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Montag, 23. Mai 2011, 13:27

Diskussion über "Mutterprimat und Vätergleichstellung" und das Recht aller Kinder auf beide Eltern, zwischen Ines Fritz und Dr. Karin Jäckel

Diskussion
über
Mutterprimat und Vätergleichstellung und
das Recht aller Kinder auf beide Eltern

zwischen
Ines Fritz
und
Dr. Karin Jäckel

Ines Fritz, LINKE Radikalfeministin
siehe: http://isis-welt.blog.de/
oder: Die Pille, in F. Kleinert (Hg), Leben in der DDR, Berlin 2009
im Diskurs mit
Karin Jäckel


Email von Ines Fritz, "Beschwerde über Fehler im Text", 30. April 2011 13:13

Zitat

Von: Ines Fritz
Gesendet: Samstag, 30. April 2011 13:13
An: Karin Jaeckel
Betreff: Zum Text:
Sehr geehrte Frau Jäckel,
in folgendem Text
http://www.karin-jaeckel.de/medien/pdf/K…nikaEbeling.pdf
stellen Sie unwahre Behauptungen auf.
1) "Im Rathaus reagierte man sofort, indem der Link entfernt wurde."

Diese Aufforderung an Frau Ebeling, nach Kritik in der Bürgefragtestunde, war bereits der
zweite Versuch diese Verlinkung auf den Väternotruf zu entfernen.

2) "Ein Antrag der LINKEN auf Entlassung der Frevlerin folgte."

Der Antrag auf Abberufung der Frau Ebeling als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Goslar
folgte nicht, sondern ist auf den 17.02.2011 datiert. Wurde also bereits vor der Kritik am Link
auf den Väternotruf eingereicht.

3) "Ihre Entlassung entzündet die rote Laterne der ewig Gestrigen."

Es liegt lediglich ein Antrag auf Abberufung als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Goslar
vor.

Mit freundlichen Grüßen

Ines Fritz

Frage von Dr. Karin Jäckel, "Warum soll Monika Ebeling abgesetzt werden?", 30. April 2011, 14:19

Zitat

Am 30. April 2011 14:19 schrieb Karin Jäckel

Sehr geehrte Frau Fritz,

haben Sie besten Dank für Ihre eMail und die dafür aufgewandte Zeit sowie die
darin enthaltenen Korrekturen. Diese nehme ich sehr ernst, werde den Text
entsprechend prüfen und frage Sie daher mit publizistischer Absicht:

Wenn nicht wegen des Links und der damit verbundenen Gleichstellungsarbeit
auch für Väter, - warum sonst soll Frau Ebeling seit Februar des Jahres
abberufen werden?

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Karin Jäckel

Email von Ines Fritz, "Frau Ebelings Denken verfängt leider darin, sich im Namen der Männer und benachteiligten ledigen und "entsorgten" Väter gegen den Feminismus zu stellen.", 30. April 2011, 16:11

Zitat

Von: Ines Fritz
Gesendet: Samstag, 30. April 2011 16:11
An: Karin Jäckel
Betreff: Re: Zum Text:

Sehr geehrte Frau Dr. Jäckel,

nach meinem Dafürhalten ist der Antrag auf Abberufung der Frau Ebeling als
Gleichstellungsbeauftragte berechtigt, denn die Politik der Frau Ebeling nennt sich zwar
Gleichstellungspolitik, ist aber weder dazu geeignet noch dazu gedacht, Gleichstellung zu
ermöglichen.

Frau Ebelings Denken verfängt leider darin, sich im Namen der Männer und benachteiligten
ledigen und "entsorgten" Väter gegen den Feminismus zu stellen. Der Feminismus sei nach
Frau Ebeling für allerlei Ungerechtigkeit verantwortlich und darum zu bekämpfen.

Um nur ein Beispiel aufzuzeigen, thematisiert Frau Ebeling regelmäßig die erforderliche
Zustimmung der ledigen Mutter zum Sorgerecht des ledigen Vaters. Dies ist ungerecht und
nicht hinzunehmen. Darin sind Frau Ebeling und ich uns sogar einig. Auch der Gesetzgeber
sieht das ebenso.
Vorübergehend wurde darum die Möglichkeit geschaffen, sich als lediger Vater in das
Gemeinsame Sorgerecht einzuklagen. Frau Ebeling favorisiert - zumindest nach meinem
Kenntnisstand - das gemeinsame Sorgerecht auch für ledige Eltern nach der Geburt. Unklar
bleibt, wie die Vaterschaft des ledigen Vaters festgestellt werden soll.
Mütter sind da biologisch klar im Vorteil. Ich vermute, die Sicherheit der Vaterschaft soll
über einen automatischen vaterschaftstest für jedes geborene Kind stattfinden. Jedenfalls
schlägt das Frau Ebelings Vereinskollge Bernd Lassahn auf Agensev.de als Forderung vor.
Diese Lösung ist ein Eingriff in das Grundrecht der Kinder auf informationelle
Selbstbestimmung und ist darum abzulehnen.

Das Ungleichgewicht zwischen der Rechtsposition eines verheirateten Vaters zum ledigen
Vater sehe ich auch, löse es aber anders und zwar mit selbstbestimmter Elternschaft. Diese ist
auch dazu geeignet, das Mutterprimat zu brechen, ein Relikt der längst überholten
Aufgabenteilung in der Familie.
Konkret würde das heißen, dass alle Eltern unabhängig vom Geschlecht wie auch der
Beziehung zueinander, bei Geburt eines Kindes die Mutter-/Vaterschaft anerkennen und an
diese Anerkennung der Elternschaft das Sorgerecht geknüpft wird. Die Zustimmung der
Mutter braucht der Vater dafür selbstredend nicht.
Diese Regelung ist seit 1998 in Frankreich geltende Praxis, ist zudem mit der
Kinderrechtskonvention vereinbar, stärkt die Väterrechte, respektiert das
Selbstbestimmungsrecht der Frau, sichert Eltern - bei Bedarf - ein Recht auf Anonymität zu
und garantiert Kindern das, was als bedeutsam für das Kindswohl angesehen wird:
Selbstbestimmte, verantwortungsbewußte Eltern.

