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Donnerstag, 5. Juli 2012, 14:56

4 Jahre kein Kontakt

ich fasse meine Geschichte
kurz....weil sie schon viel zu früh begann, ohne dass ich es bemerkte.



Wir waren eine glückliche Familie und alles war harmonisch, als unsere Tochter
geboren wurde, bekam ich die Aufgabe mich um Kind und Haushalt zu kümmern, mein
Ex-Mann durfte alles und ich nicht, Südländer halt.

Unsere Tochter war 2 1/2 Jahre alt, als ich mich von ihm trennte, weil ich es
nicht mehr ertagen konnte in einem goldenen Käfig eingesperrt zu sein. Also
nahm ich meinen Mut zusammen und redete mit meiner Ex-Mann. Daraufhin durfte
ich kenne, aber ich sollte nicht in Erwähnung ziehen, unsere, inzwischen seine
Tochter mit zu nehmen, dann würde er das Kriegsbeil ausgraben und ich könnte
mich dann schon mal darauf vorbereiten, dass er mich fertig machen würde.

Er wollte unsere Tochter vor vollendete Tatsachen stellen, ich sollte ausziehen
und er wollte mit ihr nach Spanien fliegen in der Zeit, sie sollte nichts davon
mitbekommen. Ich habe eine sehr intensive innige Beziehung zu meiner Tochter
und sie hatte sie zu mir. Ich ließ es nicht zu und erklärte unserer Tochter die
Situation, dass Mama und Papa sich nicht mehr lieb hätten, das aber nichts mit
ihr zu tun hätte, das sie jetzt zwei Kinderzimmer bekommen würde und Mama eine
eigene Wohnung. Sie könnte jeder Zeit und so oft und lange wie sie wollte zu
mir kommen.

Kaum war ich aus dem Haus, hätte mein Ex eine neue Frau an seiner Seite,
ausgerechnet die Leiterin des Kindergartens, in die unsere Tochter ging. So ein
Zufall aber auch.Damit fing meine Geschichte an, wie ein schleichendes Geschwür
nistete sich die Neue ein und zerstörte alles. Nach einer Zeit hatten mein Ex
und ich ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut, unsere Tochter ging es
gut, nur dieses Geschwür gab keine Ruhe. Sie machte mich schlecht vor unserer
Tochter, verbot ihr Sachen von ihrem Vater zu erzählen. Es wurde ein
schrecklicher Kampf und mein Ex stand plötzlich nicht mehr freundschaftlich zu
mir, sondern fing an mir unsere Tochter zu entziehen. Jedes Jahr flog sie mit
ihrem Vater 2x für 2 Monate nach Spanien ohne meine Zustimmung, ich durfte kein
Urlaub mit ihr machen.2x Weihnachten durfte ich mit ihr verbringen, dann bis
zur Einschulung nicht mehr. Ich wurde nicht mehr über Veranstaltungen vom
Kindergarten, dann Schule informiert.Ich stellte meinen Ex zur Rede, das
Resultat, meine Tochter kommt nur noch alle 14 Tage zu mir wegen der
Schule.Dann wurden die Besuche immer mehr eingeschränkt, irgendwelche
Geburtstage oder Unternehmungen vorgeschreiben. Meine Tochter musste mich
anrufen und mir absagen, während die Neue oder der Vater ihr vorsagten, was sie
mir am Telefon sagen sollte.

In der Zeit wo unsere Tochter noch regelmäßig bei mir war, hatte ich meinen
Freund kennengelernt, denn meine Tochter sehr gerne mochte, doch mein Ex war
eifersüchtig auf ihn. Er konnte es nicht ertragen mich so glücklich zu sehen.
Daraufhin wurde alles eingeschränkt, nachdem unsere Tochter ihrem Vater dann
auch noch gezeigt hatte, dass mein Freund ein Kinderzimmer in seiner Wohnung
für unsere Tochter eingerichtet hatte, da war alles vorbei. Unsere Tochter
durfte nicht mehr zu uns oder zu mir.Sie litt ganz fürchterlich darunter und
weinte am Telefon. Ihre schulischen Leistungen sackten ab und sie war apatisch,
wurde mir von meinem Ex berichtet, des halb hält er es für unzumutbar, dass sie
weiter zu mir kommen kann, und so wurde das einfach von Seiten meines Ex
beschlossen.Er gab mir zu verstehen, dass unsere Tochter nicht mehr zu mir
wollte, obwohl meine Tochter mir am Telefon etwas ganz anderes erzählte.

Weder zur Taufe noch zur Kommunion meiner Tochter bin ich eingeladen wurde, der
Kontakt zur Oma und den Rest meiner Familie wurde auch unterbrochen, damit ich
keinen Zugang mehr bekam. Bei der Kommunion durfte ich unsere Tochter keine
Geschenke überreichen, die Worte ihres Vaters: von denen willst du doch keine
Geschenke, oder? Unsere Tochter stand gefangen in den Armen der Neue und senkte
nur den Kopf zu Boden und schüttelte den Kopf.

Danach habe ich das Jugendamt eingschaltet, Gespräch mit Vater, reine
Vermittlungsbüro mehr nicht, haben mir nicht geholfen und mir nicht geglaubt,
dass der Vater mir unsere Tochter entfremdet. Nächster Schritt, Rechtsanwalt
und Gericht, sowie Verfahrenspfleger für Kind, vom Gericht verordnete
Familientherapie und Treffen mit beiden Eltern und Kind, zum wieder annähern.
Alles wurde von Seiten des Vaters verweigert, unser Tochter entfernte sich
immer mehr von mir. Bei der Familientherapie, sagte meine Tochter zu mir, ich
wäre krank und sollte doch mal den Psychiater aufsuchen, mit 8 Jahre, für mich
brach eine Welt zusammen.

Danach hab ich sie gehen lassen, ich wollte nicht, dass ihre kleine Kinderseele
noch mehr kaputt gemacht wird und noch mehr leiden muss. Zum Glück entschied
das Geicht für ein halbes Jahr, das unsere Tochter eine Kinderpsychotherapeutin
aufsuchen sollte. Im Abschlussgespräch war ich dabei und habe meine Tochter,
das erste Mal nach 2 Jahren wieder gesehen. In diesem Gespräch habe ich ihr
mitgeteilt, dass ich sie loslasse, sie ganz doll liebe und immer für sie da
sein werde, meine Tür steht immer offen für sie.Ich teilte ihr mit, dass sie
den Zeitpunkt und Ort bestimmen wollte wann und wie sie wieder zu mir Kontakt
aufnehmen wollte. ICh dürfte ihr weiterhin Karten und Briefe schreiben, darauf
bestand sie, das war aber auch alles. Das war das letzte Mal, das ich sie
gesehen habe bis heute.Und es besteht auch weiterhin kein Kontakt. Der Vater
kümmert sich überhaupt nicht um seine Pflichten, wie Zeugnisse mitteilen, Fotos
schicken.

