu ertragen ist, habe ich Deine Informationen alle gelesen, die Videos angeschaut, Fiete.

Es graust mich! Es graust mich uendlich!

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Sonntag, 30. September 2012, 00:10

Ja, Karin, mir ging es nicht anders.
Ich bin gewiss kein Mensch, der sich leicht emotional beeinflussen lässt, besonders wenn es um "gruselige Dinge" geht, aber nach manchen Beschreibungen und erstrecht diesem Lehr-Video von dem "Routine Eingriff" in USA, war auch mir längere Zeit mehr als übel.
Da stellt sich dann schon die Frage nach dem "Cui bono?"
Wem nützt derartiges?
Und als religionskritischer Denker, drängten sich mir doch einige Schlüsse auf, warum gerade hochrangige Vertreter mehrerer großen religiöser Vereinigungen so verbissen Propaganda für die Beschneidung von Jungen betreiben und warum bei uns die gleichen Politiker, die selbst symbolische Ersatzhandlungen an Mädchen zu illegalen Brutalitäten erklären ( selbst wenn dabei überhaupt kein tatsächlicher Eingriff stattfindet ), bei Jungen solche Grausamkeiten noch vehement verteidigen.

Noch seltsamer finde ich, daß verschiedene Medien suggerieren, daß "Deutschland für die Beschneidung" ist und von Bevölkerungsmehrheiten sprechen, während alle mir bekannten Plattformen, die Artikel und Umfragen dazu bringen, klar erkennen lassen, daß wohl die deutliche Mehrheit dagegen ist ( zumindest gegen Zwangsbeschneidungen im Kindesalter ).

Sollten sich nicht alle Eltern selbst ein paar einfache Fragen dazu stellen, wie diese Mutter?
http://mogis-und-freunde.de/blog/habt-mu…l-einer-mutter/

Hier noch ein Interview mit einem Vertreter der Giordano-Bruno-Stiftung:
https://www.youtube.com/watch?v=fVy6wgI0qeM

Gruß..........Fiete
Respekt immer!
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5

Mittwoch, 3. Oktober 2012, 06:49

Hallo Fiete

Zitat

Ich bin gewiss kein Mensch, der sich leicht emotional beeinflussen lässt, besonders wen es um "gruselige Dinge" geht
Das habe ich von mir auch gedacht, ... ich höre seit Jahren Berichte über Kindstötung, Menschen essen, Blut trinken, Frauen den Bauch aufschneiden, ... ich dachte, mich könne nichts mehr schocken. Aber wenn ich Berichte über Beschneidungen lese, sei es nun über weibliche oder männliche Beschneidung, da kriege ich echt Gänsehaut. Ich habe das Beschneidungsthema nicht weiter verfolgt, weil mir echt übel geworden ist, sowohl was die Beschneidung an sich angeht, als auch die Diskussionen, die über männliche Beschneidung geführt werden. Wenn es um Mädchen geht, dann fallen 1000 hoch 10 Argumente gegen die weibliche Beschneidung ein. Aber wenn es um die Beschneidung keiner Jungs geht, dann finden dieselben Personen, die 1000 hoch 10 Argumente gegen die weibliche Beschneidung nennen, es absolut okay, kleinen Jungs ihre Genitalien zu zerstückeln.
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Lotosritter

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6

Donnerstag, 4. Oktober 2012, 01:10

Lieber Fiete,

ich habe von einem Video zur Beschneidung gelesen, das im Internet kursiert, bei dem der Rabbi nach erfolgter Beschneidung das Blut vom Penis mit den Lippen aufnimmt. Dieses Ritual soll angeblich nur von orthodoxen Juden durchgeführt werden. Wie auch immer, ich sehe mir solche Filme nicht an.

Was die Diskussion zur Beschneidung so problematisch macht, ist dass in sie Antisemitismus als auch Islamophobie und ein aggressiver Atheismus sowie antifeministische wie feministische Momente mithineinspielen. Sprich der ganze hitzige ideologische Wahn spiegelt sich im Hintergrund der Diskussionen wider. Das ist ein sehr ungutes Gemenge.

4000 Jahre war Beschneidung von Jungen wie Mädchen kein Thema. Als vor 20 Jahren die Beschneidung von Mädchen thematisiert wurde, fragte ich mich, warum die Aufregung über die Mädchen, wenn man nicht gleichzeitig die weltweit viel häufigere Verstümmelung der Buben ins Gespräch bringt. Ja, Familienministerin Schröder forderte im Zusammenhang mit der Beschneidungsdebatte von Jungen am 16. Juli 2012 gar einen eigenen Strafbestand für die Mädchenbeschneidung, während gleichzeitig Rechtssicherheit für die straflose Beschneidung von Buben angestrebt wird.

