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Lotosritter

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1

Freitag, 2. August 2013, 02:16

Fonds sexueller Missbrauch, kommt holpernd in Gang

Ich berichte in diesem Forum, weil alle anderen mir
bekannten existierenden Foren, die sich mit sexueller Gewalt respektive
sexuellem Missbrauch befassen, die Annahme von ritueller Gewalt durch
satanische Sekten – wie sie etwa von den Psychologinnen Michaela Huber und Claudia
Fliß behauptet werden – bejahen und sich auch intervenierend in dieser Richtung
engagieren. Ebenso wird in diesen Foren behauptet, dass es keine falschen
Erinnerungen an einen Missbrauch geben kann. Es wird gesagt: sobald ein Klient
sich im Verlaufe einer Therapie oder durch die Befragung und Unterstützung von
anderen Opfern in den Internetforen an erlittene sexuelle Gewalt zu erinnern
beginnt, von der er zuvor im Laufe seines Lebens noch nicht gewusst hatte, dann
fußen derartige Erinnerungen zweifelsfrei auf tatsächlichem Erleben, weil kein
gesunder Mensch sich derartige Schrecklichkeiten ausdenken könne und wollte. In
diesem Sinne werden Anfragen „… kann es sein, dass …?“ offensiv bejaht. – Die Folge
dieser Einstellung ist, dass sich immer mehr labile Menschen sich dieses
Opferstatus bemächtigen und mit ihren erfundenen Geschichten die tatsächlichen
Opfer schädigen, da die zur Verfügung stehenden therapeutischen Ressourcen zum
Großteil von Pseudologen beansprucht werden. Gleichzeitig entstehen falsche
Bilder von möglichen Opfern bei den behandelnden Psychologen, die wiederum die
Behandlung tatsächlicher Opfer erschweren, beziehungsweise sie einem kafkaesken
Rechtfertigungszwang aussetzen.


Aus den vorgenannten Gründen schreibe ich in keinem der mir
bekannten einschlägigen Foren. Inzwischen aber gibt es mit dem „Fond sexueller
Missbrauch“
eine Institution, die im Mai 2013 ihre Arbeit aufnahm und der
derzeit 50 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Das bereitgestellte Geld soll ausschließlich
für Hilfsmaßnahmen für Opfer familiärer sexueller Gewalt gewährt werden. Opfer institutioneller
sexueller Gewalt oder entsprechender Gewalt durch Fremde, werden derzeit nicht
unterstützt, da hierfür bislang keine Einigung zwischen Bund und Länder zustandekam.
Dem einzelnen Betroffenen stehen maximal 10.000 € zur Verfügung, und zwar nur
dann, wenn eine therapeutische Maßnahme nicht weiter durch die Krankenkasse
oder Opferentschädigung getragen wird. Da erfolgreiche therapeutische Maßnahmen
oft viele Stunden mehr erfordern, als von den Kassen bezahlt werden, ist eine
solche Unterstützung für die nahtlose Fortsetzung einer Therapie eine begrüßte
Hilfe.


Der von der Bundesregierung eingerichtete Fond sexueller
Missbrauch wird jedoch von verschiedenen Betroffenenorganisationen heftig
kritisiert. Mal sind es Zweifel an der Datensicherheit; mal ist es die Sorge am
Strafverfolgungsgebot, wenn eine noch nicht geahndete Straftat mit dem
Antragsformular bekannt wird; mal ist es auch die Warnung im Antragsformular,
dass eine falsche Anschuldigung strafbar sei und man im Zweifelsfall rate,
einen Anwalt zu konsultieren; mal ist es die Art der Hilfeleistung, die die
Wahlfreiheit der therapeutischen Maßnahme beschränke. Jüngst ist es aber eine seit
Mitte Juli kursierende Ausschreibung der Clearingstelle, die von den
kritisierenden Betroffenenorganisationen als „Rekrutierungsschreiben“
bezeichnet wird, die für weiteren Ärger sorgt.


Mit der Ausschreibung werden vom familiären Missbrauch
Betroffene gesucht, die mit einem juristischen, medizinischen und
psychologischen Experten die eingehenden Anträge auf Hilfe begutachten. Die
Sitzungen der Clearingstellen finden ausschließlich in Berlin statt. Der
betroffene Gutachter erhält Anreise und Übernachtung erstattet, erhält aber
keine Aufwandsentschädigung, sprich, seine Tätigkeit ist voll ehrenamtlich.


Wie stehe ich als Betroffener zu dem Fonds und zur Kritik an
ihm?


Ich habe im Mai, kurz nach der Öffnung des Fonds, einen
Antrag auf Hilfeleistung für meine Therapie gestellt, da bald die 80 Stunden
voll sind und eine Verlängerung der Therapie fraglich ist. Ein Antrag ist bei
der Krankenkasse gestellt, die Entscheidung für eine Verlängerung steht noch
aus. Wir befinden uns nach der Stabilisierungsphase gerade in der
Traumaexposition.