Vielen Dank fürs Zuhören

lg mariposa

2

Freitag, 20. Juli 2012, 02:53

Traurig

Welch' traurige, schmerzhafte persönliche Erfahrung!
Und zugleich so alltäglich, so immer wieder ähnlich in den Abläufen, in den Schikanen, den Kämpfen, der Verzweiflung.
Eine Geschichte wie aus dem "Kaukasischen Kreidekreis", mit dem entscheidenden Unterschied, dass es dem Richter der Gegenwart an der Weisheit des Salomo gefehlt hat, der einst, als die wahre Mutter diejenige erkannte, die ihr Kind nicht zerreissen und aufteilen lassen wollte, während die falsche Mutter es skrupellos hätte töten lassen, und der das Kind deshalb der wahren Mutter übergab.
Niemand kann Kindern und Eltern geraubte Gemeinsamkeit, getrennt verbrachte Lebenszeit, die Süße der persönlichen elterlichen Anteilnahme an der Kindheit des geliebten Kindes, ersetzen. Niemand kann den Schmerz heilen, den dieser Verlust hervorruft. Niemand, nur das Kind selbst. Dann, wenn es versteht und die Kraft hat, seine ganz eigenen Entscheidungen zu treffen, seinen eigenen Willen auszudrücken und auszuleben, niemandem mehr zu gestatten, das Leben des Kindes wie sein eigenes zu zu annektieren, es zu manipulieren und dominieren.
Ich wünsche Dir von Herzen, dass Deine Tochter diese Kraft hat und ihr euch wiederfindet. Bald!

Aus Lebenserfahrungen anderer Mütter weiß ich, wie schwer es auf ihnen lastet, von ihrem sozialen Umfeld schief angesehen zu werden, weil man sie unter den Verdacht der "Rabenmutter" stellt, die ihr Kind im Stich gelassen oder etwas Schlimmes gemacht zu haben scheint, weil sie nicht mit ihrem Kind zusammenlebt und es nicht besuchen oder zu nehmen darf.
Ist das bei Dir auch so? Was hilft Dir in dieser Situation?
Es kann anderen vielleicht helfen zu wissen, wie Du damit umgehst.

3

Sonntag, 22. Juli 2012, 22:43

Kraft

Hallo

Diese Kraft wünsche ich meiner Tochter sehr, dass sie, sie finden wird ,um dann ihren Weg zu finden.Denn ihr wurde eingeredet, dass ich sie nie haben wollte.

Ja als Rabenmutter wurde ich auch hingestellt, im Kindergarten war ich stets die böse Mutter, die ihr Kind beim Vater gelassen hat. Und deswegen wendeten sich die anderen Mütter immer von mir ab. Sie konnten es nie nachvollziehen, wie man dies als Mutter tun könnte. Ein Rat an diese anderen Mütter, bevor ihr jemanden verurteilt oder nicht beachtet, sollte ihr auch mal nach den Gründen fragen, wie es überhaupt dazu gekommen ist. Und nicht nur hinter dem Rücken über diese Mutter tuscheln, sondern den Mut haben, den Weg wählen sie direkt an zu sprechen.
Leider ist diese ganze Situation auch noch massiv von der Kindergärtnerin ( jetzt LG meines EX) angetrieben wurden.
Ich war völlig verzweifelt mit dieser Situation und wenn mein Exmann mit bei Veranstaltungen dabei war, wurde er immer bemitleidet, wie er das alles schaffen würde, so alleine.
Die Kindergärtnerin, in der Gruppe meine Tochter war hat mich zur Zeit genommen und mit mir geredet. Das tat unheimlich gut. Ich erzählte ihr von meiner Situation und sie erzählte mir, dass sie das schon am Verhalten meiner Tochter gemerkt hatte, dass etwas nicht stimmte.
Sie hat mir damit geholfen, indem sie mir zu verstehen gab, dass sie den Hut vor mir ziehen würde als Mutter. Das ich die Kraft besaß, meine Gefühle in den Hintergrund zu stellen, damit es meiner Tochter gut gehen würde. Sie bewunderte mich und das tat gut. So lernte ich langsam mit der Situation um zu gehen und mein Selbstbewußtsein war gestärkt.
Leider wurde die Situation in der Schule nicht anders, denn es waren dieselben Mütter wie im Kindergarten. Ich blieb immer eine Aussenseiterin, aber durch die Liebe meiner Tochter konnte ich das meistern. Sie zeigte allen, wie sehr sie sich freute, wenn ich sie abholte.Schließlich konnte sie sich in der Schule frei bewegen und wurde nicht wie im Kindergarten ständig von LG meines Exmannes beobachtet oder ins Büro oder Küche zitiert, wenn der LG irgendetwas gegen den Strich ging.

Leider habe ich von diesen Vorgehensweise der LG, erst viel zu spät erfahren, denn das hätte ich niemals geduldet. Allerdings war meine Tochter so eingeschüchtert, dass sie sich nicht traute mir dass zu erzählen.
Dies alles was ich durchgestanden hab, schafft man alleine nicht. Ich war 1 1/2 Jahre in psychotherapeutischen Behandlung, bei einer sehr guten Therapeuten, die mir Lösungswege aufgezeigt hat, aber die ich lernen musste selber zu gehen. Und ich habe einen liebevollen, starken, verständnisvollen Partner an meiner Seite,
der alles Leid mit mir zusammen ertragen hat und mich stets begleitet hat und es auch immer tut. Nur durch ihn und seine Liebe, habe ich die Kraft gefunden, meine Tochter loslassen zu können und nicht daran zugrunde zu gehen. Durch ihn habe ich erkannt, dass das Leben weiter lebenswert ist, auch wenn ich meine Tochter zur Zeit nicht bei mir haben kann, noch an ihrem Leben teilnehmen kann.
Um alles verarbeiten zu können, habe ich rückwirkend im Jahre 2008 angefangen ein Tagebuch zu schreiben von Anfang bis jetzt.