In den USA sind etwa 70 % der Männer beschnitten, aktuell werden dort noch immer mehr als die Hälfte der männlichen Neugeborenen beschnitten. Die Gründe hierfür sind krude. Die dümmste Begründung dafür ist das hygienische Argument. Smegma bildet sich unter der Vorhaut wie in der Scheide, dagegen hilft waschen, wie man es für gewöhnlich Buben und Mädchen beibringt.

Also sollte man die Diskussion auf das Eigentliche reduzieren und dies ist die Frage: Soll es in unserem Kulturkreis Eltern erlaubt sein, ihr Kind körperlich zu verstümmeln? Die Antwort ist unter dieser Fragestellung klar. Sie verändert sich, wenn wir unsere Kultur verändern. Das diese Veränderung tagtäglich geschieht, so wie sie seit Menschengedenken geschah und geschehen wird, ist die andere Sache. Insofern ist es wichtig, dass die klare Antwort nicht eingetrübt wird, denn nur dann können wir eine Veränderung zum Schlechteren abwenden und sie dafür zum Besseren wenden.

Gute Nacht
Lotosritter

7

Donnerstag, 4. Oktober 2012, 02:47

Ein m.E. ausgezeichneter Kommentar, Lotosritter,
Er führt genau dahin wieder zurück wo die Diskussion sich zu entwickeln anfing.
Genau da ist mein Standpunkt und da bleibt er auch.
Da ich selbst in der Feminismusdiskussion aktiv drin stecke und v.dh. stets gefährdet bin, als möglicher Antisemit, Rechtsausleger, o.ä. diffamiert zu werden, freut es mich besonders, daß jemand anders, also i.d.F. Du, das so treffend dargestellt hat.
Weg von Nebelkerzen, Ideologie, Polarisierung, Hass und Kriegstaktiken.
Back to the Roots.
Sachliches Abwägen tut Not.

Eben deshalb habe ich auf Väter-für-Gerechtigkeit.de den Beitrag auch ohne Sortierung, so wie er in dem WKW-Thread ablief, untereinender kopiert.
Er begann mit ein paar Infos zu denen ich mich geäußert hatte, zeigte dann die ganze Bandbreite an wirren Abschweifungen, Ideologisierungen u.ä., und gegen Ende kamen die relativ sachlichen Beiträge und Petitionen, an denen sich auch jüdische und moslemische Mitbürger beteiligen.

Ich hoffe, daß unsere Gesellschaft in etwa auch in die gleiche Richtung geht und sich nicht durch das Propagandagedudel, von wg. "Deutschlang will die legale Beschneidung von Jungen", oder "wer gegen die Beschneidung ist, will einen Holocaust" o.ä. beeindrucken lässt, sondern zu ihrer Meinung steht und diese auch - vielleicht ausnahmsweise mal - durchsetzt.

Für mich prsönlich steht die körperliche u. geistige Unversehrtheit von Kindern an erster Stelle, über allen anderen Menschenrechten.
Daher mein Slogan:
Kinder sind nicht "unsere Zukunft"
Sie sind ihre eigene Gegenwart

Darauf haben sie das m.E. höchste Recht überhaupt, denn nicht sie sind für ihre Existenz verantwortlich ( und für unsere schon gar nicht ), sondern ihre Eltern.
Und die haben die unumstößliche Pflicht, sie zu schützen, in allen Belangen.
Durch den Zwang zu einer bestimmten Religion oder Ideologie, wird dieses Recht und diese Pflicht per se schon verletzt.
Insofern ist die Beschneidung bei beiden Geschlechtern in meinen Augen eine absolut unzulässige Stigmatisierung, die keinem anderen Zweck dient, als ihre Freiheit zu beschneiden.
Unabhängig von allen anderen Argumenten, die einem noch dazu einfallen können.

Gruß..........Fiete
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8

Freitag, 5. Oktober 2012, 03:53

Ich schäme mich zutiefst, bis vor kurzem der Propaganda geglaubt zu haben, Beschneidung an Jungen sei eine kaum zu spürende Kleinigkeit, man mache das um der Gesundheit willen.

Wie blass und kaputt die als Prinzen angezogenen Jungen in der Türkei aussahen, dass sie mir in ihrem zustand ganz arg erbarmten, das hatte ich völlig ausgeblendet.

