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Montag, 19. März 2012, 14:16

Ein Vatertag für die Väter?

Wie, den gibt es schon?
Nee! Gibt es nicht.
Oder hat schon mal wer erlebt, daß am Sauf-u. Himmelfahrtstag irgendwo etwas nennenswertes zur Ehre der Väter unternommen wurde?
In anderen Ländern passiert das durchaus.
Aber hier, oder in Österreich, oder der Schweitz ?( ?

KbbE hat sich mal schlau gemacht und die Initiative ergriffen.
Und Väter-für-Gerechtigkeit.de schließt sich dem ausdrücklich an!

Siehe hier:
http://www.vaeter-fuer-gerechtigkeit.de/…V%C3%A4ter.html

und hier:
http://www.vatertag.kbbe.de/

Warum nicht auch mal etwas positive Gleichstellungsarbeit betreiben?

Gruß...........Fiete
Respekt immer!
Angst nie!

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Montag, 18. März 2013, 05:38

Vatertag

Vatertag ausgerechnet an Christi Himmelfahrt? Ein seltsamer Termin. Christus war kein Vater (obwohl sich darüber nicht wenige streiten), und viele Männer, die sich an diesem Tag eine Auszeit mit Bollerwagen und Biervorrat nehmen, auch nicht. Oft sind sie noch nicht einmal Männer, geschweige denn, dass sie anlässlich dieser Auszeit zum Himmel aufgefahren wären.

Dennoch stand für uns als Kinder fest, Vatertag ist an Christi Himmelfahrt. Während draußen mit bunten Bändern und Hüten geschmückte jungen Burschen fröhlich "festelnd" über Land zogen, kraftmeierten, und ihre in mehr oder weniger ferner Zukunft zu erwartende Vaterschaft begossen, während die "gestandenen" Männer, ob Vater oder nicht, es sich in froher Runde bei Bier und Wein wohl sein und sich vorzugsweise von hübschen Mädchen bedienen ließen, erwarteten die tatsächlichen Väter ein Vatertaggeschenk zu ihrem Ehrentag, das dem Muttertaggeschenk nicht nachstehen sollte.

Für uns Kinder war da guter Rat teuer. Unser Muttertaggeschenk bestand zumeist aus einem Wiesenblumenstrauß, den wir morgentaufrisch pflückten, an Mutters Bett brachten und ihr dazu den Morgenkaffee servierten.
Blumen für Vater? Das wäre keine gute Idee gewesen. Blumensträuße fand man damals weibisch. Hätte man einem Mann einen Blumenstrauß geschenkt, wäre dies allseits peinlich gewesen.
Vätern schenkte man, ja, was? Einen Satz Taschentücher zum Beispiel, so groß, dass man sie an allen vier Enden mit Knoten versehen und als Sonnenschutz auf den Kopf setzen konnte. Oder Socken, schwarz oder blau, mit Sockenhalter, die um die Wade geschnürt wurden und das Herunterrutschen verhinderten. Schließlich wollte kein anständiger Mann seine Socken in Ringeln um die Knöchel tragen. Schöne Geschenke und nützlich. Das vor allem. Aber teuer. Und welches Kind hatte damals schon so viel Taschengeld? Wir jedenfalls nicht.

Also hieß es, ein Vatertaggeschenk selber machen. Ein Taschentuch aus einem Stück Baumwollbatist zuschneiden, mit säuberlich eingerollter Kante säumen und den Saum zuletzt mit einer festen Häkelborte aus Mausezähnchen versehen. Oder zwei Socken stricken, große zumal, vorzugsweise aus aufgeräufelter Wolle von den Socken vom vergangenen Vatertaggeschenk. O, weh, die Finger!
Beim Nähen stach man sich in die Finger. Mit etwas Pech gab's Blutflecken auf dem schönen neuen Tuch. Beim Häkeln wurden die Hände lahm, wenn die feine Häkelnadel Löchlein an Löchlein ins Tuch zu stechen hatte und Schlinge um Schlinge aus dem Häkelfaden um sich selbst und um den Saum zu ziehen. Und beim Stricken zauselte die alte Wolle sich filzig oder in zu feste Maschen. Da gerieten die Reihen schief und huckelig, mussten aufgezogen und neu gestrickt werden. Und wehe, es fielen Maschen herunter, dann kostete es Tränen, ehe man sie wieder aufgefangen hatte, ohne das Laufmaschen blieben. Mädchenarbeit war das. Gut, dass die Mutter manchmal half.
Jungen sägten zum Beispiel; sägten dem Vater etwas Schönes mit dem Laubsägeblatt aus einem Sperrholzbrett, auf das sie zuvor ein Motiv aufgebracht hatten. Werkunterricht gab's damals für alle Jungen in der Schule. Und daheim brachte ihnen der Vater bei, was er selber konnte. Kein Junge, der nicht hätte laubsägen können. Mit einem kleinen Loch versehen, konnte der Vater das Werkstück als Bild aufhängen.
Oder sie suchten in Vaters Werkzeugkiste die krummen Nägel aus, die man damals ganz selbstverständlich nicht wegwarf, und hämmerten sie fein säuberlich wieder gerade, bis sie wie neu aussagen. Dann wurden sie mit feinem Schmirgelpapier poliert und in eine Geschenkschachtel gelegt, auf die Schwester oder Mutter eine schöne Schleife banden. Wer gar nichts zu verschenken hatte, putzte Vaters Schuhe oder Stiefel blitzeblank. Am besten mit viel Spucke und Zeitungspapier.