Leider aber übersieht Frau Ebeling, dass eben nicht der Feminismus verantwortlich für die
biologistisch argumentierte primäre Verantwortungsweiterleitung an die Mutter ist
(Mutterprimat), sondern ein sozialstaatliches Entlastungsprogramm, und alle sich daraus
ergebenden Konsequenzen: Die Schlechterstellung der ledigen Väter gegenüber verheirateten
Vätern.
Die Verhältnisse im Kindschaftsrecht auf einen Mann vs. Frau-Konflikt herunterzubrechen,
blendet die Tatsache aus, dass verheiratete Väter nicht auf die Zustimmung der Mutter
angewiesen sind und dass selbst ledige Mütter keine Möglichkeit haben, die Mutterschaft
abzulehnen, wenn das Kind geboren ist.

Die Rechtsposition des ledigen Vaters ist eine andere, denn ein Kind lediger Eltern hat immer
eine Mutter, zumindest auf der Geburtsurkunde, allein aus der Tatsache resultierend, dass es
geboren wurde, einen Vater hat es aber nur, wenn die Mutter dies will. In diesem Punkt
herrscht Ungerechtigkeit und zwar zum Nachteil der Frauen, die weder von Frau Ebeling
noch von anderen aus ihrem Fankreis thematisiert wird.
Ein geborenes Kind einer ledigen Mutter hat immer eine Mutter und diese Mutter ist
konventionell und gesetzlich dazu angehalten, den Vater in die Vaterschaft zu verpflichten.
Das darf sie auch gegen seinen Willen.
Daraus den Frauen, gar noch dem Feminismus, einen Vorwurf zu machen, ist sachlich falsch
und ungerecht. Feminismus setzte weder das Mutterprimat in Kraft noch ist etwas Tragisches
darin zu entdecken, einen Vater in die Verantwortung zu seinem Kind zu verpflichten,
insofern es denn sein muß und er die Verantwortung nicht selbst tragen will.

Sie sagen selbst, dass ein Kind ein Recht auf Mutter und Vater hat. Damit formulieren Sie
einen Anspruch, der keine gesetzliche Entsprechung findet, denn lt. Personenstandsgesetz
braucht ein Kind nur eine Mutter und nicht zwingend einen Vater.
Zudem wurde neulich höchstrichterlich entschieden, dass ein Kind seinen Vater (in diesem
Einzelfall) nicht auf Umgang verpflichten kann, weil "Elternliebe" nicht erzwungen werden
kann. Jedenfalls nicht vom Vater.
Dass aber "Mutterliebe" ab dem Tage der Geburt bisher auch für Frau Ebeling kein Problem
darstellt, verursacht unter anderem das Problem, dass Mütter unwillige Väter mit Hilfe des
Rechtsweges zwangsverpflichten MÜSSEN. Dafür verantwortlich ist aber nicht der
Feminismus, sondern das rückständige Kindschaftsrecht der BRD.

Frau Ebelings Vorschläge zur Abänderung durchaus vorhandener Probleme über die
bedinungslose Parteinahme für "entsorgte" Väter ist aber nicht dazu geeignet, Gleichstellung
zu erreichen, sondern fordert weitere paternalistische Zwänge, die heute für Mütter gelten,
auch für Väter. Zudem vernachlässigt diese Perspektive die Rechte der vom Vater
"entsorgten" Kinder, die eben keine juristische Möglichkeit haben, ihren vater zum Umgang
zu zwingen. Wobei die Mutter - und nur die Mutter - sich strafbar macht, kommt sie ihrer
Verpflichtung der Personensorge nicht nach.
Das Recht einer Mutter auf Anonymität und auf selbstbestimmte Mutterschaft ist ebenfalls für
Frau Ebeling kein Thema.

Für Gleichstellung und Väterrechte zu streiten, würde darum heute erfordern, das
"Mutterprimat" kritisch zu hinterfragen. Weil nur bei Abschaffung des "Mutterpirmats"
Gleichstellung der Eltern überhaupt machbar wird. Das versäumt Frau Ebeling und es liegt
auch nicht im Zuständigkeitsbereich einer Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Goslar. Hier
geht es dann um Bundespolitik.

Quellen
http://das-blaettchen.de/2010/08/vaterre…licht-2076.html
http://www.futuristen.de/inhalt.htm


Antwort von Dr. Karin Jäckel, "Es sollte die edelste und oberste Aufgabe auch aller Feministinnen sein, Kindern zu ihrem Recht auf beide Eltern zu verhelfen und nicht das „Mutterprimat“ und Alleinerziehendsein der Mutter zu fördern, sondern die gelebte, garantierte Gemeinsamkeit von Kindern mit Mutter UND Vater.", 30. April 2011, 17:48

Zitat

Am 30. April 2011 17:48 schrieb Karin Jäckel

Sehr geehrte Frau Fritz,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort, die bei mir – trotz aller bestehenden
Kritik am radikalen Feminismus, den ich in Ihren Ausführungen aber nicht sehe –
ein insofern positives Echo hervorruft, als ich Ihre Zielsetzung der
Gleichstellung beider Elternteile in Rechten und Pflichten zum Wohle des
gemeinsamen Kindes teile.

