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Mittwoch, 9. Januar 2013, 22:23

Sexueller Missbrauch - Katholische Kirche stoppt Missbrauchsstudie

Der Artikel in der "Zeit" spricht für sich. Christian Pfeiffer ist übrigens so ziemlich der renommierteste Kriminologe Deutschlands:
"Der Missbrauchsskandal der Katholischen Kirche wird vorerst nicht weiter untersucht. Bischöfe und Forscher überziehen sich gegenseitig mit Vorwürfen.

Das Forschungsprojekt zur Untersuchung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche ist vorerst gescheitert. Wie die Deutsche Bischofskonferenz mitteilte, wurde der Vertrag mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) "aus wichtigem Grund mit sofortiger Wirkung" gekündigt. Die Kirche suche nun einen "anderen Vertragspartner" für die Fortsetzung der Studie.

Der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) und das Forschungsinstitut hatten im Juli 2011 das Projekt vertraglich vereinbart. Laut KFN war es als weltweit umfassendste Untersuchung zu dem Thema angelegt. Akten aller Diözesen sollten teilweise seit Kriegsende auf Missbrauchsfälle untersucht und sämtliche Opfer schriftlich befragt werden. Zudem waren vertiefende Interviews mit Opfern und Tätern geplant.

Die Bischofskonferenz spricht nun von einem zerrütteten Vertrauensverhältnis zwischen dem Direktor des KFN, Christian Pfeiffer, und den deutschen Bischöfen. Dessen Kommunikationsverhalten gegenüber der Kirche habe eine weitere konstruktive Zusammenarbeit verhindert. VDD-Geschäftsführer Hans Langendörfer nannte das Vertrauensverhältnis zu Pfeiffer "zerrüttet".

"Inakzeptable" Einflussnahme der Kirche

Pfeiffer seinerseits erhebt schwere Vorwürfe gegen die katholische Kirche. Das Projekt sei "an den Zensur- und Kontrollwünschen der Kirche gescheitert", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Entgegen der ursprünglichen Vereinbarung habe die Kirche darauf beharrt, über die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse sowie über die Auswahl der beteiligten Mitarbeiter mitbestimmen zu dürfen.

Der Zeitung zufolge wollte der VDD die Vereinbarungen mit dem Forschungsinstitut dahingehend ändern lassen, dass die Kirche letztlich darüber hätte bestimmen können, ob die Ergebnisse veröffentlicht oder nie bekannt werden. Pfeiffer nannte dies im ZDF-Morgenmagazin "inakzeptabel". Gegenüber der SZ kritisierte er, dies sei "Auftragsforschung" und "unvereinbar mit der Freiheit wissenschaftlicher Forschung".

KFN kündigt eigene Studie an

Pfeiffer berichtete auch über Hinweise aus der Kirche, wonach in mehreren Diözesen Missbrauchsakten vernichtet worden seien. VDD-Mann Langendörfer widersprach dieser Darstellung. "Für eine Vernichtung von Täterakten habe ich keinerlei Anhaltspunkte", zitiert ihn die Süddeutsche.

So wie die Kirche will nun auch der Kriminologe das Projekt eigenständig weitertreiben. Pfeiffer rief die mutmaßlichen Missbrauchsopfer zudem auf, sich nun freiwillig zu melden, um das Projekt fortführen zu können. Dazu sollten entsprechende Fragebögen verschickt werden."

Quelle und weiterführende Links:
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgesc…studie-pfeiffer

Ich persönlich habe ergebnisorientierte Zielforschung, besonders wenn es um Gegenstände erheblichen öffentlichen Interesses geht, als mehr oder weniger kriminelle Manipulationsform betrachtet. Nach Darstellung Pfeiffers scheint derartiges hier vorzuliegen.

Gruß............Fiete
Respekt immer!
Angst nie!

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Freitag, 15. Februar 2013, 03:10

Was fürchtet die Kirchenobrigkeit?

Als bekannt wurde, dass die katholische Kirchenobrigkeit die "weltliche" Studie boykottiert haben soll, war meine erste Frage: Was fürchtet die Kurie?

Norbert Denef ist einer der offensivsten Kämpfer gegen sexuellen Missbrauch und befindet der sich aktuell jeden Freitag im Hungerstreik, weil der Deutsche Bundestag seit drei Jahren keine konkreten Eintscheidungen gegen sexualisierte und andere Formen von Gewalt trifft, eine gerechtere Gesetzesreform nebst Aufhebung der Verjährungsfristen verhindert und der in seinen Augen scheinheilige Runde Tisch der Bundesregierung nicht gebracht habe.
Norbert Denef teilte mit, im Laufe der Jahre sei ihm eine Summe X geboten worden, wenn er künftig schweige.
Als Begründung teilte ihm Bischof Gerhard Feige mit: "Meine Sorge war zwischenzeitlich, dass das damalige Vergehen, wenn es in die Öffentlichkeit kommt, noch mehr Unheil anrichtet. Wie schnell kann Kirche, auf Grund der Tat eines Einzelnen, in der Öffentlichkeit zum pauschalen Sündenbock gemacht werden. Und dem Betroffenen ist dadurch nicht wirklich geholfen."
Siehe dazu:
Die Schweigeklausel: http://netzwerkb.org/2008/09/05/die-schweigeklausel/
http://youtu.be/CEx6cp4jZy4

