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Dienstag, 11. September 2012, 22:36

Wie war es für meine Geschwister?

Meine zwei älteren Geschwister sind im Heim aufgewachsen. Ich weiß nicht, wie es für sie war, sie mögen darüber nicht reden.

Ich erfuhr erst im Alter von 12 Jahren von der Existenz meiner älteren Geschwister, als diese eines Tages plötzlich vor unserer Türe standen, weil sie ihre (meine) Mutter mal kennen lernen wollten.

Eine meiner beiden Geschwister hat sich an meiner bzw. unser Mutter dafür gerächt, dass sie sie ins Heim abgeschoben hat. Sie kam eines Tages an und erzählte unserer Mutter, dass ihr Ehemann sie gestern vergewaltigt hätte, als er sie nach Hause gebracht hat. Später gestand sie, dass sie die Vergewaltigungsgeschichte erfunden hat, um sich an unserer Mutter daür zu rächen, dass sie sie ins Heim abgeschoben hat. Sie hatte mit ihrer Falschanschuldigung fast die Ehe unserer Mutter zerstört und meiner jüngeren Schwester fast ihren Vater genommen.

Es ist bis heute ein komisches Gefühl für mich, dass ich bei unserer Mutter aufwachsen "durfte" (besser gesagt "musste") und meine Geschwister nicht.
Ich weiß nicht, was sie im Heim erlebt haben, aber ich denke, es kann nicht schlimmer gewesen sein, als ein Leben bei einer Mutter, die ihre Kinder mit körperlicher Gewalt und emotionalen Missbrauch foltert.

Warum meine Geschwistern ins Heim abgeschoben wurde, weiß ich bis heute nicht. Ich weiß nur, dass unsere Mutter meine ältste Schwester im Säuglingsalter so gegen die Wand knallte, bis diese mehre Rippenbrüche erlitt. Ich musste bei so einer Mutter aufwachsen, 18 Jahre lang. Ich beneide meine Geschwister, dass sie ins Heim durften. Sie hingegen beneiden mich, dass ich bei einer "Mutter" auswachsen "durfte".

Wir Kinder sind alle durch die Hölle gegangen. Die einen bei der Mutter, die anderen im Heim.
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Lotosritter

Fortgeschrittener

Beiträge: 264

Wohnort: Oberbayern

Beruf: Künstler

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2

Mittwoch, 3. Oktober 2012, 01:47

Liebe Jenny,
hört sich an, als wollte man sich nachträglich noch zwischen Pest und Cholera entscheiden. Ich beneidete meine beiden Brüder, die noch länger im Heim bleiben mussten. Und sie waren schockiert als sie aus dem Heim nach Hause kamen.
Der Grund, warum meine Geschwister und ich ins Heim kamen, war die Pleite des Vaters 1955. Er ging pleite, weil er ein arbeitsscheuer Trinker war. Dadurch, dass wir Geschwister alle über wenigstens 6 Jahre in keiner Heimgruppe zusammen waren, hat sich keine wirkliche Bindung zwischen uns ergeben, wir blieben uns immer etwas fremd.
Aus dem Heim kamen meine Schwester und ich, weil der Vater dann hierfür Kindergeld erhielt (Die Zahlungen gab es damals ab dem 3. Kind). Die Brüder kamen aus dem Heim, weil sie in die Lehre gingen und ihr Lehrgeld bis auf 20 Mark daheim abgeben mussten.
Gruß Lotosritter

3

Mittwoch, 3. Oktober 2012, 07:07

Hallo Lotosritter

Zitat

hört sich an, als wollte man sich nachträglich noch zwischen Pest und Cholera entscheiden.
Genau das ist es, was ich so interessant an unserer Familiengeschichte finde. Als ich noch klein war und bei der Frau leben musste, die laut Geburtsurkunde meine Mutter war, da wäre für mich alles andere schöner gewesen als ein Leben bei der Mutter. Ich stellte mir als Kind vor, dass ich im Heim zu essen bekäme, mit anderen Kindern spielen dürfte, ... In meiner Vorstellung war ein Heim ein Paradies. Meine Geschwister werden umgekehrt das gleiche gedacht haben, bis zu dem Tag, an dem sie ihre Mutter kennen lernten. Beide waren geschockt und meine älteste Schwester kam nie wieder. Meine Geschwister haben die Vergleichsmöglichkeit Mutter-Heim. Mir hingegen fehlt die Heimerfahrung, so dass ich nicht sagen kann, was für mich wirklich besser gewesen wäre.

Viele Grüße
Jenny
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