lg
mariposa

4

Freitag, 27. Juli 2012, 17:52

dein Schicksal ist leider kein Einzelfall

Liebe Mariposa,

Schicksale wie deines sind mir leider bestens vertraut. Neben ausgegrenzten Vätern, kenne ich auch jede Menge entsorgter Mütter. Die Gesellschaft geht grausam mit ihnen um und ich weiß von einigen Betroffenen, dass sie ihr Schicksal verheimlichen, um nicht noch mehr gesellschaftlicher Ächtung ausgesetzt zu sein.
Vielleicht ist es für dich ein kleiner Trost und mehr noch eine handfeste Argumentationshilfe zu wissen, dass diese Art zu entfremden unter dem Begriff PAS (Parental Alienation Syndrome) bekannt ist.
Wichtiger noch ist, dass PAS jetzt in einem offiziellem bayerischen Leitfaden für Ärzte und Ärztinnen aufgenommen wurde. Damit ist ein wichtiges Etappenziel erreicht, auf das sich Betroffene vor Behörden usw. künftig berufen sollten:



Eltern-Kind-Entfremdung im neuen Bayer. Ärzteleitfaden Gewalt gegen Kinder
Die Bayer. Staatministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen,
Christine Haderthauer, hat aktuell am 09.07.2012 in München den neuen Ärzteleitfaden ihres Ministeriums "Gewalt gegen Kinder und Jugendliche - Erkennen und Handeln" vorgestellt.
Darin wird
Eltern-Kind-Entfremdung (Parental Alienation Syndrom, PAS) als eine Sonderform der seelischen Misshandlung unter dem Punkt 3.4.2.4. auf Seite 111 ff. aufgeführt.
http://www.stmas.bayern.de/imperia/md/co…_interaktiv.pdf


Bayer. Ärzteleitfaden Gewalt gegen Kinder


3.4.2.4. Sonderformen seelischer Misshandlung

Eine seelische Misshandlung kann auch in einem von den Bezugspersonen so gar nicht
erkannten,
aber dennoch zu verantwortenden situativen Zusammenhang vorliegen:

Einbeziehung des Kindes bzw. des Jugendlichen in bestehende Partnerkonflikte

mit Anheizen eines Loyalitätskonfliktes für das Kind und damit einem Angriff auf die Bindung zum
anderen Elternteil – mit Übergängen in ein Parental Alienation Syndrom nach elterlicher Trennung.


Beispiel

Ein 11-jähriger Junge wird seinem inzwischen von der Mutter geschiedenen Vater, zu dem
emotional
eine große Hingezogenheit besteht, durch die Mutter entfremdet, indem diese
entgegen
tatsächlichen Gegebenheiten von der vermeintlich durch den Vater verschuldeten
schwierigen
finanziellen Situation, von körperlichen Übergrifflichkeiten des Vaters in der Vorgeschichte,
terrorisierenden Anrufen und dem Hass auf den Freund der Mutter berichtet.


3.4.2.5. Seelische Misshandlung tritt selten alleine auf

Seelische Misshandlung tritt selten als einzige Misshandlungsform auf. Wer bereit ist,
sein
Kind seelisch zu misshandeln, für den ist die Schwelle zu körperlichen Übergriffen oft herabgesetzt.

Bei Hinweisen auf seelische Misshandlung muss daher immer auch an die Möglichkeit
einer körperlichen und sexuellen Gewalt und ggf. Vernachlässigung gedacht werden.

Auch seelische Misshandlung durch andere Kinder kann mit körperlicher Gewalt einhergehen,
was bei Befragungen beachtet werden muss.

Eltern, die ihr Kind viel bestrafen, probieren oft alle Formen der Bestrafung aus.
Gerade
misshandelnde körperliche Bestrafungen gehen oft mit zusätzlichen seelischen
Misshandlungen
durch Beschimpfung und ungerechtfertigtes Kritisieren und Wertlosmachen einher.
Eltern verprügeln nicht wortlos.
Bei einer körperlichen Untersuchung sind wegen des Zusammenhangs seelischer
Misshandlung
mit körperlicher Gewalt gerade diskrete Spuren wichtig und die gegebenen
Erklärungsmodelle
für Verletzungsfolgen zu überprüfen.

3.4.3. Untersuchung und Befunderhebung

Für die Befunderhebung bei der seelischen Misshandlung ist der Bericht über das
misshandelnde
Verhalten entscheidend.
Beobachtbare psychische Symptome seelisch misshandelter
Kinder bzw. Jugendlicher
haben zwar oft ihre Ursache in der Misshandlung. Es können
aber bereits zuvor
vorhandene Entwicklungsstörungen oder auch kinderpsychiatrische Probleme

die Misshandlungsgeschehnisse angestoßen haben. Seelisch misshandelte
Kinder
bzw. Jugendliche haben selten eine sichere Bindung verinnerlicht. Dies macht sie
gefährdeter
für ungünstige Folgen der seelischen Misshandlung in Richtung eines verminderten
Selbstwerts und einer sich hieran anschließenden ungünstigen Entwicklungsspirale.

Da psychische Symptome unspezifisch sind, lässt es sich aus der Vielzahl möglicher
Symptome
nicht sicher auf eine seelische Misshandlung schließen. Bestenfalls bei
beobachtbaren,
typischen Symptomen einer posttraumatischen Störung mit z. B. wiederkehrenden
Albträumen
von misshandelnden Situationen, Schreckhaftigkeit, affektiver Dysregulation,
Ängsten
und dissoziativen Symptomen könnte man bei einem noch fehlenden Bericht über eine
seelische
Misshandlung grundsätzlich an traumatisierende Gewalterfahrungen denken.

3.4.4. Dokumentation

Wie bei allen Formen nicht „objektiver“, sondern nur berichteter Umstände ist die
möglichst wörtliche Dokumentation einer Aussage entscheidend (siehe hierzu auch Ziffer
4.2.10.).

Dazu gehören scheinbar nebensächliche Einzelheiten der Aussage ebenso wie die
psychische Befindlichkeit des Kindes oder Jugendlichen bei der Aussage. Die Dokumentation
von Einzelheiten der Aussage ist deshalb von großer Bedeutung, weil sie später die
Glaubwürdigkeit in besonderer Weise stützen können, gerade wenn diese Einzelheiten über den
eigentlichen Inhalt der Aussage hinausgehen. Sollten spontane Verbesserungen eintreten,
gehören auch diese solide dokumentiert.

