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Freitag, 2. September 2011, 15:05

Abschaffung - Pro & Contra

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Donnerstag, 5. April 2012, 00:49

Diskussion im Jugendämter.com-Forum

Hier ein Link zu einem Diskussionsthread Forum von Jugendämter.com, von dem ich hoffe, daß er noch noch die eine oder andere konstruktive Fortsetzung findet.
http://www.jugendaemterforum.de/t38f26-a…eite.html#msg82
Gern auch hier, denn das Thema ist wichtig.

Gruß............Fiete
Respekt immer!
Angst nie!

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Donnerstag, 18. Oktober 2012, 11:48

Also ich bin der Meinung, dass das Jugendamt schon wichtig ist.
Doch ich denke auch, dass dieses oft bei den falschen Familien unterwegs ist...
Grüße!

Tigress

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4

Mittwoch, 14. November 2012, 03:27

Ich plädiere fürs Abschaffen.

Was spricht dagegen, die Kernkompetenzen auf andere Institutionen zu verteilen? Aufgaben wie die Wiedereingliederung von seelisch behinderten Kindern und Jugendlichen könnten mindestens ebenso gut vom Sozialamt übernommen werden. Das lästige und für viele Betroffene zermürbende Ämterpingpong fiele weg - Sozialamt ist zuständig, und das auch über die Volljährigkeit hinaus - ebenso die Hinhalte- und Aussitztaktiken ("In ein paar Jahren ist das Kind achtzehn, und wir sind es los. So lange müssen wir uns noch möglichst kostenneutral durchwursteln"). Die sogenannte Familienhilfe könnte deutlich reduziert und in einen familienunterstützenden Dienst umgewandelt werden, der keine anderen Kompetenzen hat als die Familien tatsächlich zu unterstützen. In Fällen, in denen Eltern z. B. wegen Krankheit nicht oder unzureichend in der Lage sind, ihren Pflichten nachzukommen, kann hier viel Gutes bewirkt werden. Auch sehr kranke Menschen sind Menschen, und sie bleiben Eltern! Wenn im Extremfall Eltern so stark psychisch krank sind, dass sie eine Gefahr für sich oder andere darstellen, besteht derzeit schon die Möglichkeit, sie durch das Gesundheitsamt in entsprechende Kliniken einweisen zu lassen, und selbst in diesem Fall würden es Kinder wahrscheinlich vorziehen, mithilfe einer Familienunterstützung in ihrem Umfeld bleiben zu können, als in einem Heim oder einer Pflegefamilie untergebracht zu werden. Der Begriff Kindswohlgefährdung müsste aus dem Rechtsgebrauch verschwinden. Das, was Laien unter Kindswohlgefährdung verstehen, in erster Linie Misshandlungen, Missbrauch dürfte jetzt hinreichend durch das Strafrecht abgedeckt sein, dass die Polizei mit dieser Aufgabe alleine klar käme.

Habe ich etwas vergessen?

Ein Vorteil bestände darin, dass durch die Auflösung/Zusammenlegung der Behörden eine nicht unwesentliche Anzahl von Stellen im Verwaltungsapparat wegfallen, was unmittelbare Einsparungen an Personalkosten nach sich zieht. Weitere Einsparungen werden sich durch die drastisch verringerte Zahl von Herausnahmen ergeben. Im Behindertenbereich werden die Ausgaben zunächst steigen, längerfristig wird sich die Investition höchstwahrscheinlich durch deutlich verbesserte Teilhabechancen der Betroffenen mehr als auszahlen.