Siehe dazu auch meinen Tatsachenroman, der kürzlich als eBook in Neuauflage erschien: "Bischöfin für eine neue Kirche".
Darin präsentiere ich eine Frau, die sich in einen katholischen Priester verliebte und mit ihm zwei heimliche Kinder bekam. So lange niemand offen darüber sprach, hatte sie eine Festanstellung an einer katholischen Klosterschule, wohnte mit ihrem erstgeborenen Priesterkind in einem kircheneigenen Haus, Fenster an Fenster mit der Wohnung ihres heimlichen Liebhabers, einem Mönch und Klosterschulleiter. Auch als sie zum zweiten Mal schwanger von ihm wurde, nahm niemand das Offenkundige wahr. Der große Knall kam erst, als der heimliche Zweifach-Vater in Streit mit seinem Abt geriet und lieber zu heiraten beschloss, als sich dem Willen des Abtes zu unterwerfen. Kaum war das erste offene Wort gesprochen, verlor als Erste die Priesterkindermutter ihre Festanstellung und dann der Mönch seinen Schulleiterjob. Als die Priesterkindermutter die ihren Kindern entgangenen Alimente einklagen wollte, erklärte ihr der Kirchenrechtler, dass die Kinder keinerlei Anspruch an den Vater hätten, da dieser sich der Kirche geweiht habe und folglich die Entstehung der Kinder einem Bankraub gleich komme.

Wenn es um Geld geht, hatte die katholische Kirche schon seit eh und je ihre ganz spezielle Sichtweise. Man denke an den Zölibat, der u.a. gegen Erbansprüche von Priesterkindern eingeführt wurde. Als vor etlichen Jahren wieder einmal lautstark die Abschaffung des Zölibats gefordert wurde, fragte der damalige oberste Kirchenkassenverwalter in einem Presseinterview: "Wer soll das bezahlen?"

Auch jetzt, in der umstrittenen Studie, geht es um Kirchen-Image und Kirchen-Geld. Käme heraus, wie viele sexuelle Missbrauchsopfer die katholische Kirche zu verbuchen hat, wie viele Pädophile und Päderasten geweiht wurden, weil sie angeblich von Gott persönlich dazu berufen wurden, Priester zu sein, wie viele Nonnen zu Täterinnen wurden, - da ließe sich nicht mehr so vollmundig wie bisher auf die paar schlimmen Einzelfälle verweisen. Noch weniger könnte der Kirchensäckel verschlossen bleiben. Womöglich kämen Zahlen und Forderungen in amerkanischen Größenordnungen auf die Kirche zu.

Schlimmer noch? Es käme vermutlich heraus, wie viele Priester trotz bestehender sexueller Missbrauchstaten in Amt und Würden blieben, wie viele zum Beispiel nach verbüßter Haft in Wohlfahrtsämter gehoben wurden.
Schon jetzt rennen (nicht nur) der katholischen Kirche die Mitglieder weg. Nach der Ergebnisverkündigung der besagten Studie wären es womöglich noch viel mehr. Wer will schon einer Kirche angehören und diese mit Steuergeldern finanzieren, die das Jesuswort "Lasset die Kindlein zu mir kommen" so schauerlich pervertiert und vergessen zu haben scheint, dass Jesus forderte, jeden mit einem Mühlstein um den Hals zu ertränken, der Kindern ein leid antue.

Womöglich müsste sich das gesamte Priesterberufungssystem in Frage stellen. Schließlich will wohl niemand glauben, dass Jesus, dass Gott ausgerechnet jede Mensche Kindesmissbraucher/innen in seinen Dienst beruft.

Schon jetzt hat selbst der Papst wohl genug von dieser Amtskirche und seilt sich zu Lebzeiten aus dem höchsten Amt ab ins beschaulich weltferne Klosterleben, wo er nichts mehr von sexuellem Missbrauch, Verrat und Intrigen erfahren und wissen und nichts mehr dagegen unternehmen muss.

Will die Kirche nicht vollends versagen, muss sie sich einer Untersuchung öffnen. Tut sie dies von innen heraus, wird es wohl eine dieser Studien und Statistiken werden, von denen es im Volksmund heißt, man werde ihr nur trauen könnte, hätte man sie selbst gefälscht. Lässt sie es von außen zu, wird es vermutlich am Ende wies Hornberger Schießen ausgehen. Spannend wäre der Vergleich zwischen einer Studie von innen und einer von außen.


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Freitag, 15. Februar 2013, 06:55

Hallo Karin,

Zitat

Als bekannt wurde, dass die katholische Kirchenobrigkeit die "weltliche"
Studie boykottiert haben soll, war meine erste Frage: Was fürchtet die
Kurie?
Bei den Zeugen Jehovas ist das ähnlich. Die wünschen auch keine "weltliche" Einmischung. Die haben ihre eigenen Gesetze und bestehen darauf, Probleme jeglicher Art, auch sexuellen Missbrauch, nach ihren Regeln zu klären. Bei den Zeugen sind die "Ältesten" sozusagen die Richter.

Wenn ich nicht schon längst aus der Kirche ausgetreten wäre, spätestens jetzt, wo die ganzen sexuellen Übergriffe ans Tageslicht kommen, würde ich da keine Sekunde länger verweilen.
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