3.4.5. Folgen seelischer Misshandlung

Anders als bei der körperlichen Gewalt sieht man am Kind zunächst keine Folgen der
seelischen Misshandlung. Kinder distanzieren sich zunächst nicht von ihrer Bezugsperson,
und ihre sprachliche Ausdrucksfähigkeit reicht häufig nicht aus, um von subtilen
Varianten seelischer Misshandlung zu berichten. Symptome von seelisch misshandelten Kindern sind
oft so unspezifisch, dass z. B. von einer kindlichen Depression nicht auf eine
seelische Misshandlung geschlossen werden kann.

Wie schwerwiegend die entstehenden Folgen sind, hängt auch vom betroffenen Kind
[bzw. Jugendlichen] und seiner Persönlichkeit ab. Deshalb ist die Feststellung dieser
Misshandlungsform besonders schwierig.

Seelische Misshandlung zu benennen und damit objektiv festzustellen, ist nur über ein
verbindliches Wertesystem möglich, welches in der Erziehung auf einer unbedingten
seelischen Unversehrtheit des Kindes aufbaut und diese für die Entwicklung von Kindern als
zentral ansieht.
Deshalb können hier multikulturelle, aber auch subkulturelle Einstellungen
andere Wertevorstellungen hinsichtlich des Kindeswohls beinhalten. Seelische Misshandlung
als Begriff ist also nur im Kontext der jeweiligen umgebenden Gesellschaft zu sehen.
Gleichzeitig ist der Begriff auch einer historischen Entwicklung ausgesetzt.

Historischer Exkurs: Erst in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde der
Begriff
der „elterlichen Gewalt“ durch den Begriff der „elterlichen Sorge“ ersetzt. Und erst
nach der
Jahrtausendwende wurde in Deutschland ein Gewaltverbot in der elterlichen Erziehung
gesetzlich
eingeführt. Schwedische Untersuchungen aus den 1980er Jahren zeigten, dass die
Einführung
des Gewaltverbots zu einer Abnahme körperlicher Züchtigungen mit einem Anteil von
anfänglich
75 % auf 50 % aller Kinder einherging. Auch die gesellschaftlichen Einstellungen
und Entwicklungen
gegenüber seelischer Misshandlung sind in ihrem kulturellen und historischen Kontext
zu
verstehen.
Eltern- und Bezugspersonenverhalten wird heute deutlich anders bewertet als vor 50
oder gar 100 Jahren.

Wie schwerwiegend die Folgen seelischer Misshandlung für ein Kind oder einen
Jugendlichen sind, hängt von seinem Alter, seiner seelischen Verfassung, eventuell auch von
den intellektuellen Fähigkeiten und den damit denkbaren Ausweich- und Bewältigungsmöglichkeiten,
aber auch von den jeweiligen Vorerfahrungen ab. Bereits erlebte frühere Traumata und
anschließend erlebte Schutzlosigkeit machen anfälliger für künftige Traumafolgen.

Eine vorhandene Bindung an ihre Misshandler führt die seelisch misshandelten Kinder
zunächst zu Adaptationsleistungen. Obwohl sie im Keller eingesperrt waren und
Todesängste erlebten, präsentieren sie sich anschließend brav und fröhlich, um drohenden
weiteren Misshandlungen zu entgehen und den unberechenbaren Misshandler „bei Laune“ zu
halten.



Ärztliche Diagnose und Befunde – Formen von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche

Aussagen wörtlich dokumentieren

Folgen oft unspezifisch

Erkennen seelischer Misshandlung nur über Wertesystem möglich

Seelische Misshandlung in historischem und kulturellem Kontext

Frühere Traumata machen anfälliger für Misshandlungsfolgen

Bindung an Misshandelnde führt anfangs zu Anpassungsleistungen



Erst wenn diese Kinder sich nicht mehr anpassen können, zeigen sie deutlichere
Symptome, beispielsweise Angstzustände, Panikreaktionen oder auch eine schwierigere
erzieherische Führbarkeit bzw. ein Schulversagen.

Aber gerade auch Kinder, die schon ursprünglich in ihrer Anpassungsleistung und
Selbstregulation beeinträchtigt sind, werden vermehrt Opfer von seelischen Misshandlungen,
die aufgrund eines geringen Selbstwertgefühls umso schwerwiegender wirken.

Wenn Eltern selbst ihr übergriffiges oder misshandelndes Verhalten benennen und sich
so einer Diskussion öffnen, sind Voraussetzungen für eine Veränderung auf der
Elternebene günstiger. Wenn Eltern bereit sind, ihr Verhalten zu reflektieren und zu verändern, kann
eine Vermittlung an fachliche Stellen wie Jugendämter oder andere Einrichtungen und
Dienste der Kinder- und Jugendhilfe (z. B. Erziehungsberatungsstelle, Angebote des
Kinderschutzbundes etc.) erfolgreich sein, um weitere Hilfen zu definieren und umzusetzen (zu den
Angeboten und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe siehe Ziffer 2.4.).

Langfristig haben Kinder und Jugendliche, welche eine seelische Misshandlung erlebt
haben, deutlich ungünstigere Entwicklungsmöglichkeiten als Nichtbetroffene. Im
Erwachsenenalter werden früher seelisch Misshandelte eher Opfer von Bullying oder Mobbing oder
geraten in dysfunktionale Partnerbeziehungen. Sie werden so chronisch in ihrem Selbstwert,
ihrer beruflichen Leistungsfähigkeit, aber auch in ihrer Persönlichkeitsentfaltung eingeschränkt.

3.4.6. Fallmanagement bei seelischer Gewalt

Werden seelisch misshandelnde Verhaltensweisen beobachtet oder berichtet, aber von
den Eltern verleugnet, bestehen in der Regel nur geringe Interventionschancen. Gerade hier
ist die Einschaltung Dritter zur Abklärung weiterer erforderlicher Maßnahmen notwendig:

• Beratung mit dem Jugendamt (auch anonym möglich),

• ggf. Mitteilung an das Jugendamt.

Das Jugendamt ist kraft Gesetzes die zentrale Stelle, wenn es um Fragen des
Kinderschutzes und insbesondere die Klärung des Vorliegens einer Kindeswohlgefährdung sowie die
Sicherstellung des Kindeswohls geht. Eine Handlungspflicht zur Einbindung des Jugendamtes
besteht, wenn aus ärztlicher Sicht eine solche zur Abwendung einer Kindeswohlgefährdung
erforderlich ist (im Einzelnen siehe Ziffern 2.3.3. und 2.3.4.).