5

Donnerstag, 15. November 2012, 03:19

@ Pavlos:
niemand bestreitet, daß die JÄ wichtig sind, die Frage ist nur, warum und für wen? Cui Bono?
Und damit wären wir auch schon beim Beitrag von Tigress, welche Einsparungen als Argument für die Abschaffung der JÄ sieht.
Aus menschlicher Sicht sicherlich richtig, aus volkswirtschaftlicher aber eine absolute Katastrophe.
Denn die JÄ sind die Verwaltungseinheit des größten Dienstleistungssektors, den es in D. überhaupt gibt. Niemand erhöht das BIP in so einem Maße, ohne dabei irgendetwas zu produzieren. Und niemand macht sich dadurch selbst so wichtig für die Zukunft, wie die JÄ. Eine perfekte selffullfilling Prophecy.
Je mehr man die Humanressource Kind abschöpft, desto mehr ist sie in der nächsten Generation abschöpfbar, bis irgendwann die staatliche Fremdbetreuung nach Özdemir zur gesetzlichen Pflicht ab spätestens dem dritten Lebensjahr, oder sogar noch eher, wird.
Expansionsraten von 5-8% p.A. erreicht z.Zt. kein anderer Industriezweig, schon gar nicht gleichbleibend über mehr als zehn Jahre.
Wo sollten denn diese ganzen Angestellten, Beamte, Unternehmer und Subunternehmer alle arbeiten, welche jetzt schon einen Jahresumsatz von über 100 Mrd € verzeichnen?
Ein Teil, die wenigen guten, könnten in tatsächlich sozialen Institutionen wohl unterkommen, z.B. in Ombudsstellen, Beratungsfirmen o.ä.. Ein anderer Teil könnte vlt. als die wenigen ( Teilzeit- )Angestellten der zu schaffenden ehrenamtlichen lokalen Sozialzentren arbeiten. Aber das wären sicherlich deutlich weniger als 10% derer, die jetzt mit Kindern und Sorge, ohne spezielle Ausbildung oder gar Kompetenz, mehr Lohn einnehmen als die meisten Produktionskräfte.
Es würde uns zwar sicherlich gesellschaftsintern besser gehen, wir wären deutlich näher am Sozialstaat, möglw. auch am Rechtsstaat, aber D. wäre wahrscheinlich nicht mehr unter den reichsten Wortführern der EU, das ist wohl ziemlich sicher. Autarkie, eines der höchsten Güter jeder humanistisch-sozialen Zelle, ist nunmal im Globalismus eher als wirtschafts- u. finanzpolitischer Nachteil zu betrachten.
Machtpolitisch sowieso.
Und darum geht es in der "hohen Politik" nunmal.
Wer interessiert sich da schon für die Schicksale von ein paar Millionen Kindern die unter elenden Bedingungen aufwachsen müssen und die sogar noch die psycho-sozialen Defizite dabei teuer mitgeliefert bekommen, die man braucht, um später auch ihre Kinder lukrativ fremdzuverwalten?

Gruß............Fiete
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Tigress

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6

Freitag, 16. November 2012, 14:18

Fiete, Du bist ein echtes Goldstück wenn Du Dich um das berufliche Wohl des in der Jugendhilfe überflüssig werdenen Personals sorgst. Da die Leute mehr oder weniger pädagogisch vorgebildet sind, drängt sich die Lösung auf: Ab in die Kitas mit Heimerziehern und Familienhilfen. Richtig wohl ist mir bei dem Gedanken zugegebenermaßen nicht, aber ein bis zwei Ex-Helfer pro Kita können unter einer halbwegs kompetenten Leitung nicht viel Schaden anrichten. Eigentlich müsste sie unsere Familienministerin das Personal eigenhändig aus den Heimen und Familien ziehen, um die eiligst aus dem Boden gestampften Kitas noch halbwegs zeitgereicht mit qualifiziertem Personal in Betrieb zu nehmen.

Und noch weitere Personen dürften ein starkes Interesse daran haben, den Etat für die Jugend- und Familienhilfe zu kürzen: alle Landräte und Stadtväter, die in chronisch leere Kassen blicken. Es ist doch vielerorts so: Schulgebäude gammeln vor sich hin, Kreisstraßen wird bestenfalls geflickschustert, Bibliotheken reduzieren Offnungszeiten und Bestände, Kreiskrankenhäuser sind privatisiert, Zuschüsse für Kulturveranstalter werden gekürzt oder fallen ganz weg, Kreismusikschulen erhöhen Gebühren und streichen Sozialtarife sofern sie überhaupt bleiben dürfen, das eine oder andere Schwimmbad ist schon zu und immer mehr folgen. Sowas sind Tatsachen, die viele Bürger mitbekommen und zunehmend verärgern. Ein Landrat mag von Wahlperiode zu Wahlperiode rechnen, aber auf unbetimmte Zeit kann kein Landkreis einen Etatposten wie die Jugendhilfe verkraften, der sich von Jahr zu Jahr stärker aufbläht! In unserem strukturschwachen Kreis ist dies jetzt schon der größte Ausgabenposten!