Die in Frankreich und andernorts bereits praktizierte und im Einvernehmen mit
der Kinderrechtskonvention gegenseitig verpflichtende Anerkennung der
Elternschaft beider Elternteile bei Geburt eines gemeinsamen Kindes sowie das
strafbewehrte Recht aller Kinder auf Umgang mit beiden Eltern, welches die
Pflicht zum Umgang beider Elternteile mit dem Kind umfasst, halte auch ich für
den Weg der Zukunft in Deutschland.

Es kann in der Tat nicht sein und bleiben, dass Kinder – wie bisher – als quasi
aushäusiger Teil der Mutter angesehen, ihr per lege allein zugewiesen werden
und Väter sich mit dem „Recht am Kind“ begnügen müssen, das ihnen von der
Mutter in guten Zeiten zugestanden oder in Schlachten entzogen wird.

Das natürliche, das Geburtsrecht des Kindes, das in der Verbindung einer Frau
und eines Mannes gezeugt und geboren wird, ist ohne Wenn und Aber zu
beachten und zu garantieren. Diesem Recht des schwächsten Gliedes in der
Menschenkette ist ausnahmslos zu genügen, denn nur das verbindliche,
unverbrüchlich fürsorgende Zusammenwirken beider Elternteile wird das
bestmögliche Heranreifen des Kindes sichern, die Kraft beider Elternteile in
wechselseitiger Ergänzung erhalten und zugleich den Bestand der
Menschenkette bewirken.

Ohne das heute vorherrschende „Mutterprimat“ gäbe es weit weniger
vernachlässigte Kinder und überlastete Mütter und ausgegrenzte Väter und
nicht zuletzt eine weit geringere Ersatzleistungspflicht der
Solidargemeinschaft.

Dass der Gesetzgeber das „Mutterprimat“ vom Grundgesetz an bis hin zu
Gerichtsbeschlüssen über die nicht anzuordnende Umgangspflicht eines
umgangsunwilligen Elternteils fördert, ist kinderfeindlich, da es dem Kind das
Recht auf beide Eltern entzieht und es um der MutterVORrechte willen
benachteiligt sowie den Vater im Vergleich zur Mutter in seinem Recht auf und
in seiner Pflicht zur aktiven, umfassenden, auch erzieherischen Teilhabe am
Leben des von ihm gezeugten oder an Kindes Statt angenommenen Nachwuchses
ungleich stellt.

Es ist ein feministischer Trugschluss mit fatalen Folgen für Kinder und deren
ganzheitlich gesundes Aufwachsen, dass die „Befreiung der Frau“ durch
„Überwindung des Männlichen“, auf Karriere getrimmte Erwerbstätigkeit und die
möglichst frühzeitige Überantwortung von Kindern in die professionelle
Fremdbetreuung erfolgen müsse.

Echte Entlastung der Mutter hat durch den Vater zu erfolgen, indem beide
Elternteile sich gemeinsam aktiv, erzieherisch und fürsorgend ihrer Kinder
annehmen, für die ihnen der Arbeitsprozess Zeit lassen muss.

Wohin die massenhafte Fremdbetreuung von Kindern durch fälschlich
„Erzieher/innen“ genannte professionelle Betreuungskräfte in öffentlichen
Einrichtungen sowie die gesetzlich geförderte Ausgrenzung von Vätern aus der
Familie führt, zeigen tagtägliche leidvolle Kinderschicksale.

Es sollte die edelste und oberste Aufgabe auch aller Feministinnen sein, Kindern
zu ihrem Recht auf beide Eltern zu verhelfen und nicht das „Mutterprimat“ und
Alleinerziehendsein der Mutter zu fördern, sondern die gelebte, garantierte
Gemeinsamkeit von Kindern mit Mutter UND Vater.

Erst wenn die Ausgrenzung eines Elternteils oder beider Eltern aus dem Leben
ihrer Kinder politisch und gesellschaftlich geächtet und die Familie in ihren
gewachsenen Formen nachhaltig gefördert wird, werden Kinder nicht mehr bis
zur seelischen Erkrankung unter dem Entzug eines oder beider Elternteile leiden
und dauerhaft Schaden davontragen.

Die Vorstellung eines automatisierten Vaterschaftstests löst bei mir übrigens
geradezu Horror aus.

Ebenso der Begriff „anonymer Mutterschaft“. Diesen kann ich mir nur als
künstliche Gebärmutter deuten, denn so lange ein Kind in einem Frauenleib
heranreift, wird dieses Kind die Frau wahrnehmen und kennen, wie immer es sie
nennen würde.

Unsere Korrespondenz würde ich gern online stellen. Habe ich Ihr
Einverständnis?

Mit besten Grüßen,

Karin Jäckel

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Montag, 23. Mai 2011, 14:41

Email von Ines Fritz, "Das Recht der Mutter auf Anonymität ist Ausdruck der Rechts auf Selbstbestimmung der Frauen.", 30. April 2011, 19:31

Zitat

Von: Ines Fritz
Gesendet: Samstag, 30. April 2011 19:31
An: Karin Jäckel
Betreff: Re: Zum Text:

Sehr geehrte Frau Dr. Jäckel,

das Recht der Mutter auf Anonymität ist Ausdruck der Rechts auf Selbstbestimmung der
Frauen.

In Frankreich hat sich über Jahrhunderte hinweg ein dem deutschen Recht grundsätzlich
anderes sittliches Bewußtsein entwickelt, wonach auch Eltern - ja sogar Mütter, was den
bedeutsamsten Unterschied zum deutschen Recht darstellt - ein Recht haben, sich gegen die
Preisgabe ihrer Daten gegen die eigenen Kinder zu wehren.
Dieses Rechtsverständnis hat Einfluß auf das Recht anonym zu gebären und die Anonymität
der mütterlichen Daten auch vor dem Kind zu schützen. Dabei ist bemerkenswert, dass dem
Lebensrecht des ungeborenen Kindes durch die Geburt Rechnung getragen wird, aber nicht -
anders als in Deutschland - automatisch an die Mutter die Sorgeverpflichtung delegiert wird.
Eine Frau, die ein Kind geboren hat, wird nicht zwangsläufig seine Mutter, sondern erkennt
die Mutterschaft an.
Damit ist das Mutterprimat aufgehoben, dass in Deutschland an die Tatsache der Geburt
geknüpft wird.

