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Dienstag, 13. November 2012, 13:49

Sven Regeners Wut-Rede: "Eine Gesellschaft, die so mit ihren Künstlern umgeht, ist nichts wert"


Lotosritter

Fortgeschrittener

Beiträge: 264

Wohnort: Oberbayern

Beruf: Künstler

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Donnerstag, 15. November 2012, 23:31

Ja, die Brandrede von Sven Regeners ist gut, richtig und wichtig. Auch wenn der Aufschrei der Schmarotzer, die meinen, via Internet ein Verbraucherrecht aus Diebstahl von Musik, Büchern und Filmen zu haben, unüberhörbar war. Das Urheberrecht schützt die Urheber und nicht die Verbraucher, es ist kein Verbraucherrecht! Dies sollten die Politiker beherzigen und nicht dauernd ihr Fähnchen nach dem Wind hängen. Denn die Piraten sind ja nur ein Intermezzo, ebenso wie Schillpartei oder Republikaner.
Eine Gesellschaft, die ihren Künstlern vor die Füsse pisst (Regener sagt es noch drastischer) demontiert sich selbst, indem sie ihren eigenen kulturellen Anspruch aufgibt. Und einen Kulturbeutel von Aldi zu besitzen, hat nichts mit Kultur zu tun.
Gruß Lotosritter

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Freitag, 25. Januar 2013, 16:53

Urheber und andere Kreative

Vor einiger Zeit sagte mir einmal ein Mann, der mit geringer Schulbildung und aus schlichten Verhältnissen heraus zu viel Geld und damit zu hohem gesellschaftlichem Ansehen gekommen war: "Was ist schon Kunst, Kultur? Was heißt da Urheberrecht? Wenn ich will, kaufe ich mir Kultur und kaufe mir den gleich dazu, der sie macht. Zeige mir einen Künstler, den ich nicht kaufen kann! Dann wirst du sehen, dass Kultur nur wert ist, was ich dafür bezahlen will. Hast du Geld, hast du alles: Kultur und Macht. Ich mache in Geld. Ich kaufe. Habenichtse machen in Kultur. Sie sind zu kaufen."

Am Ende besaß er einige Originale namhafter Künstler, die ich hier nicht nennen will, und präsentierte sie stolz seinen Gästen. Auch einem, der sie als Reproduktionen bewies. Das Leben lehrt: Eine Gesellschaft, die ihre Kultur und Kulturschaffenden nicht als hohes Gut wertschätzt, scheitert.

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Samstag, 2. März 2013, 03:44

Meine Episode mit dem "Wortkuss-Verlag"

Vor einiger Zeit nahm ich aus Spaß am Gedichte Schreiben an einem Wettbewerb teil, der auf facebook von einem Verlag mit Namen Wortkuss ausgelobt wurde. Die Gewinner-Texte sollten zu einer Anthologie zusammengefasst werden, die als Printausgabe erscheinen sollte. Honorar sollte ein kostenloses Belegexemplar sein.
Die Wettbewerb-Ausschreibung erfolgte unter dem Sammelbegriff "Die Welt im Wasserglas".

Ich sandte zwei Texte ein. Ein Gedicht mit dem Titel "Ode an mein Wasserglas" und ein weiteres mit dem Titel "Haltestellen".

Mein Gedicht "Ode an mein Wasserglas" wurde als Gewinner-Text ausgewählt.

Einige Monate später erfuhr ich auf Nachfrage, die Anthologie sei bereits erschienen, aber vorerst nur als eBook erhältlich, von dem es kein Belegexemplar gebe.
Das eBook sei aber für 3, 99 Euro zu kaufen und auf dem amazon-kindle zu lesen.
Auf die - schriftlich vereinbarte und zugesagte - Printausgabe müsse man schweren Herzens verzichten.
Einer der an der Anthologie beteiligten Autoren habe "Grenzen überschritten, die ein Mensch besser nicht überschreiten sollte." Mehr als diese kryptische Botschaft erfuhr man nicht.

Nach weiterer Zeit wurde mir auf Anfrage mitgeteilt, die Printausgabe werde noch vor Weihnachten erscheinen.

Im Sommer nach diesem Weihnachten, an dem die Anthologie nicht erschien, schrieb man, der Verlag sei geschlossen und das Gewerbe abgemeldet worden. Er werde jedoch von anderer Seite übernommen und weitergeführt.
Danach herrschte Schweigen.

Monate später wurde ein anderer Verlag präsentiert, der die Printausgabe der Anthologie "Die Welt im Wasserglas" herausbringen wolle. Wegen der Rechte an meinem Gedicht "Ode an mein Wasserglas" wurde angefragt. Der Kontakt gefiel mir. Ich sagte zu.

Wie schon erwähnt, hatte ich dem Wortkuss-Verlag ein zweites Gedicht zugesandt.
Dieses Gedicht, das sich ebenfalls mit Wasser beschäftigt und "Haltestellen" heißt, entdeckte eine meiner Freundinnen, als sie die Insel Norderney besuchte und dort ein Buch erstöberte, - einen Bildband mit Texten und Musik, der "Inspiration Norderney" betitelt ist, aus dem Musicom-Verlag in Münster. Dort, auf Seite 34, versehen mit einem Foto von beflaggten Holzpfosten in kabbeliger See, steht es, mein Gedicht, ordnungsgemäß mit meinem Namen, die Herkunft im Buchanhang als vom Wortkuss-Verlag stammend, ausgewiesen. Ungefragt und unerlaubt mein geistiges Eigentum vergeben und gedruckt, - die Überraschung war pur.

Natürlich habe ich sowohl beim Wortkuss-Verlag wie auch beim Musicom-Verlag um Aufklärung und anständige Abwicklung des Vorgangs ersucht.
Der Musicom-Verlag reagierte gar nicht.
Der Wortkuss-Verlag reagierte mit Erstaunen und Nichtwissen, beteuerte absolute Integrität und Klärungswillen und versprach vollmundige Hilfe zur Wahrung meiner Rechte.
Passiert ist - nichts.

Ein Gedicht, - was ist das schon, mag man denken. So ein kleiner Text, was soll die Aufregung um ein paar Zeilen, um ein paar lächerlich wenige "Kröten" oder ein Belegexemplar als Honorar. So denkt man vielleicht, wenn man keine Gedichte schreibt, kein Schriftsteller, kein Autor, kein Urheber von Wortkunst ist.

Für mich sind meine Werke meine geistigen Kinder. Jedes ist mir lieb und wert, sei es kurz oder lang geraten. Keines will ich mir "einfach so" nehmen lassen, keines verloren geben müssen, keines irgendwo sehen, wo ich es nicht hingegen habe. Sie sind Teil meines Denkens und Fühlens, Teil meines Ich, mein Seelenspiel, das ich mit dem teile, mit dem ich es teilen will.

"Haltestellen", dieses, mein Gedicht ist mir entrissen.
Das schmerzt. Und es macht zornig. Mich.