7

Freitag, 16. November 2012, 20:19

Sorry Tigress,
ich habe vergessen, ein "Ironie aus" unter meinen Beitrag zu setzen.
Ehrlich gesagt, mir wäre es, schon aus rein pädagogischen Gründen, deutlich lieber, wenn die freigesetzten Sachbearbeiter und Pädagogen Hartz IV empfangen, oder bei ALDI als stellvertretende Kartonzerreisser o.ä. ihr Einkommen erwirtschaften müßten, denn das schafft zwangsläufig im Durchschnitt etwas mehr soziales Bewußtsein, als ein Druckposten bei einem JA.
Diese Chance Empathie u./o. ein humanistisches Weltbild aufzubauen würde ich ihnen wünschen. Ganz unironisch übrigens.

In Kitas o.ä. sollten sie höchstens sehr vorsichtig dosiert und unter Aufsicht eingearbeitet werden, meine ich, zumal viele gar keine brauchbare pädagogische Ausbilung und noch weniger Erfahrung haben.
Leider ist es ja in Behörden oft so, daß viele der Angestellten erstens direkt nach Fachschule oder etwas Studium per Jahresvertrag angestellt und zweitens mit Verwaltungsaufgaben überfordert werden, von denen sie drittens demzufolge gar nichts verstehen ( ist bei anderen Behörden, JobCenter o.ä. nicht anders ). Kein Wunder, daß die sich viertens dann unkontrolliert und mit gestärktem Rücken wie kleine Könige aufführen und entsprechenden Schaden an Kindern und Familien anrichten.

Im Übrigen ist das "Jugendschutzwesen" eher als Einnahmequelle zu betrachten, denn einen großen Teil des ausgegebenen Geldes holt sich der Kreis vom Land wieder, wieviel weiß ich allerdings nicht. Wesentlicher aus Bundessicht ist aber das BIP und das rechnet alle Ausgaben der öffentlichen Hände gnadenlos positiv auf die Einnahmen auf. Zu deutsch: je mehr verbraten wird, desto besser sieht das "Sozialprodukt" aus.
Kurz gesagt: wären mehr Menschen unabhängig und schuldenfrei und bräuchten keinen "sozialen Tropf", würde D. schon jetzt kaum noch eines reichsten Länder der EU sein, zumindest in den öffentlichen Statistiken nicht.
Andersrum: wir wären möglw. arm aber glücklich. Dadurch würden unsere Politiker und Lobbyisten aber auch arm und die würde das sehr unglücklich machen, selbst und gerade wenn es den einzelnen Bürgern ( besonders in den unteren Einkommensgruppen ) dadurch auch finanziell ( und zeitlich - denn man hat ja möglw. auch Familie ) besser gehen würde.
Ja, ich weiß, das liest sich nicht nett, ist es auch nicht, aber realistisch.

Das Beispiel mit den Kitas zeigt es:
könnten die Familien ihre Kinder freier und unabhängiger großziehen, würden so viele Kitas gar nicht gebraucht, dadurch würden jede Menge Arbeitsplätze ( auch in Aus- u. Fortbildung und Verwaltung ) verloren gehen, die viel mehr Zahlenwert für das BIP liefern, als die Eltern es mit produktiver Arbeit oder gar im eigenen Haushalt je könnten und das allein würde einen Zig-Millarden-Schaden ( aus wirtschaftsökonomischer Sicht ) anrichten.
Es geht also nicht zuletzt auch um die Milchmädchenrechnung der Lobbyinteressenten, wenn man propagiert, daß Eltern per se immer erziehungsunfähiger, Kinder immer verwahrloster werden u.s.w.. Das bringt scheinbar bares Geld in die Kassen der Städte, Kreise, Verbände, Parteien u.s.w.

Ein gnadenoses Geschäft für das mancher gern über ( auch Kinder- ) Leichen geht, die er ja nie persönlich zu Gesicht bekommt.

Gruß............Fiete
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Tigress

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8

Samstag, 17. November 2012, 19:18

Bravo. Über Hartz4 sind wir uns einig. Leider ist es utopisch dass dieser Personenkreis jemals in Hartz4 herein rutscht, und erst recht nicht der Personenkreis, der diese Gesetze verbrochen hat.

Die Dir beschriebenen Finanzierungs- und Refinanzierungswege der öffentlichen Hand sind mehr oder weniger typisch für viele Bereiche. Beispiel Bildungspaket: Das Geld steht für die Kommunen bereit, und wenn es nicht abgerufen wird, darf es nach Belieben in anderen Haushaltslöchern versacken. Also wird die Idee, die in den Medien so gut ausgesehen hat (der Gegenwert von zweieinhalb Klavierstunden vom Amt- boah, ey, aber Instrument kriegste keins nich mitgeliefert) so konstuiert, dass es möglichst nicht abgerufen wird.