Früher stand dieses Recht ausschließlich Männern als sogenanntes Nachforschungsverbot zu,
dass untreue Väter vor den Unterhalts- und Erbschaftsansprüchen der außerehelichen Kinder
schützen sollte. Frankreich hat es verstanden, dieses "Nachforschungsverbot" auch auf Frauen
auszuweiten und damit echte Gleichstellung zu erwirken.

Natürlich wird diese Möglichkeit, anonym zu entbinden und auch als Mutter und Vater
anonym zu bleiben, nur einen winzigen Bruchteil der Eltern zu Gute kommen und zwar dann,
wenn sie ungewollt schwanger sind oder ungewollt ein Kind gezeugt haben. Die meisten
Eltern, Mütter wie Väter, werden wie zuvor überglücklich und in vollem
Verantwortungsbewußtsein, sich zum Kind bekennen und eilig die Mutter- und vaterschaft
anerkennen.
Dass in Frankreich an diese Anerkennung des Kindes an das mütterliche und väterliche
Sorgerecht geknüpft ist, unabhängig von der Beziehung zueinander, sichert die absolute
Gleichstellung der Eltern in Bezug auf das Kind.
Diese absolute Form der Gleichstellung fehlt derzeit in Deutschland und es gibt
Ungleichgewichte zwischen Vater- und Mutterrecht, die so oder so interpretiert werden
können. Wir kennen das als "Geschlechterkampf".

Unter aktuellen Bedingungen aber ist alles, was auch nur danach schnuppert, die
Rechtsposition von Frauen zu verbessern, auch wenn alle anderen ebenfalls etwas davon
haben, dem Vorwurf des "radikalen Feminismus" unterstellt, so auch ich. Die Möglichkeit der
selbstbestimmten Elternschaft ist also schon allein darum ein Angriffspunkt, weil es nicht nur
die Rechte der Väter verbessert, sondern auch Frauen ein Recht auf Selbstbestimmung
zugesteht und damit vorallem in dem reaktionären Teil der Väterrechtsbewegung auf herbe
Kritik stößt.
Nicht zuletzt darum, spare ich hier eine Kritik am bürgerlichen Feminismus aus, weil der zum
einen nicht für die Missverhältnisse im Kindschaftsrecht verantwortlich ist und zum anderen
auch durchaus ein Interesse an Gleichstellung hat, nur leider auch nicht gegen falsche
Lösungen resistent ist. Das "Mutterprimat" zu verteidigen, weil es angeblich eine
Machtposition ist, wofür es zumindest Väterrechtler halten, halte ich für nicht Ziel führend,
weil das Mutterprimat ein Recht auf Anonymität der Mutter nicht ausdrücken kann.

Die Rechte des Kindes auf liebende Eltern werden durch die selbstbestimmte Elternschaft und
alle daran geknüpften Pflichten gesichert.
Ein Recht, das heute gilt, hätte ein Kind dann aber nicht mehr, nämlich das, Mutter und Vater
auch gegen deren Willen auszuforschen.

Dies betrifft vor allem Mütter, weil nur diese zwingend auf der Geburtsurkunde vermerkt
werden muß. Ein lediger Vater, der nirgendwo offiziell registriert ist, ist sowieso anonym,
weil unbekannt. Die Rechte jener, die anonym bleiben wollen, Mütter wie Väter, werden so
gesichert. Die Rechte jener aber, die selbstbestimmt und ohne gesetzlichen Zwang Mutter und
Vater sein wollen, mit allem was dazu gehört, erleben ebenfalls einen Zugewinn, weil die
Mutter kein Vorrecht mehr hat, der Vater nicht mehr in die Vaterschaft und
Zahlungsverpflichtung mehr gezwungen werden kann und weil das Kind gegen seine Eltern
einklagbare Rechte auf Umgang hat, die nicht von einem Elternteil gegenüber dem anderen
verwehrt werden können.
Diese Umstellung auf Strafbarkeit von Umgangsverweigerung und Umgangsvereitelung eines
Elternteils mit dem Kind stellt einen weiteren Pluspunkt des französischen Kindschaftsrechts
dar.

Hier in Deutschland ist das Recht des Kindes auf beide Eltern leider nur Makulatur und mehr
moralische Forderung als geltendes Recht, denn ein Kind kann sich nicht gegen die
Umgangsverweigerung eines Elternteils durchsetzen und ein "entsorgtes" Elternteil, das nicht
einmal in die Position eines Elternteils gelangt, ist praktisch machtlos, solange es die
verweigerte Zustimmung der primär vertretungsberechtigten Mutter erfordert.

Ich halte dabei meine Position für radikalfeministisch, nur setze ich die Prioritäten anders als
sonst diskutiert: Das Recht der Frau auf Selbstbestimmung, sprich: ein Kind zu entbinden
aber nicht dessen Mutter werden zu wollen, das Recht auf Anonymität, geht dem Recht des
Kindes auf eine ihm bekannte Mutter vor.
Damit wird europäischer Rechtsprechung Rechnung getragen, siehe:
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=35672.