3.4.6.1. Grundsätzliche Interventionsmöglichkeiten

Wird eine seelische Misshandlung festgestellt, so spielt die Persönlichkeit der Eltern eine
bedeutende Rolle für das weitere Vorgehen.

• Sind psychiatrische Krankheiten bei betroffenen Eltern bekannt, muss die Fähigkeit
der Realitätskontrolle der Eltern, das Maß ihrer Überforderung und die von ihnen
ausgehende Gefahr eingeschätzt werden:

Beratung mit dem Jugendamt über das weitere Vorgehen,

Informationen zur psychiatrischen Behandlung der Eltern einholen, Absprache mit
Behandlern der Eltern (grundsätzlich mit Zustimmung des Patienten).

• Sind spezielle Persönlichkeitsstörungen bei den Eltern bekannt oder zu vermuten,
muss etwa bei sadistischen Verhaltensweisen immer auch an die Möglichkeit
körperlicher Gewalt durch die Eltern gedacht werden:

Körperliche Untersuchung, Befunderhebung,

Beratung mit dem Jugendamt über das weitere Vorgehen, auch abhängig von
erhobenen weiteren Befunden.

• Können Eltern ihre eigene Überforderung benennen und ist ihr seelisch misshandelndes
Verhalten die Wiederholung ihrer eigenen Erfahrung, sind über den Weg besonderer
Hilfemaßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe Schutzmöglichkeiten für das Kind
gegeben:

Beratung mit dem Jugendamt über das weitere Vorgehen.

Einbindung des Jugendamtes auch durch eigene Initiative der Eltern, dann
aber Überprüfung, ob Hilfen angenommen wurden.

3.4.6.2. Seelische Misshandlung durch die Eltern bzw. Personensorgeberechtigte

Bei Anhaltspunkten für seelische Misshandlung gilt es zu überprüfen:

• Sind die Eltern in der Lage, ihr Verhalten in Frage zu stellen und sich auf
alternative Verhaltensweisen einzulassen? Sehen sie ihr Verhalten als
Überforderungsreaktion, oder rechtfertigen sie ihr Verhalten? Sind sie bereit, erzieherische Hilfen
anzunehmen?
Falls ja:
Einbindung des Jugendamtes auf freiwilliger Basis mit dem Ziel
-- erzieherische Hilfen für die Eltern,
-- Diagnostik und Hilfen für das betroffene Kind bzw. den Jugendlichen über Mitarbeit der Eltern.

• Seelisch misshandelnde Eltern, die nicht bereit oder in der Lage sind, ihr Verhalten
zu ändern, gefährden das Kindeswohl:
Einbindung des Jugendamtes mit gemeinsamer Beratung zum weiteren Vorgehen,

Überprüfung, ob eine vielleicht auch nur vorübergehende Herausnahme des Kindes
aus der Familie notwendig ist (Inobhutnahme durch das Jugendamt)


Viele Grüße

Reinhilde

5

Montag, 13. August 2012, 13:58

Danke für die Info

Hallo Reinhilde...

danke für den Beitrag....das es sich bei meiner Tochter um das PAS-Syndrom handelt, ist mir nicht neu. Nur leider kann ich nichts dagegen tun. Weil sie inzwischen schon in der schwerstwiegenden Phase angelangt ist. So dass sie glaubt, dass was sie tut, auch ihre Meinung und ihr Empfinden ist.
Bei Gericht wurde daraufhin gewiesen, dass der Vater sich darum kümmern sollte, das der Kontakt zur Mutter wieder hergestellt werden sollte. Aber was kann ich denn machen, wenn meine Tochter inzwischen soweit manipuliert ist, dass sie keine eigene Wahrnehmung mehr hat.Und der Vater vor mir steht mit grinsendem Gesicht und sagt: Er möchte, dass ja auch, aber unsere Tochter wollte ja nicht.
Wie soll sie auch können, wenn sie nur noch in ihrer eigenen kleinen geschützten Welt lebt, um überleben zu können. Deshalb habe ich sie losgelassen, denn meine
Liebe zu ihr besteht auch weiterhin ohne Bedingungen. Sie ist jetzt erst 12 Jahre, aber es wird der Tag kommen, an dem sie anfängt Fragen zu stellen und dann werde ich da sein und kann sie ihr beantworten. Das größere Problem wird ihr Vater haben, der sie die ganze Zeit belogen hat und mich aus ihrem Leben gestrichen hat, ohne dazu ein recht zu haben. Er hat sie mir genommen, er hat meiner Tochter die Mutter vorenthalten. Wenn unsere Tochter irgendwann einmal soweit sein sollte, um dies zu erkennen, dann wird sie ihrem Vater den Rücken zukehren und ihm auch nicht verzeihen können, was er uns angetan hat.
Aber bis dahin , hat sie noch einen langen Weg vor sich.Ihr wurde vorgelogen, dass ich kein Interesse an ihr hätte, dass ich sie gar nicht in meiner Welt haben wollte.Das kein Platz für sie in meinem Leben wäre, komisch ist nur, dass man mich nie dazu befragt hat, noch das es stimmt. Ich liebe meine Tochter über alles und hätte sie gerne bei mir, ich würde fast alles dafür geben, aber niemals würde ich diese kleine kaputte und verletzte Kinderseele, zerstören wollen und noch mehr verletzen. Deshalb habe ich sie losgelassen.
vielen Dank fürs zu Hören