Da frage ich mich, warum ausgerechnet das Jugendhilfeunwesen so gut funktioniert. Warum kommt kein Landrat auf die Idee, von dem fetten Geldstrom etwas für andere Zwecke abzuzweigen? Schließlich will kein Landrat als derjenige in die Geschichte eingehen, der das marode Schwimmbad, die Bücherei oder die defizitäre Kreismusikschule endgültig platt gemacht hat. Und es wird ihm gewiss kein Heim- oder Pflegekind bei der nächsten Wahlveranstaltung vor Dankbarkeit auf die Schulter klopfen. Es gibt immagemäßig nichts zu gewinnen für die Lokalgrößen bei dem Geschäft mit der Jugendhilfe!

Die immensen Ausgaben lassen sich nicht zu hundert Prozent (ich wüsste zu gerne, wieviel es tatsächlich ist) refinanzieren, und lt. einem ehemaligen Mitarbeiter waren sie schon zu seinen Dienstzeiten eine echte Belastung. Dennoch steigen sie Jahr für Jahr fleißig weiter. Im vergangenen Jahr sind noch zwei weitere Stellen für den Bereich in unserem JA geschaffen worden, mit entsprechend aufgestocktem Finanzspielraum. Auf anderen Gebieten verteilen (nicht nur) die JA die Gelder weit weniger großzügig - versuche mal, einen Schulbegleiter für ein von AHDS- oder einer Autismusspektrumstörung betroffenes Kind zu beantragen! Natürlich kann es sein, dass Du nach ein bisschen Schriftwechsel erfolgreich bist, wahrscheinlicher ist jedoch, dass Dir mehr oder weniger originielle Argumente um die Ohren fliegen, warum dieses zweifellos wichtige Instrument der Inklusion für Dein Kind nicht geeignet ist. Der Stundensatz einer Schulbegleitung beträgt ein Bruchteil von dem einer Familienhilfe.

Warum glauben selbst Entscheidungsträger, die nicht von der Geldmaschine Jugendhilfe profitieren, dass die Dinge unbedingt so sein müssen? Von den JÄ gebeutelte und Kinder Eltern gibt es zuhauf, aber denen glaubt in der Öffentlichkeit kaum jemand, denn wer das JA an der Kehle hat, muss selbst schuld sein :cursing: ! Und wenn krasse Missbrauchs- und Todesfälle das Versagen der jeweiligen JÄ offenbaren, wird nie der Fehler in der Struktur gesucht, sondern bestenfalls weiter Personal aufgestockt :cursing:

Und ja, Kitas bräuchten wir gewiss nicht in der Masse, die wir jetzt schon haben, wenn Jobs und Gehälter so beschaffen wären, dass ein Elternteil ein paar Jahre zuhause bleiben könnte. Aber die Politik setzt alles daran, Mütter in einen Arbeitsmarkt zu pressen, der eigentlich keine Mütter (und familienbewußte Väter) will auf dass wir uns zu einem Billiglohnland entwickeln :cursing: :cursing: Also müssen noch mehr Kitas her, Erzieher, die es jetzt noch gar nicht gibt, müssen eingestellt und bezahlt werden. Das Personal aus der Jugendhilfe dorthin zu verschieben wäre ein Versuch der Schadensbegrenzung.

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Sonntag, 18. November 2012, 03:23