Nur ist dieses Recht auch ungewollten Vätern zuzugestehen, auch Väter möchten
selbstbestimmen, ob sie die Verantwortung für ein Kind übernehmen. Mit einem
grundsätzlichen Recht auf Anonymität würden die heute als unwillige "Zahlväter" und
erwzungenen Väter um den Zwang, der festgestellten Vaterschaft, entlastet und deren Recht
kein ungewollter Vater zu werden, gewahrt.
Das Recht eines Mannes aus freien Stücken und selbstbestimmt der Vater seines Kindes zu
werden, ist von der Zustimmung der Mutter freizustellen. Auf jeden Fall. Väter entscheiden
selbst, ob sie Vater werden wollen.
Dieses Recht steht mE. aber auch Frauen zu. Aber nur wenn Mutter wie Vater nicht zur
Elternschaft gezwungen werden, sich also selbstbestimmt für die Mutter- wie vaterschaft
entscheiden, sind sie auch die Eltern die ein Kind haben möchte.

Ich bin gegen alle Zwänge, ob gegen Mütter wie auch gegen Väter, die Menschen elterliche
Verantwortung Menschen. Unwillige Eltern sind nicht das Beste für das Kind, sondern das
Beste für den Staat, der um die Kosten und Verantwortung entlastet wird, weil er Eltern -
vorallem Frauen - in die Verantwortung als dessen Mutter, und das primär zwingt, sobald
diese ein Kind geboren haben.

Die Vorwürfe der erzwungenen Väter, auch gegen ihren Willen, Verantwortung für ein
ungewolltes Kind tragen zu müssen, sind für mich nachvollziehbar.
Nur gehen sie an den falschen Adressaten. Die Mutter trifft keine Schuld daran, dass sie
angehalten und berechtigt ist, auch einen unwilligen Vater in die Verantwortung zu zwingen.
Diese Idee ist auch kein Ausdruck ihrer Durchtriebenheit, sondern einfach dem Recht des
Kindes auf die optimale Ausstattung geschuldet.

Das eine Mutter den Vater in die Verantwortung zwingen kann, legt das Gesetz fest. Ich finde
das unmöglich.

Die Klage der Väter über ungewollte Vaterschaften wird oft genug publiziert. Aber leider hat
es der Feminismus bisher versäumt, die gesetzliche erzwungene Mutterschaft zu
thematisieren, weil daran das Mutterprimat geknüpft wird und dies als Privileg mißverstanden
wird. Es ist aber kein Privileg darin zu erkennen, in die Mutterschaft genötigt zu werden, und
selbst dann nicht, wenn man gern Mutter werden will.
Der Nutzen für das Kind aus erzwungenen Eltern will sich mir auch nicht erschließen. Jedes
Kind sollte von seinen Eltern gewollt und geliebt werden, vollverantwortlich und zu Mutter
wie Vater. Und auch wenn Frau gern und gewollt ein Kind bekommt, wird sie sich dazu auch
bekennen und nur zu gern die Verantwortung übernehmen. Selbiges gilt für den Vater.

In Bezug auf das Kind sind beide Elternteile autonome und eigenverantwortliche Wesen, die
sich nicht um Erlaubnis bitten müssen oder einander das Leben schwer machen zu Lasten des
Kindes.

Ich finde es ganz wunderbar, dass wir uns hier auf das französische Kindschaftsrecht als
Optimum einigen können und mute ihnen darum noch folgendes zu: Das ist radikaler
Feminismus, radikaler linker Feminismus.

Ich blende die Verbesserung der Rechtsposition der Frauen nicht aus, komme aber auch nicht
umhin, eine Verbesserung für die Rechte der Väter und Kinder festzustellen und zu
argumentieren. Das hat der bürgerliche Feminismus in der BRD leider bisher versäumt und
hat sich in die Übertragung der staatlichen Zwänge für Frauen auf Männer versucht.

Jedoch ist meine Haltung eine libertäre, denn erzwungene Eltern sind nicht die besten Eltern,
die sich ein Kind wünschen kann. Wir sollten hier die Ansprüche deutlich höher hängen und
Müttern wie Vätern das Recht zu gestehen, sich für die Elternschaft zu entscheiden oder
dagegen, und das selbst dann, wenn das Kind geboren ist. Dabei geht das Lebensrecht des
Kindes allem vor, sollte aber vom Zwang für Eltern, es annehmen zu müssen, befreit werden.

Über eine Veröffentlichung unseres Schriftwechsels werde ich mich freuen und hoffe, einige
Bedenken gegen radikale Feministinnen ausgeräumt zu haben: Feminismus kennt auch andere
Sichtweisen als die populären.

Liebe Grüße

Ines Fritz

Von: Ines Fritz
Gesendet: Sonntag, 1. Mai 2011 21:18
An: Karin Jäckel
Betreff: Re: Zum Text:

Sehr geehrte Frau Jäckel,

ich finde unseren Schriftwechsel so interessant, dass ich ihn auch veröffentlichen möchte.
Habe ich Ihr Einverständnis?

Liebe Grüße

Ines Fritz

Antwort von Dr. Karin Jäckel, "Sie setzen in diesem Punkt das Recht der Eltern auf Anonymität über das Recht des Kindes auf Wissen. Dem folge ich nicht. Kinder müssen, wie ich meine, ihre Abstammung kennen.", 2. Mai 2011, 02:56

Zitat

Von: Karin Jäckel
Gesendet: Montag, 2. Mai 2011 02:56
An: 'Ines Fritz'
Betreff: AW: Zum Text:

Sehr geehrte Frau Fritz,

über Ihr Einverständnis zur Publikation unserer Korrespondenz freue ich mich
und erteile Ihnen meines gern im Gegenzug.