9

Mittwoch, 10. Oktober 2012, 14:55

Kabinett beschließt Neuregelung zur Beschneidung

An Jungs darf weiterhin rumgeschnitten werden, während die Beschneidung bei Mädchen verboten bleibt.
Nicht das Kind darf entscheiden, ob es beschnitten werden möchte. Die Entscheidung treffen die Eltern.

Für mich eine nicht nachvollziehbare Kabinettentscheidung.

Kabinett beschließt Neuregelung zur Beschneidung
http://www.spiegel.de/politik/deutschlan…g-a-860465.html

Zitat

Nach heftigem Streit hat die Bundesregierung das neue Gesetz zur Beschneidung auf den Weg gebracht. Die Eingriff bei Jungen soll straffrei bleiben, Eltern müssen sich künftig über die Risiken aufklären lassen.
(...)
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Tigress

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10

Mittwoch, 14. November 2012, 07:25

Nein, diese Entscheidung verstehe ich auch nicht. Und warum darf bis zum sechsten Lebensmonat ein wie auch immer ausgebildetet Laie das Messer ansetzen, warum nicht gleich nur ein Mediziner?

Im übrigen:

Nach othodoxer Rechtsauffassung ist derjenige ein Jude, der
1. von einer jüdischen Mutter abstammt oder
2. zum Judentum übertritt.

Wer eine dieser Voraussetzungen erfüllt, ist Jude, in Deutschland und überall auf der Welt. Von Beschneidung ist nicht die Rede, das kommt erst in den Mitzwe (Pflichten) zur Sprache. Es handelt sich um 613 Gebote und Verbote, die ein Jude zu erfüllen hat.

Insofern ist der Aufschrei des jüdischen Zentralrates, dass ohne Beschneidung Judentum in Deutschland möglich sei, etwas übertrieben, zumal liberale und progressive Juden einige diese Pflichten kritischer sehen.

lg

Tigress

11

Freitag, 14. Dezember 2012, 10:32

It's A Boy!
http://www.realeyz.tv/de/its-a-boy.html

Zitat

Dokumentarfilm über männliche Beschneidung. Regisseur Victor Schonfeld, selbst Vater und Jude, untersucht innerhalb der jüdischen und muslimischen Communities in London und weltweit die Auswirkungen des Eingriffs auf kleine Jungen als Frage der Kinderrechte.
(...)



Beschneidungsdebatte: Offener Brief jüdischer Filmemacher an den Bundestag.
http://www.humanist-news.com/offener-bri…-den-bundestag/

Zitat

(...)
“Der Film ist ein bewegendes, in Teilen verstörendes Dokument, eine Quelle bedeutsamer Informationen zur Beschneidung, ein Stück Aufklärung im besten Sinn: erhellend zu seinem Gegenstand, belehrend für seinen Betrachter, eine tiefe Spur im Gedächtnis aller hinterlassend, denen Mitgefühl und Schutz für hilflose Babies ein Anliegen sind. Für unsere Abgeordneten sollte es ein nobile officium sein, den Film zu sehen, bevor sie ein generelles Erlaubnisgesetz für nicht-medizinische Beschneidungen verabschieden.”
Professor Dr. Reinhard Merkel – 18 November 2012
Mitglied des Deutschen Ethikrates
Universität Hamburg, Rechtswissenschaftliche Fakultät
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Freitag, 15. Februar 2013, 01:49

Beschneidung im Rahmen des elterlichen Sorgerechts erlaubt

Frauenaufstand weltweit gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Sie scandieren: "Genug! Genug! Genug!", tanzen ihren Protest, marschieren, zeigen Geschlossenheit.
Scharfer Protest und lautstarker Widerstand auch gegen die als (sexuelle) Gewalt gegen Mädchen erkannte und bekämpfte Genitalbeschneidung von Mädchen.

Gut ist das.

Aber wo bleibt ein vergleichbarer Aufstand gegen sexuelle Gewalt gegen Männer und Jungen?
Warum verpuffen Protest und Widerstand gegen die Genitalbeschneidung von kleinen Jungen?

Webseiten wie zum Beispiel diese:
http://www.stop-mutilation.org/
http://www.taskforcefgm.de/
informieren über Genitalverstümmelung durch Beschneidung von Mädchen.
Alle Welt ist sich einig, dass diese religiös-rituelle Körperverletzungen grausamste Eingriffe in Körper und Leben darstellen und strengstens verboten werden müssen.