Hmm, ich bin nun gar kein Finanzexperte, und mit der Länderpolitik kenne ich mich auch nicht sonderlich aus.
Aber den einen oder anderen relativ logischen Gedankenansatz könnte ich schon bieten.
Zunächst ist ja auch ein Landrat, als halbes Dienstherrchen eines JA ( sofern es kein städtisches hat, also einen Bürgermeister ), keineswegs unabhängig.
Er sitzt mit hoher Wahrscheinlichkeit in den entsprechenden Sozialausschüssen, die von JÄ-Leitung und den damit kooperierenden Drittleistern dominiert werden.
Sie alle zusammen sind Vertreter des größten und mächtigsten ( und am aggressivsten expandierenden ) Dienstleistungssektors in D. und somit Angehörige von dessen Lobby ( wenn auch wohl die nahezu unterste Charge davon ).
Vulgo: diese seine Ausschusskollegen sind reichlich gierig.
Zum zweiten braucht so ein Landrat ( oder eben auch ein Bürgermeister einer größeren Stadt ) auch politische Rückendeckung, er muß sich bei seinen Leuten also schon ein wenig beliebt machen und kann das, was die kassieren wollen, nicht einfach an andere verteilen.
Zum anderen gibt es da noch die Medien, welche mehr oder weniger das Klagelied vom armen, bedrohten JA singen und daraus schlussfolgern, daß die JÄ aufgrund der vielen Kürzungen immer öfter viel zu spät eingreifen und es deswegen immer mehr tote Kinder gibt ( das ist zwar glatt gelogen, aber die Öffentlichkeit glaubt das überwiegend. Tatsächlich sind es seit langem ca. 150 tote Kinder p.A.- jedes natürlich eines zuviel - Tendenz eher rückläufig, was darauf hindeutet, daß eben die Eltern gar nicht so schlecht sein können, in Relation zu einer 88 - Millionen-Bevölkerung und etwa 38000 offiziellen Inobhutnahmen p.A.).
Er kann sich also nur dadurch in dem Bereich öffentlich beliebt machen, indem er genau umgekehrt wie sonst verfährt und eher woanders, also bei Schule, Kultur, oder im sonstigen sozialen Bereich abzwackt und das Geld in Inobhutnahmen, Folgekosten u.ä. fließen lässt.

So kann er sich als Held verkaufen, der trotz Löchern in Haushalt und Asphalt, die "letzten Reserven zum Schutz der armen zuhause mißhandelten Kinder" mobilisiert. Die daran profitierende Runde der "Kinderschützer" in den Ausschüssen ist auch zufrieden und seine Kollegen in der lokalen Anwaltskammer genauso, denn ein Großteil des Umsatzes durch "Kinder- u. Sorgehandel" wird von Juristen erwirtschaftet ( angefangen beim Richter, dem Ergänzungspfleger, dem Parteianwalt, bis hin zum Politiker selbst, denn das sind auch oft RAe ).

Und es versetzt ihn wiederum in die Lage das Gejammer nach mehr Macht und Geld für die JÄ mitzutragen, denn man weiß ja, daß eine Kostenstelle möglichst vollständig ausgeschöpft sein muß, um nächstes Jahr wiederbewilligt, oder gar aufgestockt zu werden. Dadurch wird der ganze Prozess nochmal angeheizt. Du schreibst ja selbst:

Zitat

"Im vergangenen Jahr sind noch zwei weitere Stellen für den Bereich in unserem JA geschaffen worden, mit entsprechend aufgestocktem Finanzspielraum."

Man könnte sagen: eine Win-Win-Situation im Sinne einer selffullfilling prophecy.
Je mehr Kinder entzogen werden und je schlechter es ihnen geht, desto mehr Geld kann in die "Helferindustrie" gepumpt werden, wodurch diese noch mehr Möglichkeiten bekommt, sich notwendig und wichtig zu machen u.s.w., immer schön im Kreis.
Das ganze hat dann auch noch generationenübergreifende Auswirkungen ( und das schon seit etwa den Tagen der letzten "Ein-Mann-Diktatur" ), die die Sache noch mehr beflügeln, denn insofern werden ja tatsächlich immer mehr Eltern immer erziehungsunfähiger, nämlich wenn sie selbst schon in Heimen und Pflegestellen aufgewachsen sind.

Und rund 100 Mrd € p.A., die direkt auf das BIP aufgeschlagen werden, sind, vom direkten machtpolitischen Aspekt mal ganz abgesehen, schon ein ziemlich kräftiger Faktor in Politik und sonstigen Hinterstübchen.

Kurz gesagt: auch der Landrat profitiert sehr wohl, wenn auch für das öffentliche Bewußtsein nicht gut sichtbar.

Natürlich geht es nicht zuletzt auch mit darum, Eltern möglichst schnell nach der Geburt des Kindes beide wieder in Vollzeitarbeit zu bekommen, denn das gibt dem ganzen, leicht erkennbar, nochmal kräftig Schwung, zumal eine Kita, eine Vollbetreuung, ein daraus folgender Entzug und dessen Folgen, im Schnitt und im Endeffekt mehr an Kosten verursacht, als die Eltern im selben Zeitraum verdienen können. Es werden also wieder öffentliche Gelder und öffentliche Dienstleistungsangestellte gebraucht, die Branche so nochmal befeuert.