Es ist auch für mich spannend zu sehen, dass wir – Sie als radikale Feministin aus
Überzeugung und ich als ja, wohl nicht weniger radikale und überzeugte
Kinderrechteverfechterin - uns in einigen Zielsetzungspunkten berühren und
gemeinsame Wege gehen.
Der wesentliche gemeinsame Punkt scheint mir das „Mutterprimat“ oder
„Muttervorrecht“ zu sein, dessen Abschaffung eine Gleichstellung beider Eltern
im Hinblick auf gelebte Elternschaft bedeutet und in diesem Zusammenhang die
beidelterliche Anerkennung des Kindes ab Geburt.

Nicht konform gehen wir hingegen in der Anonymitätsfrage.

Sie setzen in diesem Punkt das Recht der Eltern auf Anonymität über das Recht
des Kindes auf Wissen.
Dem folge ich nicht.
Kinder müssen, wie ich meine, ihre Abstammung kennen.

Die Frage „Wer bin ich?“ ist eng verbunden mit der Frage „Woher komme ich?“
oder „Von wem habe ich was?“ Sie beschäftigt Kinder wie Erwachsene.
Kuckuckskinder und Adoptionskinder verzweifeln nicht selten daran.
Es ist aber nicht nur eine Herzensfrage.

Ohne Kenntnis der eigenen Abstammung ist dem Inzest Tür und Tor geöffnet.
Mit allen gesundheitlichen Folgen, die dies für Kindeskinder haben kann und hat.
Inzest ist daher aus gutem Grunde strafbar.
Menschen, die nicht wissen, dass sie gemeinsame genetische Wurzeln haben, also
Halbgeschwister oder Mutter und Sohn, Vater und Tochter sind, sind dem
Inzestrisiko ahnungslos ausgeliefert.
Das ist unverantwortlich.

Natürlich weiß ich, dass viele Politiker, wie etwa der Rechtsexperte der
GRÜNEN, Jerzy Montag, das in Deutschland geltende Inzestverbot abschaffen
wollen und dass Daniel Cohn-Bendit von den EU-GRÜNEN sich in seinen
Memoiren als Kindesmissbraucher geoutet hat.
Das ändert nichts daran, dass Inzest Gesundheitsrisiken für Kinder
Blutsverwandter birgt und schon allein deshalb zum Schutz der Kinder
vermieden werden muss. Woraus wiederum die Notwendigkeit der
Abstammungskenntnis resultiert.

Sie verweisen sehr begeistert auf Frankreichs besonderen Frauenschutz durch
das Recht auf anonyme Geburt und ein gesetzliches „Nachforschungsverbot“,
das diese Anonymität gegenüber den Kindern wahrt und das Sie gern auch in
Deutschland eingeführt sähen.

Dieser „Fortschritt“, den ich freilich nicht als solchen ansehe, hat uns in
Deutschland doch längst ereilt, sehr geehrte Frau Fritz.

Schon etliche Jahre hat die feministische Politik auch in Deutschland die
Möglichkeit der anonymen Geburt und der anonymen Ablage des Kindes in
„Babyklappen“ geschaffen und straffrei gestellt. Die problemlose Freigabe des
Kindes zur anonymen Adoption ergänzt dieses Angebot. Nicht zu vergessen das
Recht auf Abtreibung und das Recht auf die „Pille danach“, die das Einnisten der
befruchteten Eizelle in der Gebärmutter verhindert.
Dieser Service wird genutzt – und nicht selten später bitter bereut.

Gäbe es so viele Rechte des ungeborenen Kindes auf Leben wie Rechte der
Mutter, dieses Leben zu vernichten, hätten wir in Deutschland vermutlich keinen
Kindermangel.

Ebenso straffrei ist der Ankauf von Sperma oder Eizellen aus entsprechenden
Samenbanken, mit deren Hilfe Frauen Schwangerschaften entweder eigenhändig
oder durch künstliche Befruchtung herbeiführen (lassen) können. Ich habe nicht
nur von einem Fall gelesen, in dem Samenspender auf diese Weise über hundert
Kinder von Unbekannt zu Unbekannt gezeugt haben. Auch das Geschäft mit
reifen Eizellen boomt.

Ganz zu schweigen von all den Formen des weiblichen „Samenraubs“, der Männern
widerfährt, wenn sie als geeigneter kostenloser Spender etwa in der Disko
ausgewählt und zur hochfruchtbaren Zeit unter Vortäuschung der Pilleneinnahme
zum ungeschützten Sex verführt oder verlassen werden, sobald eine
Schwangerschaft eingetreten und kein vorzeitiger Abort mehr zu befürchten
ist. (Fallbeispiele kenne ich reichlich.)

Will eine Frau partout den Namen des Vaters ihres Kindes nicht nennen, kann sie
sich straffrei auf Erinnerungslücken berufen. Die Nachforschungen der Kinder
laufen dann ins Leere, denn wenn die Mutter – sei es tatsächlich oder vorgeblich
- den Mann vergessen oder nie gekannt hat, der sie geschwängert hat, hilft auch
keine Strafmaßnahme. (Auch dafür kenne ich viele, viele Fallbeispiele.)

Nicht unerwähnt will ich auch das Recht der Frau/Mutter lassen, ihrem
Lebenspartner oder Ehemann die Folgen einer Liebesaffäre zu verheimlichen und
ihm ungestraft das Kind eines anderen als seines unterzuschieben.

In allen diesen Fällen haben die anonym gezeugten und geborenen Kinder schon
heute das Nachsehen, weil das „Mutterprimat“ Vorrang vor dem Kindesrecht hat.

Weit weniger Verheimlichkeitsmöglichkeiten ihrer Identität haben Männer,
deren Vaterschaftsklärung im Fall der Fälle bei Bedarf vor Gericht eingeklagt
und leicht per medizinischer Tests erforscht werden kann.