lg
mariposa

6

Samstag, 25. August 2012, 18:53

Brasilianisches Gesetz

Hallo Mariprosa,

habe mir schon gedacht, dass PAS bekannt u. vertraut ist. Wollte nur auf den Leitfaden als Argumentationshilfe hinweisen und das Brasilianische Gesetz noch im Anhang anfügen, das auch auf www.vaeterfuerkinder.de unter Neues vom 27.07.2011 abrufbar ist. Da sieht man im Kontrast, was in D noch alles schief läuft.
Ihre Tochter ist 12, das ist ein Alter, da wird es immer schwerer noch gegen zu steuern. Chancenlos sind Sie ohne Hilfe von außen, das wissen Sie ja selbst zur genüge, die in Deutschland meistens ausbleibt. Wenn kein kompetenter Anwalt und Richter da ist, dann sind alle gerichtlichen Versuche eh zwecklos. Kenne andere Fälle betroffener Mütter, viele warten noch immer, aber bei einer war der 30-jährige Sohn nach über 10 Jahren Kontaktabbruch kürzlich zu einem Gespräch bereit. Seine Zerrissenheit zwischen den beiden Wahrheiten war zu spüren und auch das war schmerzhaft für die Mutter, ihren Sohn so leiden zu sehen, gleichzeitig sein tief verwurzeltes Misstrauen ihr gegenüber, genährt aus den Jahre langen Lügengeschichten über sie. Es ist ein unvorstellbarer Kampf für die Kinder, sich eine eigene Position zu erarbeiten, falsche Verhaltensweisen als solche zu erkennen und trotzdem beide Eltern zu lieben ohne auf irgendeiner Seite zu stehen, auch noch mit 20, 30, 40, 50 Jahren.
Das gehört sicherlich mit zu den schwersten Aufgaben, die einem das Leben stellen kann.
Aber es gibt Menschen, die daran gewachsen sind, denn viele Faktoren wirken und so ist trotz vieler Parallelen,
jeder Fall wieder anders.
Ich finde Ihre Haltung toll, Sie machen das Beste aus dieser furchtbaren Situation und bemühen sich stark für Ihre Tochter zu bleiben, für den Tag ... an dem Sie vor Ihnen steht.

Fest daran glauben und das Kind trotzdem loslassen, dieses Paradoxon ist eine Zerreisprobe für Eltern.

Möchte Sie einfach nur wissen lassen, wie gut ich Sie verstehen kann.

Viele Grüße

Reinhilde
»Reinhilde« hat folgende Datei angehängt:

7

Donnerstag, 30. August 2012, 15:57

Vielen Dank...

liebe Reinhilde

vielen Dank für Ihre Antwort.

Zu Ihrem Bericht muss ich sagen, dass die Brasilianer sehr viel weiter sind, als wir hier in Deutschland. Denn unsere Ämter und Richter machen eher die Augen zu, als dass sie wirklich eingreifen. Fast hat man das Gefühl, dass es mit zuviel Arbeit verbunden ist.
Meistens stehen wir dann als die Betroffenen alleine da und das Gesetz/Richter kann noch soviel anordnen wie es will, er will, aber die Umsetzung, die fehlt leider.

Ich frage mich dann, warum es nicht zu der Umsetzung kommt, es soll doch zum Wohle des Kindes sein, aber das liegt dann wieder im Auge des Betrachters.
Und wenn das Kind nicht mehr seinen eigenen Willen hat und beeinflußt ist, ist doch klar, wie die ganze Sache ausgeht...Meine Frage ist, warum hinterfragt keiner diese Situation?????????????? :cursing:
Sie schaffen Gesetze und fällen Urteile, aber schaffen es nicht sie durch zu setzen und zu kontrollieren und so müssen weiterhin viele kleine Kinderseelen darunter leiden.
Ich wünsche mir sehr, dass sich das irgendwann hier in Deutschland auch ändern wird und das PAS-Syndrom als seelischer Missbrauch an Kindern anerkannt wird.
Deshalb kann ich nur jeden Betroffenen empfehlen, immer weiter den Kontakt zu seinem Kind zu erhalten, auch wenn es Briefe und Karten sind, die nicht beantwortet werden. Aber dadurch zeigt ihr eurem Kind immer wieder das ihr da seid und eine bedingungslose Liebe seinem Kind zu geben, ist das Schönste was man tun kann. :love:

lg
mariposa

8

Freitag, 31. August 2012, 18:52

Hallo Mariposa,
so verständlich Dein letzter Beitrag auch ist, rein sachlich liegst Du in einigen Punkten ziemlich daneben. Daß es Dir so vorkommt, wie Du es beschreibst, ist natürlich völlig normal, trifft aber nicht die rechtliche Realität.

Das zum Beispiel:

Zitat

"Denn unsere Ämter und Richter machen eher die Augen zu, als dass sie wirklich eingreifen."

Ist vermutlich mindestens genau so oft exakt andersherum.
Sie greifen ein und entziehen Kindern die Familie, das soziale Umfeld und das Zuhause, aufgrund von Vorgängen, die sie, grob gesagt, überhaupt nichts angehen, ja die sogar oftmals gar nicht existent sind.

Zitat

"Meistens stehen wir dann als die Betroffenen alleine da und das Gesetz/Richter kann noch soviel anordnen wie es will, er will, aber die Umsetzung, die fehlt leider."

Auch das ist so nicht ganz richtig. Natürlich haben Familienangehörige, und falls die dazu nicht in der Lage sind, die Gerichte, die Möglichkeit, Anordungen im Familienrecht auch zu vollstrecken. Indes sie tun tun es oft nicht.

Zitat

"Ich frage mich dann, warum es nicht zu der Umsetzung kommt, es soll doch zum Wohle des Kindes sein, aber das liegt dann wieder im Auge des Betrachters."

Richtig! Hier gilt es zu hinterfragen, warum überhaupt ein "Kindeswohl" dazu herbeibemüht wird, anstatt die besten Interessen des Kindes, die ja immerhin grob andefiniert sind, als Kriterium heranzuziehen.
Desweiteren ist es so natürlich sehr stark davon anhängig, um wessen "Kindeswohl" es sich handelt und ob derjenige überhaupt das Recht hat, sich im entsprechenden Fall ein solches auszudenken.
Wer, außer den Eltern, oder eben im Zweifel das Gericht, darf überhaupt Betrachter sein und aufgrund welcher Strukturen und Konstellationen, besonders in Hinblick auf einen speziellen Einzelfall?
Auch ist zu hinterfragen, warum eine Art rechtlicher Hierarchie immer noch als gegeben betrachtet und tatsächlich auch angewendet wird, warum also zwar vor dem Gesetz ( bis auch ein paar obsolete Kleinigkeiten ), nicht aber vor dem Richter, alle Menschen gleichgestellt sind.

Zitat


"Und wenn das Kind nicht mehr seinen eigenen Willen hat und beeinflußt ist, ist doch klar, wie die ganze Sache ausgeht...Meine Frage ist, warum hinterfragt keiner diese Situation?????????????? :cursing: "

Tiiiieeef durchatmen, Mariposa, wir werden mehr...................

Zitat

"Sie schaffen Gesetze und fällen Urteile, aber schaffen es nicht sie durch zu setzen und zu kontrollieren und so müssen weiterhin viele kleine Kinderseelen darunter leiden."