Der Antrag war für mich eine Zumutung. Nicht weil
unanständige Fragen gestellt wurden, sondern weil ich mich erneut vor einer anonymen
Verwaltung outen musste. Erstmals geschah dies bei meinem Antrag auf
Namensänderung vor vier Jahren, was zum Auslöser meiner posttraumatischen
Belastungsstörung wurde. Die Umstände, dass dem so war, lagen allerdings nicht
bei der Verwaltungsbehörde, sondern an meiner bis dahin verfolgten und
erfolgreichen Verdrängungsstrategie, die Folgen des geschehenen Missbrauch zu
kontrollieren und klein zu halten.


Jedenfalls triggerte mich das Ausfüllen des Antrages eine gute
Woche äußerst heftig. Ich tat es dennoch, weil mir meine Vernunft sagte, nur
wenn der Geldgeber nachvollziehbar weiß, dass ich Überlebender bin, kann er
auch in meinem Sinne entscheiden. In diesem Sinne empfand ich auch die Fragen
und angeforderten Unterlagen für berechtigt und in keiner Weise
grenzüberschreitend. Belastend war es für mich. Es wäre aber auch belastend
gewesen, wenn ich den Antrag mit der behandelnden Psychologin ausgefüllt hätte,
noch dazu wäre hierfür eine wertvolle Therapiestunde draufgegangen. Die vom
Fond empfohlene Ausfüllhilfe durch den weißen Ring, wäre für mich nicht infrage
gekommen, schließlich habe ich keinerlei Lust, mit meiner Geschichte tingeln zu
gehen.


Den Verwendungszweck der Mittel und deren Nachrangigkeit
halte ich für absolut gerechtfertigt. Schließlich geht es um notwendige
Hilfeleistung und nicht um die materielle Entschädigung eines Verbrechens.


Was die Anonymität und Datensicherheit betrifft, ist mein
Vertrauen gestärkt worden. Kurz nach Antragsabgabe erhielt ich einen
handadressierten anonymen Brief, dass mein Antrag anonymisiert und an die
Clearingstelle weitergeleitet wurde. Zudem wurde mir meine Anonymisierungsnummer
mitgeteilt.


Was jedoch die Behandlung des Antrages betrifft, bin ich nach
Kenntnis des „Rekrutierungsschreibens“ etwas enttäuscht. Denn im Klartext heißt
dies, dass die Clearingsstellen noch immer nicht vollständig besetzt sind,
sprich dass sie offenbar nicht arbeitsfähig sind und von daher die Behandlung
meines Antrages noch einige Zeit dauern wird. Gerade diese Wartezeit wollte ich
mir jedoch mit der rechtzeitigen Beantragung ersparen. Nun scheint sie auf mich
zuzukommen.


Eine andere Frage ist die Besetzung der Clearingstelle durch
Betroffene. Ich bin durchaus ein Altruist, doch hört mein Altruismus auf, wenn
ich neben bezahlten Gutachtern unbezahlt entscheiden soll. Ich halte das für
respektlos. Zum anderen, selbst wenn eine solche Tätigkeit aufwandsentschädigt
würde, würde ich sie nicht ausüben wollen, denn ich halte mich mit meiner
Geschichte nicht für kompetent, die Geschichte anderer zu beurteilen und somit den
einen auszuschließen und den anderen zu begünstigen.


Es scheint, obwohl guter Wille beim zuständigen Ministerium
vorhanden ist, dass die organisatorischen Fragen erst spät bedacht wurden. Hierzu
zähle ich auch das Strafverfolgungsgebot, denn etliche Überlebende haben kein
Interesse daran, sie wollen aus vielen verständlichen Gründen ihre Geschichte
nicht an die große juristische Glocke hängen, dementsprechend hätte es eine
Verschwiegenheitsregelung gebraucht. So aber werden einige Betroffene auf die
Antragsabgabe verzichten oder unzulängliche Angaben machen. Dies halte ich für
ausgesprochen schädlich.


Lieben Gruß Lotosritter

2

Samstag, 3. August 2013, 18:36

Huhu

Zitat

Gleichzeitig entstehen falsche Bilder von möglichen Opfern bei den behandelnden Psychologen, die wiederum die Behandlung tatsächlicher Opfer erschweren, beziehungsweise sie einem kafkaesken Rechtfertigungszwang aussetzen.
Da hast du absolut Recht. Doch es scheint Missbrauchsopfer nicht sonderlich zu stören und zu interessieren, dass sie mit Methoden behandelt werden, die auf der Basis in der Therapie eingeredeter Missbrauchserinnerungen und/oder DIS entwickelt wurden. Würde es sie stören, dann würden sie sich nicht schützend vor die Therapeuten stellen, die den Missbrauch mit dem Missbrauch betreiben.