Ob Sie schon mal mit Menschen Lebenserfahrungen aufgearbeitet haben, die
ihre anonyme Herkunft als Trauma erleiden, weiß ich nicht.
An mich haben sich schon oft Kinder wie Jugendliche und Erwachsene mit der
Bitte um Hilfe gewandt, die ihren unbekannten Vater, ihre verheimlichte Mutter
oder beide Eltern suchen. Es haben mich die unerfüllten Sehnsüchte nach der in
dieser Person gespiegelten eigenen Identität sowie die Lebensangst und
Bindungsschwäche zutiefst erschüttert, die aus der anonymen Herkunft
erwachsen kann.

Natürlich weiß ich, dass nicht jede Schwangerschaft Glücksgefühle auslöst und
nicht jedes Kind willkommen ist.
Es ist todtraurig, dass es so ist. Aber es ist so.

Dennoch gibt es nicht den geringsten Grund, das Recht der Erwachsenen auf
bedenkenlosen Sex und anonyme „Kindentsorgung“ höher zu schützen als das
Recht des Kindes auf die Kenntnis seiner Abstammung, seiner Identität und
Schutz vor ungewolltem Inzest und Folgen.

In heutiger Zeit, mit der Fülle der vorhandenen, leicht und sicher anwendbaren
Schwangerschaftsverhütungsmittel inklusive Abtreibungsrecht, haben Frauen
wie Männer keinerlei Probleme damit, bewusst kinderlos zu bleiben, wenn sie
sorgfältig und verantwortungsvoll mit der eigenen Sexualität umgehen und sicher
verhüten. Die Zahl der ungewollten Schwangerschaften kann dadurch auf ein
Minimum gesenkt werden.

In meinem Weltverständnis hat jeder geistig, sittlich und moralisch reife
Mensch die volle Verantwortung für sich selbst zu tragen. Dazu gehört auch die
Verantwortung für die eigene Körperhaftigkeit und die Folgen eigener
Handlungen. Wer keine Kinder will, möge sicher verhüten oder eine der anderen
zur Verfügung stehenden legalen Maßnahmen ergreifen.

Recht gäbe ich Ihnen, wenn Sie forderten, sichere Verhütungsmittel kostenlos
an Frauen und Männer oder geschlechtsreife und sexuell aktive Jugendliche
abzugeben. Da wären wir dann wieder nah beisammen.

Schöne Grüße,

Karin Jäckel

Email von Ines Fritz, "Eine bestehende Schwangerschaft bedeutet nämlich nicht, dass eine Schwangere auch Mutter werden will. Genauso wenig wie eine gezeugte Schwangerschaft bedeutet, dass ein Mann auch der Vater eines Kindes werden will. Hier kann Gleichstellung, ohne dass es automatische Vaterschaftstest gibt, nur erreicht werden, wenn auch die Mütter der Registrierpflicht freigestellt werden, also mit einem Recht auf Anonymität und einem Recht auf anonyme Geburten.", 2. Mai 2011, 11:47

Zitat

Von: Ines Fritz
Gesendet: Montag, 2. Mai 2011 11:47
An: Karin Jäckel
Betreff: Re: Zum Text:

Sehr geehrte Frau Dr. Jäckel,

ich sehe ebenfalls ein Recht der Kinder auf Kenntnis der eigenen Abstammung, sehe eine
solches aber nicht als bedeutsamer sondern nachrangiger gegenüber dem Recht der Eltern auf
Anonymität an. Allerdings sehe ich kein Recht der Väter, auf Klärung der Leiblichkeit der
eigenen Kinder, wozu dann auch noch die Zustimmung der Kinder vom Gericht ersetzt
werden kann. Ein Recht auf Klärung der Abstammung kann nur vom Kind ausgehen, gegen
die Eltern wirken und nicht das Kind, als Ausdruck von Vaterschaftszweifeln, nötigen, die
zweifel des Vaters auszuräumen. Bei einem Recht auf Anonymität würde also ein Kind nur
etwas über seine Abstammung erfahren, wenn die Eltern das auch wollen. Es gibt nach
Meinung des europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte kein Grundrecht auf Auskunft
über die leiblichen Eltern. Der Gerichtshof für Menschenrechte billigt anonyme Geburten:

"Das Gericht verweist in seiner Entscheidung auf die „schwer zu vereinbarenden Interessen“
zwischen den betroffenen Kindern und ihren Müttern. Einerseits habe jedes Kind für seine
Entfaltung ein „vitales Interesse“ an Informationen über die Identität der biologischen Eltern.
Zum anderen müsse eine Frau aber das Recht haben, anonym zu bleiben und dabei unter
angemessenen medizinischen Bedingungen zu entbinden. Angesichts der „komplexen und
heiklen“ Fragen, die die anonyme Geburt aufwirft, habe der Gesetzgeber die Pflicht, zwischen
den Interessen der Betroffenen abzuwägen. Diesem Anspruch werde die französische
Regelung gerecht.

In Frankreich können Frauen verlangen, dass in der Geburtsurkunde an Stelle ihres Namens
ein „X“ steht. Nach der Freigabe des Kindes zur Adoption können sie den Kontakt für immer
unterbinden.