Bei Jungen hingegen wird religiös-rituelle Genitalverstümmelung durch Beschneidung gesetzlich erlaubt.

Eine Handvoll Männer und Frauen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit mehrheitlich selbst nie beschnitten wurden und auch keine Kinder haben, die beschnitten wurden oder werden, - Menschen also, die nie ein Kind in den Armen hielten, das beschnitten wird oder werden soll, nie erlebt haben, wie kleine Jungen darauf reagieren, nie das herzerreißende Wehgeschrei eines Kindes gehört haben, das beschnitten wird/wurde, nie den anhaltenden Schmerz während des Heilungsprozesses am eigenen Leib erfahren oder als Eltern miterlebt haben, - sie wischen dieses Kinderleid einfach vom Tisch, erlauben einen solchen Eingriff per Gesetz, obwohl auch einem männlichen Kind die körperliche Unatastbarkeit und Unversehrbarkeit gesetzlich garantiert ist.

Warum tun sie das? Warum schützen sie kleine Jungen nicht ebenso wie kleine Mädchen?

Weil einige von ihnen behaupten, kleine Jungen würden "mit Tatwaffe" geboren?
Weil einige von ihnen in kleinen Jungen die künftigen großen "Täter" wahrnehmen?
Oder weil die Beschneidung von Jungen ein religiöses Ritual von Juden und Moslems ist?
Weil man diese Frage speziell in Deutschland kaum denken, geschweige denn stellen darf?
Oder weil die "Gesetzgeber" nicht wissen, nicht wissen wollen, was sie tun?

CDU/CSU verkündeten dazu gemeinschaftlich am
10.10.2012
Michael Frieser
Beschneidung ist im Rahmen des elterlichen Sorgerechts unter Voraussetzungen möglich
Gesundheit des Kindes wird durch Bindung an Regeln der ärztlichen Kunst und die davon umfasste effektive Schmerzbehandlung geschützt

Am heutigen Mittwoch wurde im Bundeskabinett der Gesetzesentwurf zur Regelung der Beschneidung von Jungen beschlossen. Dazu erklärt der Integrationsbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Frieser:

„Die vom Bundeskabinett verabschiedete Regelung beseitigt die nach dem Urteil des Landgerichts Köln entstandene rechtliche Unsicherheit, von der sowohl Eltern, Geistliche als auch Ärzte betroffen waren. Der Gesetzentwurf orientiert sich weitgehend an den Überlegungen des Deutschen Ethikrates und bringt die unterschiedlichen Interessen in einen angemessenen Ausgleich. Die Fraktion begrüßt, dass die parlamentarischen Beratungen nun aufgenommen werden können und eine gesetzliche Regelung in naher Zukunft erfolgen kann.
Die religiös motivierte Beschneidung von Jungen hat nicht nur eine lange Tradition, sondern sie dient auch im Kern der Identifikation vieler jüdischer und muslimischer Menschen mit ihrer Religion. Wenn der Ritus rechtlich verboten wäre oder in einer strafrechtlichen Grauzone stattfände, würde dies für hier lebende Juden und Muslime einen tiefen Konflikt zwischen religiösen und weltlichen Gesetzen bedeuten. Außerdem würde zu tief in die Freiheit der Religionsausübung eingreifen. Die Abwägung zwischen dem Recht auf Religionsausübung, der elterlichen Fürsorge und dem Eingriff in die körperliche Unversehrtheit des Kindes muss deshalb gesetzlich eingerahmt werden.
Die gesetzliche Regelung wird nicht im Strafgesetzbuch stehen, sondern im Kindschaftsrecht des Bürgerlichen Gesetzbuchs im neuen Paragrafen 1631d verankert. Dieser stellt klar, dass Eltern unter bestimmten Voraussetzungen im Rahmen des elterlichen Sorgerechts in die Beschneidung ihres Sohnes einwilligen können. Die Gesundheit des Kindes wird durch die Bindung an die Regeln der ärztlichen Kunst und die davon umfasste effektive Schmerzbehandlung geschützt. Eltern müssen den Kindeswillen bei der Entscheidung mit einbeziehen. Die Beschneidung darf nur nach einer vorherigen umfassenden Aufklärung erfolgen. Sollte im Einzelfall das Kindeswohl zum Beispiel bei gesundheitlichen Risiken gefährdet sein, greift zum Schutz des Kindes eine Ausnahmeregelung.“
Hintergrund:
Mit Urteil vom 7. Mai 2012 wertete das Landgericht Köln die auf Wunsch der Eltern aus religiösen Gründen vorgenommene Beschneidung eines vierjährigen Jungen als eine rechtswidrige Körperverletzung. Die Beschneidung entspreche nicht dem Wohl des nicht einwilligungsfähigen Jungen, hieß es in dem Urteil. Es wird von Vertretern verschiedener Religionsgemeinschaften als Angriff auf die Religionsfreiheit kritisiert. Der Deutsche Bundestag forderte die Bundesregierung am 19. Juli 2012 auf, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der sicherstellt, dass eine medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen grundsätzlich zulässig ist. Heute wurde vom Bundeskabinett der entsprechend beschlossene Gesetzentwurf vorgelegt.