Daß viel zu oft neue, bestenfalls sinnlose, oft kontraproduktive Gesetze kreiert werden ist sicherlich richtig und ein sehr berechtigter Kritikpunkt. Für ein sinnvolles, das Recht auszuführen erleichterndes Gesetz sollten m.E. die dieses Gesetz behindernden, oder gar negierenden Vorschriften auch abgeschafft werden. Akut scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein.

Urteile gibt es im Sorge- u. Umgangsrecht nicht und auch da ist der Grund zu hinterfragen. Es zählt hier ja grundsätzlich nur die persönliche Meinung des Richters, obwohl der als Gericht eine solche eigentlich gar nicht haben darf. Jedenfalls wird nicht im Namen des Volkes Recht gesprochen, oder gar judikativ gerichtet.
Durchsetzen können die Gerichte ihre Beschlüse, spätestens seit Sept 2009 allerdings sehr wohl, sie wollen das aber oft nicht ( s.o. ).
Und kontrollieren dürfen sie sie nicht, daß ist Sache der Eltern ( oder sonstigen PSR-Personen ), ggf. ( bei Verfehlungen des Gerichts ) der höheren Instanzen, die diese Pflicht i.d.R. einfach verweigern. Das liegt in der Natur eines reinen Antragsrechts, das insofern ja durchaus sinnvoll wäre, wenn es ordentlich angewendet würde.

Ansonsten schließe ich mich allerdings Deiner Meinung insofern an, daß man in Brasilien, zumindest in der gesetzlichen Befassung mit Eltern-Kind-Entfremdung, schon ein gutes Stück weiter ist als der Staat hier.
Inwieweit dort eine Umsetzung der entsprechenden Gesetze stattfindet, weiß ich aber nicht.

Gruß............Fiete
Respekt immer!
Angst nie!

9

Samstag, 1. September 2012, 14:18

Danke für die Info

Hallo Fiete...

danke für deinen Beitrag...:)

Ich bin in der Rechtsprechung nicht so bewandert wie du....habe gesehen das du sehr engagiert bist :thumbsup:
In meinem Beitrag wollte ich einfach mal meinen Gefühlen und Empfindungen aus dem Bauch heraus Platz machen.

lg
mariposa

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Sonntag, 30. September 2012, 00:58

Das Urteil des Salomon

Liebe Mariposa,

präsent bleiben fürs Kind, - das ist ein guter Rat an alle die, die wissen, wo ihre Kinder sind und kein absolutes Kontaktverbot auferlegt bekamen, sondern wenigstens das Recht auf postalische Grüße behalten haben.

Vor Jahren, als ich "Der gebrauchte Mann, Abgeliebt und abgezockt, Väter nach der Trennung" veröffentlichte und kurz darauf "Im Stich gelassen, Wenn Mütter sich von ihren Kindern lossagen", lernte ich eine Psychologin kennen, die heute eine namhafte Fachfrau ist. Sie war gemeinsam mit mir zu einer Veranstaltung eingeladen worden und hielt in diesem Zusammenhang einen Workshop für ausgegrenzte Eltern ab.
Eine ihrer Lehren lautete, der ausgegrenzte Eternteil solle sich von seinem Kind mit einem Brief verabschieden, der für das Kind bis zum 18.Lebensjahr bei einem Notar hinterlegt und an diesem Geburtstag eröffnet werde, ähnlich wie ein Testament. In diesem Brief solle der ausgrenzte Elternteil erklären, warum es zum Kontaktabbruch kam und wo er zu finden sei.
Weiterer Kontakt solle zu dem Kind nicht mehr gesucht oder aufgenommen werden, auch nicht durch Post oder Geschenke.
Nur so werde gewährleistet, dass das Kind zur Ruhe kommen und sich unbelastet vom Elternkampf entwickeln könne.

Die Workshopteilnehmer saßen bei diesem Rat ziemlich stumm. In manchen Augen sah ich es feucht glänzen. Andere ballten die Fäuste. Widerspruch leistete niemand. Manche gingen schweigend nach Hause, obwohl es am Ende der Veranstaltung einen Imbiss und eine allgemeine Austauschrunde gab.

Bis heute denke ich über diesen Rat nach.
Aus dem Bauch heraus gedacht, wie Du es nennst, kann ich einen solchen Rat nicht (er)teilen. Es erscheint mir als Übermenschliches verlangt. Es hat auch keine Parallele zum so oft zitierten biblischen Salom-Urteil oder dem Kaukasischen Kreidekreis von Brecht.
Gerade das biblische Salomon-Urteil erweist der Mutter als wahrer Mutter die Ehre, die ihr Kind nicht zerteilen lassen will, sondern lieber darauf verzichtet und es der falschen Mutter überlässt.
Auch Dich übertragen, könnte man sagen: Du verzichtest. Dir wäre also als wahrer Mutter das Kind zu überantworten.
Salomon hätte dies jedenfalls wohl so angeordnet.

Unsere Rechtsprechung bezieht sich zwar gelegentlich auf das Salomon-Urteil und Frauenrechtlerinnen sogar recht häufig; sie ziehen aber die falsche Konsequenz aus dem "Nicht-Zerteilen-Wollen".

