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Lotosritter

Fortgeschrittener

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Wohnort: Oberbayern

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1

Dienstag, 29. Mai 2012, 21:03

Für mich war das Heim die glücklichste Zeit meiner Kindheit

Zwischen 1955 bis 1961 war ich in einem Waisenhaus für Knaben der Inneren Mission. 1961 kam ich wieder zu den Eltern.
Rückblickend musste ich stets sagen, dass die sechs Jahre im Kinderheim für mich die glücklichsten Jahre meiner Kindheit waren. Die Zeit bei den Eltern war die Hölle. Der Vater war ein Sadist, der mich quälte und meine Schwester und später ihre Tochter missbrauchte. Die Mutter war eine boshafte Person, sie missbrauchte mich emotional und sexuell.
Im Heim waren die Kinder in vier Gruppen je nach Alter zu jeweils cirka 30 Kindern aufgeteilt. Wir hatten viel Zeit zum Spielen und halfen auch ordentlich im Haus und im Garten. Es gab keine Ungerechtigkeiten oder Willkür. Vielmehr waren wir eine große Gemeinschaft von Kindern Erziehern (Brüder) und Erzieherinnen (Tanten) in der wir Gemeinsinn lernten und pflegten und auch oft Trost fanden, wenn wir von den Besuchen zu Hause verstört ins Heim zurückkamen.
Meine beiden Brüder waren auch im Heim, sie sind auch heute noch der gleichen Ansicht wie ich.
Lotosritter

2

Montag, 10. September 2012, 00:11

Glücklichste Kinderzeit im Heim

Es ist schön, weil tröstlich und erfreulich, dass Du diese gute Erfahrung im Heim gemacht hast, Lotosritter, und dass auch Deine Brüder bis heute dieser Ansicht sind.
Wenigstens diese sechs Jahre Kindheit sind Dir in dieser Gemeinschaft vergönnt gewesen, in der Du Dich sicher fühlen konntest.
Dass Erfahrungen wie Deine jeden Tag außerhalb der eigenen Familie zum Glück werden lassen, ist absolut verständlich.
Wie grauenhaft grausam auch Eltern sein können! Wie entsetzlich wird Kindern viel zu oft mitgespielt!

Natürlich interessiert mich, wieso Du zu Deinen Eltern zurückkamst und warum dann niemand auf Deine schrecklichen Erlebnisse aufmerksam wurde.
Dennoch verkneife ich mir Fragen danach. Es ist allein Deine Entscheidung, was Du von Dir preisgibst. Ich will Dich durch keine Frage zu etwas bringen.

Ganz sicher wird es nicht wenige ehemalige oder jetzige Heim- und Pflegekinder geben, die ebenfalls sehr froh und glücklich sind, endlich ihrem furchtbaren Elternhaus entkommen zu sein und Zuflucht in einem Heim gefunden zu haben, dessen Mitarbeiter Herzensgüte und eine solide Ausbildung haben und die ihnen anvertrauten Kinder bestmöglich umsorgen und versorgen.

Ein Rundumschlag gegen alle Heime, Pflegefamilien, Jugendämter, Familienrichter etc. liegt mir fern!
Ganz im Gegenteil anerkenne ich die gute Leistung nur zu gern, wenn ich Berichte wie Deinen lese.
Auch persönlich kenne ich in den betreffenden Berufen hoch motiovierte und mit Herz und Verstand engagierte Kinderschützer und Helfer.
Deshalb begrüße ich sehr, dass Du an dieser Stelle von Deinen guten Erfahrungen schreibst.
Es wäre schön, wenn viele weitere gute Erfahrungsberichte folgten!

Lotosritter

Fortgeschrittener

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3

Mittwoch, 3. Oktober 2012, 02:00

Liebe Frau Jaeckel,
nachträglich betrachtet verschiebt sich das Bild im Heim unter dem Gesichtspunkt des sexuellen Missbrauchs durch die Mutter. Die Tanten dort waren grenzwertig übergriffig. Da ich ein sehr hübscher Bub war, betrachteten sie mich als ihr Knuddelpüppchen. Das war für mich als Kind durchaus angenehm, hatte ich doch dadurch Vorteile gegenüber anderen Kindern. Andererseits musste ich gefügig sein, denn widerspenstige Knuddelpüppchen werden ausgetauscht. So wurde ich von einem Schoß zum anderen gereicht und wurde geherzt und ließ es über mich ergehen. Dies konditionierte mich in gewisser Weise für die Übergriffe der Mutter, die nun gar nicht herzlich waren. Jedenfalls kann ich den Missbrauch durch die Mutter und eine weitere ältere Frau nicht ohne die Übergriffigkeit der Tanten im Heim denken.
Gleichwohl relativiert dies nicht meine Einschätzung, dass ich einzig im Heim eine glückliche Kindheit erlebte; entstand doch der Konnex erst a posteriori und hier sehr deutlich im Zusammenhang mit meinem PTBS.
Lieben Gruß
Lotosritter

4

Donnerstag, 4. Oktober 2012, 10:30

Hallo Lotosritter,

bewahr dir deine postiven Erinnerungen. Sie können negative relativieren.
Wer Kinder missbrauchen möchte, der findet auch einen Wunden Punkt beim Kind. Wenn du im Heim nicht diese "Bevorzugung" erfahren hättest, wer weiß, vielleicht wäre es dann deine Sehnsucht nach Nähe und Liebe gewesen, die dich sensibilisert, "konditioniert" und "anfällig" für die sexuellen Übergriffe durch deine Mutter gemacht hätte, oder irgendetwas anderes. Das Problem liegt nicht bei dir. Ein Kind kann und darf so bedürftig sein, wie es will, so vorgeschädigt sein, wie es es ist, .... Es liegt in der Verantwortung des Erwachsenen, kindliche Bedürfnis und Vorschäden nicht zu missbrauchen.

Viel Kraft wünsche ich dir, deine Erfahrung zu verarbeiten.

viele Grüße
Jenny
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