Diese Pressemitteilung finden Sie auch auf unserer Homepage und in unserem Presse-Twitter-Kanal @cducsupm.
Kurz-URL: http://cducsu.cc/QUEAzf

CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
fraktion@cducsu.de
http://www.cducsu.de

Zwei Tage später wurde von den Schwesterparteien als weitere Presseerklärung verkündet:
12.12.2012
Andrea Voßhoff
Beschneidung von Jungen bleibt erlaubt
Eingriff nach den Regeln der ärztlichen Kunst

Der Deutsche Bundestag hat am heutigen Mittwoch den Gesetzentwurf der Bundesregierung über den Umfang der Personensorge bei der Beschneidung des männlichen Kindes verabschiedet. Dazu erklärt die rechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Andrea Voßhoff:

„Der Deutsche Bundestag hat heute das umgesetzt, was er bereits am 19. Juli in einem Entschließungsantrag mit breiter Mehrheit gefordert hatte: Die weltweit erlaubte Beschneidung von Jungen bleibt unter bestimmten Voraussetzungen auch in Deutschland weiterhin zulässig. Juden und Muslime, für die die rituelle Beschneidung von elementarer religiöser Bedeutung ist, können ihre Religion hierzulande auch künftig offen und legal leben.
Der Gesetzgeber bestätigt damit, was seit jeher in Deutschland gilt, dass nämlich Eltern im Rahmen ihres Sorgerechts in die medizinisch nicht erforderliche Beschneidung ihrer Söhne wirksam einwilligen können. Voraussetzung ist jedoch, dass der Eingriff nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt wird. Nach diesen Regeln müssen die Eltern über die Risiken und Folgen der Beschneidung umfassend aufgeklärt werden und selbstverständlich muss immer eine möglichst effektive Schmerzbehandlung gewährleistet sein. Die Eltern sind außerdem verpflichtet, den Willen ihres Sohnes in ihre Entscheidung einzubeziehen und zwar umso mehr, je älter das Kind ist.
In der Regel dürfen nur Ärzte die Beschneidung vornehmen. Personen, die von einer Religionsgemeinschaft dafür vorgesehen werden, wie die jüdischen Mohalim, dürfen dies nur in den ersten sechs Lebensmonaten eines Jungen und nur, wenn aufgrund ihrer speziellen Ausbildung gewährleistet ist, dass sie für den Eingriff so befähig sind wie ein Arzt. Auch sie sind natürlich uneingeschränkt an die Regeln der ärztlichen Kunst gebunden.
Werden all diese Vorgaben eingehalten, gehen Eltern nach derzeitigem Wissenstand kein unvertretbares gesundheitliches Risiko ein, wenn sie ihren Sohn beschneiden lassen. Eine Gefährdung des Kindeswohls ist bei einer medizinisch fachgerecht vorgenommenen Beschneidung grundsätzlich nicht zu erwarten, ein staatliches Verbot der Beschneidung daher insbesondere verfassungsrechtlich nicht gerechtfertigt.
Der heute vom Bundestag beschlossene Gesetzentwurf stellt dies nochmals ausdrücklich klar. Er schafft damit Rechtssicherheit vor allem für Moslime und Juden nachdem das Landgericht Köln im Mai die geltende Rechtslage vorübergehend in Frage gestellt und die Beschneidung als rechtswidrige Körperverletzung gewertet hatte.“
Diese Pressemitteilung finden Sie auch auf unserer Homepage und in unserem Presse-Twitter-Kanal @cducsupm.
Kurz-URL: http://cducsu.cc/VVETiS

CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
fraktion@cducsu.de
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"Eine Gefährdung des Kindeswohls ist bei einer medizinisch fachgerecht vorgenommenen Beschneidung grundsätzlich nicht zu erwarten..."