Erstens verkennen sie, dass es im Salomon-Urteil um zwei Frauen ging, nämlich die leibliche Mutter und die Tagesmutter/Pflegemutter.
Es ging nicht um Mutter und Vater.
Während die leibliche Mutter in der Bibelstelle ihr Kind aus Liebe bei sich haben wollte, trachtete die Tagesmutter/Pflegemutter nach dem Besitz des Kindes, um Profit daraus zu schlagen, selbst durch die körperliche Zerteilung des Kindes.
Mit seinem Urteil bekräftigte Solomon, dass nicht diejenige Mutter ist, die das Kind aus Profitgründen versorgt.
Mehr noch, er bekräftigte das Recht des Kindes auf Mutterliebe und das Recht der Mutter, ihr Kind zu lieben und selbst zu umsorgen und groß zu ziehen.
Zweitens verkennen sie, dass dieses Frau-zu-Frau-Beispiel nicht auf Mutter und Vater umzulegen ist.
Ein Vater liebt sein Kind nicht minder als die Mutter. Anders vielleicht, aber nicht schlechter.
Ein Vater will sein Kind aufwachsen sehen, es lieb haben und persönlich umsorgen, aber nicht, um Profit daraus zu schlagen. Er ist kein bezahlter Temporär-Elternteil-Ersatz, sondern ein vollwertiger Elternteil, ebenso wertvoll für ein Kind und unverzichtbar wie eine Mutter. Er ist der zweite Elternteil seines Kindes, auf den dieses Kind einen natürlichen, unveräußerbaren Anspruch hat.
Eine Mutter und ein Vater, die um ein gemeinsames Kind streiten, streiten nicht um den Leib des Kindes. Sie streiten um Teilhabe an der Ganzheit des Kindes. Und zwar streiten sie aus Liebe zum Kind und zugleich für das Kind.
Wenn Richter dies als Zerreißprozess interpretieren, ist es sicher nicht falsch.
Selbstverständlich sollte und darf kein Kind einem solchen Zerreißprozess ausgesetzt werden.
Das Problem des Kindes ist aber nicht durch Ausgrenzung eines Elternteils zu lösen.
Zu lösen ist das Problem des Kindes nur dadurch, dass der Richter das Kind beiden Elternteilen gleichermaßen anvertraut und sowohl Mutter wie Vater in die Pflicht nimmt, das Recht des Kindes auf beide Eltern zu gewähren und zu garantieren.

Würde das Urteil des weisen Königs Salomon heute auf Mutter und Vater Anwendung finden, wie es einst von ihm gesprochen wurde, müssten beide Elternteile ihre wahre Elternliebe dadurch beweisen, dass sie das Kind nicht in der Seele zerreißen, sondern es in seiner Ganzheit miteinander in Liebe und Fürsorge großziehen würden.
Dazu müssten sie beide jede menschenmögliche Unterstützung bekommen, sofern sie nicht aus eigener Kraft dazu imstande wären.
So und nur so stünde das Kind im Zentrum der Rechtsprechung und würde die Rechtsprechung nicht dazu missbraucht, einen Elternteil glücklich zu machen. Und zwar auf Kosten des Kindes und des anderen Elternteils.

Leider passiert es selten so.
Du, liebe Mariposa, bist eines der vielen Beispiele für das Versagen der Rechtsprechung - und zwar am Kind und an den Eltern.

Ich wünsche Dir sehr, dass Deine Tochter mit zunehmender Reife eigene Überlegungen anstellt, ihre Erinnerungen an Dich und Deine Liebe zulassen kann und ihren Weg zu Dir findet.

Karin


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Montag, 15. Oktober 2012, 14:26

Vielen Dank für Ihre Antwort

Hallo zusammen...

den Rat mit Briefen und Postkarten kann ich auch nur weitergeben, wenn man es darf...die Meinung der Psychologin kann ich überhaupt nicht teilen. Das ist eine harte Entscheidung, was sie da von den ausgegrenzten Elternteilen verlangt :cursing:
Ich weiß, zwar immer noch nicht, ob meine postalischen Versuche bei meiner Tochter ankommen, aber trotzdem bleibe ich auch dran. Allerdings hat sich jetzt meine Schreibweise an meine Tochter geändert.Ich teile ihr schon mit, was ich über sie weiß, oder wenn ich sie im Internet finde.Manchmal werden dann ein paar Sachen geändert oder verschwinden wieder.
Aber seid ich ihr einen Brief doppelt geschrieben hab, sie war zu der Zeit bei ihrer Familie in Spanien hat sich etwas geändert. Den gleichen Brief hatte ich ihr nach hause geschickt und in dem Brief, den ich ihr nach Spanien geschickt hatte, mitgeteilt, dass ein weiterer Brief von mir nach Hause gegangen ist. Da ich nicht wusste, wo sie ihre Ferien verbringen würde. Seitdem verschwindet nichts mehr im Internet, sondern sie präsentiert sich mit Foto, aktuellen Fotos, allerdings ist ihr Profil nicht für jeden einsehbar, was ich auch sehr richtig und wichtig finde. Den dadurch ist hoffentlich Schutz für sie gewährt.
Ich war sehr erschrocken, als ich durch meine Halbschwester erfahren habe, dass meine Tochter jetzt im Internet beim größten Internetforum angemeldet ist.Am Anfang hab ich mich riesig darüber gefreut, dass ich sehen konnte wie sie aussieht und was sie für Hobbies hat, doch war ich überrascht und entsetzt zugleich darüber, dass ihre sämtlichen Fotos und private Aussagen und texte für jedermann einsehbar waren.
Ich hatte erwartet, wenn es ihr Vater schon zulässt, dass er auch darauf achten würde, denn ich finde es für eine 12 jährige wahnsinnig gefährlich, sich so zu offenbaren. Um das Internet herum, werden wir kaum kommen, aber in dem Alter doch bitte mit Absprachen und Kontrollen, damit kein Missbrauch geschieht.
In diesem Brief, den ich vorhin erwähnte, hab ich sie auf viele Sachen angesprochen oder nach gefragt, was ich aus ihrem Profil entnehmen konnte.Ich wusste von einer Freundin von mir, dass meine Tochter genau in der Zeit in Spanien war, wo ich den Brief zu ihr nach Hause geschickt hatte. Den Brief nach Spanien habe ich später losgeschickt. Nach ein paar Tagen, obwohl meine Tochter nicht zuhause bei ihrem Vater war, sondern in Spanien, war ihr Profil gesperrt wurden.
Da frag ich mich doch ganz ehrlich, wer liest den hier die Post meiner Tochter :cursing: wenn sie gar nicht zuhause ist.
Jetzt nach den Sommerferien und dem Schulbeginn, ist ein aktuelles hübsches Foto von ihr zu sehen, wenn man ihren Namen anklickt. Vor zwei Wochen habe ich ihr einen neuen Brief geschickt, und ihr auch mitgeteilt, dass ich sie im Internet gefunden habe. Das sie sehr hübsch aussieht und ich stolz auf sie bin, stolz darauf eine so schöne
hübsche Tochter zu haben. Sie kann jederzeit zu mir kommen, und wie gerne ich ihr jetzt mit Rat und Tat zur Seite stehen würde, wenn ich es dürfte.
Klar ist ein kleiner Hoffnungsschimmer da, das sie jetzt endlich meine Briefe bekommt und sie auch lesen darf, denn bisher ist das Foto von ihr nicht verschwunden, seit ich diesen Brief geschrieben habe.
Trotzdem heißt es, warten können, solange bis sie den Weg zu mir findet.

lg
mariposa