Und dann kam der Moment des Morgenkaffes, den wir - genau wie am Muttertag - auf dem Tablett an Vaters Bett trugen, das Geschenk, gut sichtbar neben der Tasse oder hinter dem Rücken verborgen, und stolz servierten.

Muttertag, Vatertag - für uns Kinder gab's da keinen Wertungsunterschied. Der einzige Unterschied bestand darin, dass Mutters Geschenk so viel einfacher zu haben war und dass sie uns zärtlich drückte und in die Arme nahm, wenn sie sich bedankte, während Vater uns in die Luft warf oder durchkitzelte oder uns mit seinem Stachelbart die Wangen rot rieb, wenn er uns küsste. Beides war schön. Jedes auf seine Art.

Wer Muttertag und Vatertag politisch und ideologisch ausschlachtet, weiß nicht, wie schön es ist, solche besonderen Tage mit Kindern zu feiern und zu genießen. Kinder wissen nichts von Ideologien, brauchen es auch nicht. Was sie wissen wollen und brauchen, ist, dass sie geliebt werden und wiederlieben und das auch zeigen dürfen. An jedem Tag und an besonderen Tagen ganz besonders.
Deshalb kommt es darauf an, wie Muttertag oder Vatertag, wie die Gleichwertigkeit von Mutter und Vater Kindern vermittelt wird, um Kindern als etwas Beglückendes, Fröhlichkeit Stiftendes nahe zu bringen, dass sie beiden Eltern an einem besonderen Tag im Jahr ganz besonders feierlich und festlich ihre Kindesliebe bezeugen dürfen, - einfach deshalb, weil sie beide lieben und von beiden geliebt werden und genau das wunderbar schön ist.


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Dienstag, 19. März 2013, 01:26

Ein eigentlich sehr schöner Beitrag, der mich aber auch sehr nachdenklich macht.
Ich muß gestehen, daß ich im Großen und ganzen nie viel von besonderen Tagen gehalten habe. Insofern stamme ich aus einer recht "modernen Familie". Weihnachten, Sylvester, für die Kinder auch noch ein paar Ostereier ( alles ganz ohne religiöse Hintergedanken ), Geburtstag, und das war's dann auch schon. Wer Lust hatte hat Mutti noch zum Muttertag was nettes gesagt, war aber weniger wichtig. War aber für uns auch kein Problem, da wir auch so ein respektvolles Verhältnis miteinander hatten.

Daß Gedenktage, ob nun zum Feiern, oder auch zum Nachdenken, durchaus sinnvoll sein können, wurde mir erst später bewußt.
V. dh. denke ich, daß es sehr stark von der Erziehung abhängt, Kindern solche Werte zu vermitteln oder auch nicht. Und dafür sind gerade Festtage, wie Mutter- o. Vatertag, sicherlich sehr nützlich, wenn man sie denn positiv vermitteln kann.

Aber auch "politische" Gedenktage aller Art, können bestimmt ungefähr dem gleichen Muster folgen. Ob das immer sinnvoll ist, halte ich füt hinterfragbar. Die Inflation, die damit heute einhergeht, halte ich großteils für kontraproduktiv. Tag der Erdkröte oder Heckenbraunelle o.ä. verwässern die Sache m.E. nur. Da kann sich dann jeder seinen oder seiner Lobby Gedenktag aussuchen und ein paar Reklameballons starten und der Rest der Welt macht Business as usual.
Das erinnert mich an Aluminium-Orden für besonders leistungsfähige Soldaten o.ä. oder bestimmte Martyrertage irgendwelcher Sekten.

Der Vatertag ist ja mittlerweile im deutschsprachigen Raum zur Worthülse verkommen, man kann sagen, er existiert eigentlich gar nicht mehr. Wie es woanders ist, weiß ich , ehrlich gesagt, kaum, außer das was Volker vom KBBE dazu zusammengetragen hat.
Und insofern denke ich, daß die politische Aktion durchaus sinnvoll ist, da Väter überall, wo Genderismus u.ä. ihren Marsch durch die Institutionen durchziehen, gesellschaftlich stark abgewertet werden. Für die aktiven Väter und ihre Unterstützer kann v.dh. ein Tag, möglichst sogar ein global begangener, als Aktionstag nur gut sein. In der Hoffnung, daß er einigen unbedarften Leuten vielleicht im Gedächtnis hängen bleibt.
Wenn das dazu beiträgt, das diese Tradition, die Du, Karin, beschreibst, irgendwann und unabhängig von den politischen Hintergründen, wiederbelebt wird, macht es m.E. sogar doppelt Sinn. Ohne eine breitbandige gesellschaftliche Bewußtseinsbildung darüber, daß Väter gleichwertige Elternteile sind, wird das aber kaum möglich sein, schätze ich. Die Bevölkerung ist in so relativ kleine Teile aufgespalten, daß keine Kirche, keine Gewerkschaft, keine Partei dieses Bewußtsein nennenswert anregen könnte, oder gar wollte.
Da halte ich die "politische" Schiene, also nicht zuletzt, den Einsatz für die Gleichrangigkeit der erwachsenen Menschen, z.Zt. schon für ein sehr geeignetes Mittel.
Sicher, daß ist im Grunde sehr traurig, zeigt es doch auch einiges über den sozialen Zustand der Gesellschaft an sich und noch mehr über den unserer angebl. "selbstgewählten Volksvertreter".
Manchmal greift man halt nach Strohhalmen.
Respekt immer!
Angst nie!