Ich habe während meiner Multiplen-Zeit sehr im Licht der Öffentlichkeit gestanden. Ich habe eine Selbsthifegruppe gegründet, eine Therapeutenumfrage durchgeführt, Bücher an Verlage geschickt, Therapeuten über die Multiple Persönlichkeitsstörung aufgeklärt, mich selbst als Beweis angeführt, dass man einen Missbrauch vergessen und in der Therapie wiedererinnern kann, anderen Identitätssuchenden erklärt, wie es ist multipel zu sein, Interviews für Diplomarbeiten gegeben, der Enquete-Kommission "meinen Erfahrungsbericht" über rituellen Missbrauch zugeschickt, ...
... doch dann stellt sich heraus, dass man mir die Missbrauchserinnerungen und die Multiple Persönlichkeitsstörung in der Therapie induziert hat.
Ich habe allen das erklärt, was man mir falsch erklärt hat, sowohl in den Multiplen-Foren als auch in der Psychotherapie.
Und nicht nur ich. Auch eine Freundin von mir, der man die Multiple Persönlichkeitsstörung ebenfalls induziert hat, hat mit mir zusammen die Öffentlichkeitsarbeit betrieben und ein Interview für Diplomarbeiten über die Multiple Persönlichkeitsstörung gegeben.

Bzgl. "Fonds sexueller Missbrauch": Ich drücke dir die Daumen, dass du Unterstützung erhälst und deine Therapie fortführen kannst, damit du deine Missbrauchserfahrungen verarbeiten kannst.
Wenn du magst, dann berichte mal, wie es ausgegangen ist.

Lg
Jenny
Forum für falsche Erinnerungen, (iatrogen)
induzierte falsche Erinnerungen, erfundener Missbrauch,
Falschanschuldigungen und Induzierung der Multiplen
Persönlichkeitsstörung (Link manuell eingeben; Serverproblem) : http://www.induzierte-erinnerungen.de

Lotosritter

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3

Montag, 5. August 2013, 01:10

Danke für Deine Wünsche, Jenny. Ich werde hier über das
Ergebnis berichten.


Ich finde es zudem mutig und fair, dass Du kein Hehl aus
Deiner geschehenen Verirrung machst und derart konsequent gegen den
psychotherapeutischen Missbrauch der induzierten Erinnerungen kämpfst.


Eigentlich sollte diese Aufgabe auch von viel, viel mehr
verantwortlichen Therapeuten unterstützt werden. Doch leider scheint es so zu
sein, dass die Krähen sich gegenseitig schonen. Jedenfalls halte ich es für ein
Unding, dass Therapeuten wie Michaela Huber oder Claudia Fliß unbehelligt
weiterarbeiten können und ihre Konfabulationen zum rituellen Missbrauch
verbreiten dürfen.


Lieben Gruß Lotosritter

Lotosritter

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4

Samstag, 15. Februar 2014, 03:12

Heute hatte ich den Bescheid vom Fond sexueller Missbrauch im Briefkasten, dass mein Antrag genehmigt wurde. Die Clearingstelle hatte am 27. 1. entschieden. Es hat also ein gutes halbes Jahr gedauert, bis der Antrag endgültig behandelt wurde. Das heißt man muss Geduld mitbringen, wenn man einen Antrag stellt, und die Wartezeit im vorhinein einkalkulieren.
Jedenfalls ist mir jetzt wesentlich leichter. In letzter Zeit, nachdem die Kasse weitere Stunden abgelehnt hatte, war ich dabei zu vereisen und zeigte deutlich konstriktive Züge. Allerdings ist meine Freude über den Bescheid eher gedämpft, da mir das Ungemach der langen Wartezeit noch nachhängt; doch fühle ich mich recht erleichtert und weniger gestresst.

Der Bescheid nennt sich Teilbescheid, mit ihm wird die grundsätzliche Kostenübernahme durch den Fond avisiert. Nun muss meine Therapeutin noch einen Behandlungsplan und ihren Qualifikationsnachweis einreichen. Danach wird die Höhe der Kostenübernahme festgesetzt.
Ja, und wenn ich daran denke, dass die Therapie nun in Ruhe fortgesetzt werden kann, kommt doch Freude in mir auf. Es wäre schlimm gewesen, hätte ich einen weiteren Stillstand erdulden müssen.
LG Lotosritter

5

Samstag, 15. Februar 2014, 06:13

Hallo Lotosritter,

mein Glückwunsch!

Was mir gefällt ist, dass dein Thera einen Qualifikationsnachweis einreichen muss. Das gibt Hoffnung, dass sich nicht irgendwelche Scharlatane bereichern, z.B. http://ueberlebensberatung.net/Anmelden.html.

Ich wünsche dir viel Erfolg für deine weitere Therapie.

Lg
Jenny
Forum für falsche Erinnerungen, (iatrogen)
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Lotosritter

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6

Freitag, 21. Februar 2014, 02:13

Der Fond sexueller Missbrauch hat Hürden eingebaut

Es dürfte für Scharlatane und esoterisch gestimmte Abstauber nicht so leicht sein, an das Geld des Fonds sexueller Missbrauch zu gelangen. In seinen "Leitlinien für die Gewährung von Leistungen aus dem Fond sexueller Missbrauch im familiären Bereich" sind die Hürden recht hoch gelegt, indem Qualifikationsnachweise des Behandlers gefordert werden. So erhalten u.a. nur approbierte Psychologen (siehe Seite 15) Leistungen aus dem Fond. Hier der Link zu den Leitlinien .