Leichter kann man gar nicht ohne Produktionsleistung Umsatz verursachen, der dann das ganze Land als reich dastehen lässt, obwohl es dem schwächsten Teil der Bevölkerung ( nämlich den Kindern und bei dieser Handhabungsweise auch deren Eltern ) immer schlechter geht, was das Geschäft noch besser laufen lässt.

Quasi eine Art Schneeballsystem, daß gerade dabei ist, sich zur perfidesten Lawine auszudehnen, die überhaupt vorstellbar ist.

Und die JÄ sind die Verwaltungseinheit und die polizeiliche Exekutive des Ganzen. Nicht mehr und nicht weniger.

Eben darum meine ich, daß diese Struktur unmöglich mittels kleiner Flickschustereien reformierbar ist, die "Selbstheilungseffekte" sind bei einem solch komplexen Geflecht einfach viel zu groß.

Um diese Dynamik zu stoppen sind radikale Eingriffe vonnöten. Angefangen mit Ombudsstellen, bis hin zur Überflüssigmachung und ( möglichst endgültigen ) Auflösung der JÄ und ihrer ( auch externen ) Substrukturen.

Das sind natürlich nur meine simplen Gedanken dazu, für Insider bietet sich vermutlich noch ein wesentlich umfassenderes und komplexeres Bild.

Gruß...........Fiete
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Tigress

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10

Donnerstag, 22. November 2012, 08:31

Lieber Fiete, Deine Gedanken haben einiges für sich.
Tatsächlich sind es seit langem ca. 150 tote Kinder p.A.- jedes natürlich eines zuviel - Tendenz eher rückläufig, was darauf hindeutet, daß eben die Eltern gar nicht so schlecht sein können, in Relation zu einer 88 - Millionen-Bevölkerung und etwa 38000 offiziellen Inobhutnahmen p.A.).
Ich gehe noch weiter und sage, dass jedes tote Kind ein unwiederlegbarer Beweis für das Versagen der Jugendämter ist. Wo waren die Horch- und Guck-Spezialisten denn als die Kinder bei ihren eigenen oder den Pflegeeltern starben? Wo sind sie denn, wenn Kinder oft systematisch und über viele Jahre hinweg missbraucht werden, durch ihre Eltern, durch Vertrauenspersonen wie Pfarrer oder durch pädagogische Profis? Wenn Leib und Leben eines Kindes in Gefahr ist, kann wenn überhaupt die Polizei Abhilfe schaffen, und nicht die Schreibtischtäter, die entweder in ihren Amtsstuben hocken oder sonstwo auf Hausbesuch fremde Schränke durchwühlen. Es liegt nämlich in der Natur der Sache, dass selbst die kranksten Eltern nicht gerade dann ihre Kinder quälen, wenn die Leute vom Amt durch die Wohnung walzen. Unter dem Gesichtspunkt wird klar, dass es ziemlich egal ist, wieviel Geld in diesen Apparat gepumpt wird, das Ergebnis - deutlich weniger tote Kinder - wird sich nicht wesentlich ändern.

Die unselige Rolle der Mainstream-Medien ist mir auch schon aufgefallen. Hier sehe ich jedoch Chancen, dass sich das Blatt wendet, wenn sich die Medien dem Thema annehmen. Da die Zahl der Jugendamtsopfer nicht ins Unendliche wachsen kann, steigt die Wahrscheinlichkeit stetig, dass sie dies tun werden. Eigentlich müsste der Stoff längst reichen, um das nächste Sommerloch zu füllen.

Ich melde mich später wieder...
lg
Tigress

11

Donnerstag, 22. November 2012, 23:19

Noch mal zurück zu dem Mediengejammer, daß die "armen" Jugendämter, deshalb nicht ordentlich funktionieren würden, weil sie zu wenig Personal, zu wenig Macht und vor allem zu wenig Geld haben.
Gerade hat das JA Itzehoe, nach dem einen oder anderen Skandal, die ARD desbezüglich instrumentalisiert:

http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2…egekind113.html

( bezeichnenderweise kommen die meisten der verständnisvollen Kommentare auch von davon abhängigem Pflegepersonal)

Im Altenburger Land, wo es sicherlich kaum besser aussieht, haben die dortigen Piraten mal die Gegenrechnung dazu aufgemacht:

http://piraten-altenburger-land.de/2012/…che-interessen/

( und hier sind die Kommentare ebenfalls bezeichnend ).