Aha!
Die gesundheitlich unnötige, bei vollem Bewusstsein vollzogene, höchst schmerzhafte und extreme Angst hervorrufende Amputation eines natürlich gegebenen Körperteils gefährdet also das "Kindeswohl" eines Jungen nicht?

Für mich bleibt angesichts dessen einmal mehr die Frage:
Was ist Kindeswohl?

Lotosritter

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13

Samstag, 16. Februar 2013, 02:45

Nun, ich bin gespannt, wie irgendwann das BVG entscheiden wird. Ich würde allerdings nicht darauf wetten, dass die roten Roben sich gegen eine Jungenbeschneidung aussprechen werden. Da ist zuviel politischer Zündstoff drin, und erfahrungsgemäß fehlt dem Gericht zu solchen Entscheidungen der Mut.
LG Lotosritter

14

Dienstag, 19. Februar 2013, 06:51

Beschneidung kostet Sex-Spaß
http://www.aerztezeitung.de/politik_gese…-_-Beschneidung

Zitat

Beschnittene Männer haben schlechteren Sex, berichten belgische Wissenschaftler. Ihre Studie ergab: Mit der Vorhaut geht auch etwas Sexvergnügen verloren.
(..)
Denn was weg ist, ist weg, und fürs männliche Lustempfinden spielt das Präputium offenbar keine ganz geringe Rolle.
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15

Samstag, 2. März 2013, 02:33

Alles aus Gottes-Liebe?

Wahrscheinlich wird sich die im Ausland verständnislos bis hämisch bespöttelte "German Angst" auch in dieser Entscheidungsfrage breit machen und keine Entscheidung der obersten Richter gegen eine Jungenbeschneidung zulassen. Diesbezüglich teile ich Deine Einschätzung voll und ganz, Lotosritter.

Dir, Jenny-Doe, vielen Dank für den aufschlussreichen Link zu den Folgen der Jungenbeschneidung in der Ärztezeitung. Dass eine solche Studie erstellt wurde, finde ich sehr wichtig. Bemerkenswert ist die Bereitschaft, der per Flugblatt zur Teilnahme Eingeladenen, sich zu äußern. In meinen Augen ist schon das ein Hinweis auf die Bedeutsamkeit des Problems.

Dass die Jungenbeschneidung nicht nur schmerzhaft ist, sondern im Erwachsenenleben Lustverlust und somit nennenswerte Paarprobleme bis hin zu Trennungen nach sich ziehen kann, wird allerdings wohl kaum dazu führen, dass die juristischen Entscheidungsträger/innen den politisch Verantwortlichen auch den Jungenschutz aufzwingen werden.

Religiöse Traditionen, sei es der Zölibat im Christentum, sei es die rituelle Beschneidung von Jungen und Mädchen in anderen Religionen, scheinen sakrosankt zu sein.

Das Leid, das im Namen verehrter Gottheiten oder Gottes über Menschen gebracht wurde, ist unfassbar groß und nimmt kein Ende. Im Gegenteil, es wächst und wächst und breitet sich gerade wieder einmal aus "Gottes-Liebe" als Terrorwelle über die Welt aus. Den einzig wahren Gott durch Mord und Totschlag, Feuer und Waffen, Todesopfer und furchtbarstes Leid bekennen und zum einzig wahren Glauben bekehren zu wollen, ist Menschenwesen seit jeher.

Was aber ist es, das den Menschen dazu bringt, derartige Opfer zu erzwingen und zu erbringen?

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Donnerstag, 26. September 2013, 18:48

Gibt es Hoffnung, dass sich "Kindeswohl" nicht nur auf das weibliche Geschlecht beschränkt?

OLG: Eltern müssen vor Beschneidung mit Sohn sprechen
Kenianerin darf Sechsjährigen nicht beschneiden lassen

http://de.nachrichten.yahoo.com/olg-elte…-142232052.html

Zitat

Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hat die neue Gesetzesregelung zu religiös und kulturell motivierten Beschneidungen konkretisiert und einer Mutter aus Kenia einen solchen Eingriff bei ihrem sechsjährigen Sohn untersagt.
(...)
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Lotosritter

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Montag, 20. Juni 2016, 01:35

Nehmt den Beschneidern die Messer weg

In meinem Blog Lotoskraft habe ich eine Rede des Kinderarztes Dr. med. Christoph Kupferschmid vom April 2016 veröffentlicht, in der er sich gegen jede unnötige Beschneidung, egal ob medizinisch oder rituell begründet, wendet.