Gruß.............Fiete
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Tigress

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12

Sonntag, 25. November 2012, 17:30

Hallo Fiete,

der erste Link funktioniert leider nicht, dafür ist der zweite umso näher an der Realität, wobei ich hier auch einen Denkfehler sehe. Die Hilfe in der Familie kann nur dann funktionieren, wenn sie von einer Institution ausgeht, die ein Interesse daran hat, dass die Kinder in der Familie und die Familie heil bleibt. Bei Familienhilfen, die von den gleichen Trägern, die auch Kinderheime unterhalten, entsand werden, ist ein Interessenkonflikt vorprogrammiert. Im Endeffekt können die Träger mehrfach kassierem: zuerst für die erfolglose Familienhilfe, dann für die Heimunterbringung, und wenn die Kinder so kaputt sind, dass die Heime nichts mehr mit ihnen anfangen können, haben die Träger gewiss auch die passenden Pädagogen parat, um die Kinder auf eine Rückführung in die Ursprungsfamilie vorzubereiten.

Der zweite Denkfehler hält sich hartnäckig in der Öffentlichkeit: Kinder werden nur aus Familien heraus genommen, in denen sie misshandelt und missbraucht werden, oder verhungern. Dass der bloße Verdacht und ein bisschen Denunziantentum ausreicht, um Kinder aus völlig normalen Familien zu holen, die dann den Gegenbeweis erbringen müssen, sickert noch nicht in die Köpfe der Allgemeinheit. Hier könnte auf Dauer die Presse das Ruder herum reißen.

13

Montag, 26. November 2012, 14:45

Hallo Tigress,
Danke für den Hinweis.
Da hatte sich beim Kopieren irgendwie etwas Murks in html mit in den Link geschrieben. War gar nicht so einfach wieder rauszukriegen ( schwitz ).
Jetzt müßte es aber funktionieren.

Zitat

"Die Hilfe in der Familie kann nur dann funktionieren, wenn sie von einer Institution ausgeht, die ein Interesse daran hat, dass die Kinder in der Familie und die Familie heil bleibt. Bei Familienhilfen, die von den gleichen Trägern, die auch Kinderheime unterhalten, entsand werden, ist ein Interessenkonflikt vorprogrammiert."

Das ist allerdings eine große Gefahr. Tatsächlich habe ich letztens erst von einen geradezu unheimlichen Fall gelesen, wo die SPFH gleichzeitig auch noch als rechtliche Betreuerin und als "Therapeutin" für ein und denselben Träger gearbeitet hat.
Sie täuschte also den weiteren involvierten Stellen vor, die Mutter wäre unter rechtlicher Betreuung und das weil sie sich andauern über alles beschwerden würde. So hatte die Mutter keine Chance, wenigstens darauf hinzuweisen, daß sie sehr wohl eigenständig mit Staatsanwaltschaft u.ä. verhandeln könne, sie bekam noch nicht mal Akteneinsicht ( dafür öffnete die SPFH aber ihre Korrespondenz und reagierte darauf auch ohne Befugnis ).
Man besprach sich ganz locker "unter Kollegen" am Telefon.
Eine wirklich gruselige Konstruktion.
Der Hit war, daß diese SPFH, bzw. der Träger, die Mutter dann noch zu erpressen versuchte in der Einrichtung selbst als "Therapeutin" ( Reittherapie ) zu arbeiten, ansonsten käme das Kind in ein Heim oder Pflegestelle.
Eine gründliche Entpflechtung des Filzes in der Branche ist also dringend vonnöten.

Ein Grund mehr ganz andere Modelle in der Sozialarbeit anzudenken, bspw. die hier auch schon angesprochenen "Familienzentren" auf ehrenamtlicher Basis im direkten Umfeld.
http://forum.karin-jaeckel.de/index.php?…ostID=81#post81

Mir ging es bei der Gegenüberstellung aber eher um die Zahlen, die die Geldflüsse verdeutlichen.


Gruß...........Fiete
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Tigress

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14

Donnerstag, 29. November 2012, 15:34

Ja, danke, jetzt funktioniert der Link.

Dass hinter diesem Wahnsinn viel Geld fließt, wird niemand mit einem gesunden Menschenverstand in Abrede stellen, ausser den davon profitierenden Jugendamtsmitarbeitern und der Helferindustrie. Aber so lange niemand hieb- und stichfest beweisen kann, wo die Gelder bleiben, wird sich nichts ändern.

Von der mit einer Familienhilfe beglückten Mutter, die als Reittherapeutin im Trägerunternehmen der Familienhilfe arbeiten sollte, habe ich auch im Netz gelesen. Die Schockreaktion beim Lesen blieb mir jedoch aus. Wir haben auch eine Familienhilfe, die als Berufsbetreuerin arbeitet. Zudem hat sie neben zwei eigenen noch ein Pflegekind, und ihr Pädagogikstudium möchte sie auch irgendwie zu Ende kriegen... Und doch ist sie im Vergleich zu ihrer Vorgängerin das kleinere Übel für uns. Welche anderen merkwürdigen Personen sonst noch als Familienhilfe unterwegs sind, möchte ich lieber gar nicht wissen, aber ich befürchte, wir bekommen bald eine neue. Und es ist tatsächlich so: Wenn Du eine Familienhilfe im Haus hast, kannst Du unter Umständen nicht mehr alleine zum Arzt gehen. Die Familienhilfe kommt mit, und so wird auch das Arztgeheimnis ausgehebelt.

lg

Tigress

15

Donnerstag, 24. Januar 2013, 19:25

Das Geschäft mit dem Kindeswohl

Ein ganz heißes Eisen ist immer das Thema "Profite in der Sozialhilfe und ihre Auswirkungen".
Das bekam gerade die Giessener Zeitung und besonders eine dort publizierende Autorin zu spüren.
Offenbar sprach ein Artikel so genau auf bekannte Verhältnisse an, daß er aus der Zeitung herausgenommen wurde, da man dort Ärger befürchtet.
Glücklicherweise ist der komplette Artikel aber noch auf der Webseite "Sozialenergie" vollständig gesichert.
Da es sich um bundesweit bekannte Problematiken handelt, die auch immer wieder entsorgte Väter betreffen, hat auch Väter-für-Gerechtigkeit.de zum Artikel verlinkt und ich konnte mich eines Kommentars mit ein paar Anmerkungen und weiteren Links nicht enthalten.
Einmal hier entlang bitte

Gruß..........Fiete
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16

Freitag, 25. Januar 2013, 16:03

Freu mich über eure Diskussion

Schön, dass die Diskussion hier angelaufen ist und weitergeht, obwohl ich nicht da bin.

Ich klinke mich ein, sobald ich etwas mehr Zeit habe. Es wird noch etwas dauern. Aber dann! Versprochen.

Liebe Grüße, karin

17

Dienstag, 29. Januar 2013, 03:19

Verschlusssache Kindeswohlgeschäft?

Die Affäre um den Artikel von Andrea Jacob in der Giessener Zeitung weitet sich aus und nimmt skurrile Formen an.
Ein weiterer Artikel zu dem Thema wurde von Prof. Dr. Aris Christidis wurde eingestellt - und auch schon wieder vom Netz genommen. Offenbar in einer Überreaktion wurde der Professor gleich vollständig von der Autorenliste der Zeitung gelöscht, resp. inkl. seiner Beiträge für den öffentlichen Zugriff gesperrt.
Man setzte andere Webseitenbetreiber seitens Angestellter der "Stabsstelle Recht des Landkreises Giessen" unter Druck, die dort ebenfalls eingestellten Artikel vom Netz zu nehmen.
Und ein paar Stellungnahmen gab es dazu auch schon.
Zusammengefasst ist das ganze hier nachzulesen
Ich habe den Eindruck, da braut sich etwas zusammen, das ich als Gegenstand erheblichen öffentlichen Interesses betrachte.

Gruß..........Fiete
Respekt immer!
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18

Montag, 2. Februar 2015, 14:35

Also ich halte Jugendämter für sehr sinnvoll. Klar kommt das für viele drastisch rüber mit sofort Kind weg.
Aber leider ist es ja so, dass nicht alle Eltern liebevolle Eltern sind.

Lotosritter

Fortgeschrittener

Beiträge: 264

Wohnort: Oberbayern

Beruf: Künstler

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19

Donnerstag, 12. Februar 2015, 23:08

... nun ja, wie sinnvoll das ist, dass psychisch grenzwertige Sachbearbeiterinnen ihr Spielchen gegen die Väter durchziehen, kann man regelmäßig in der Presse nachlesen. Wobei hier nur die besonders krassen Fälle publiziert werden. Hier ein Artikel in der FAZ . Mir tut es vor allem leid um die Kinder, die solche Auseinandersetzungen ihr Leben lang belasten werden.