Das Grundsatzurteil ist auch für Deutschland von Bedeutung, weil im Bundesrat seit Juni ein
Gesetzentwurf Baden-Württembergs für die Legalisierung der anonymen Geburt beraten
wird. Weitere Informationen im Internet unter www.echr.coe.int. "

Quelle: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=35672

Möchten die Eltern anonym bleiben, unterliegt demnach das Recht des Kindes auf Wissen
über seine eigene Abstammung. In Deutschland gibt es ein solches Recht auf Anonymität
nicht. Darum sind anonyme Geburten strafbar sowie die Kindsweggabe, sie werden nur nicht
und unter Bedingungen strafverfolgt, weil die dort tätigen Mitarbeiter, nichts über die Mutter
wissen (und es schützt nur diese, denn einen irgendwie gearteten Zwang den vater eines
ausgesetzten Kindes festzustellen gibt es in Deutschland nicht) . Auch Abtreibung ist in
Deutschland eine Straftat, sie wird eben nur unter bedingten Bedingungen nicht strafverfolgt,
also innerhalb der ersten 12 Schwangerschaftswochen und nach vorheriger Konfliktberatung
der Schwangeren (und eben nicht beider Eltern). In Frankreich ist das Recht auf Anonymität
wie folgend geregelt:

"Der Paragraf 341 des französischen Gesetzbuches, wonach "eine Mutter bei der Geburt
verlangen kann, dass das Geheimnis ihrer Herkunft und ihrer Identität gewahrt wird", war in
den vergangenen Jahre einigen Veränderungen unterworfen. So darf die Mutter seit 1996
ihrem Kind einen Brief mitgeben. Seit 2001 sind die Krankenhäuser sogar dazu verpflichtet,
Frauen zu einer Botschaft zu ermutigen, die das Kind als Erwachsener erhält. Die Mütter
können darin ihre Identität, Herkunft, Religion sowie Informationen über den Vater mitteilen
und ein Bild beilegen. Geraten wird auch, dass sie sich zu den Umständen von
Schwangerschaft und Geburt äußern. Eine Pflicht, Daten zu hinterlassen, gibt es allerdings
nicht."

Quelle: http://www.frankreich-sued.de/generale-s…nyme-geburt.htm

So finde ich das gut. Und natürlich ist das nur eine Notlösung und zwar dann, wenn eine Frau
ein Kind bekommt, aber dennoch keine Mutter werden will. Dass dieses Kind geboren wird,
begrüße ich, aber dass dieses Kind seine Mutter auch gegen deren Willen kennen muß, sehe
ich nicht so. Und vollkommen unmöglich ist, diese Mutter auch gegen ihren Willen (vorerst)
in die Verantwortung zum Kind zu nötigen. Aber da Schwangere, die eben nicht abtreiben
(was ich nicht für eine Alternative, sondern lediglich für einen Ausdruck der Hilflosigkeit
halte, sich nicht anonym aus der Verantwortung gegenüber dem Kind befreien zu können),
auch die Mutter eines Kindes werden und lt. Personenstandsgesetz als Mutter festgestellt
werden müssen (aber eben nicht der Vater), ist die Mutter (und zwingend nur diese) immer
aktenkundig und hat kein Recht, auch keine Möglichkeit, anonym zu bleiben. In einem
solchen Ausnahmefall wird aber kaum vorher die Vaterschaft festgestellt, so dass auch kein
Vater aktenkundig wird, obwohl dies auf jeden Fall geboten wäre. Das Mitspracherecht des
Vaters, auch über die Weggabe des Kindes zu entscheiden, wird komplett ignoriert, denn
amtsbekannt sein muß nur die Mutter. Hier wirkt das Mutterprimat am konsequentesten gegen
Väter, weil es eben das väterliche Mitspracherecht, die väterliche Verantwortung für die
bestehende Schwangerschaft, missachtet. In einem solchen Fall, wenn die ledige Mutter das
Kind zur Adotion freigibt, wozu sie keine Zustimmung des Vaters vorlegen muß, sind die
Väter anonym, werden nicht aktenkundig, ohne dass ausdrücklich ein solches Recht
formuliert wird, aber die Mütter sind es nicht und die bräuchten dieses Recht, um dem
unwilligen Vater gleichgestellt zu werden. Eine bestehende Schwangerschaft bedeutet
nämlich nicht, dass eine Schwangere auch Mutter werden will. Genauso wenig wie eine
gezeugte Schwangerschaft bedeutet, dass ein Mann auch der Vater eines Kindes werden will.
Hier kann Gleichstellung, ohne dass es automatische Vaterschaftstest gibt, nur erreicht
werden, wenn auch die Mütter der Registrierpflicht freigestellt werden, also mit einem Recht
auf Anonymität und einem Recht auf anonyme Geburten. Was auch die Strafbarkeit, die heute
gegeben ist, die nur nicht durchsetzbar ist, weil die Mitarbeiter in solchen Einrichtungen, die
Anonymität der Mütter wahren und eben keine Angaben über die Mutter erheben, aufheben.

Sie schreiben:

"In meinem Weltverständnis hat jeder geistig, sittlich und moralisch reife Mensch die volle
Verantwortung für sich selbst zu tragen. Dazu gehört auch die Verantwortung für die eigene
Körperhaftigkeit und die Folgen eigener Handlungen. Wer keine Kinder will, möge sicher
verhüten oder eine der anderen zur Verfügung stehenden legalen Maßnahmen ergreifen."

Das sehe ich auch so. Nur trage ich in meinen Überlegungen der traurigen Tatsache
Rechnung, dass es dennoch Menschen gibt, die die Konsequenzen aus einem ungeschützten
Geschlechtsverkehr, eine ungewollte Schwangerschaft oder ungewollte Zeugung eines
Kindes, nicht tragen wollen und/oder weil sie "geistig, sittlich und moralisch" unreif sind.

Hierbei ist es wichtig, eine Möglichkeit zu schaffen, ein Kind zu entbinden (und bitte nicht
abzutreiben), aber dennoch nicht die Verantwortung tragen zu müssen - weder als Mann noch
als Frau. Leider sind nicht alle Menschen auf der Welt so verantwortungsbewußt und
konsequent, geistig, sittlich und moralisch reif, auch ihr Sexleben in Anbetracht der
möglichen Konsequenzen, verantwortlich zu gestalten. Eltern, die Kinder wollen, aber keine
bekommen können, werden sich über die Möglichkeit, ein Kind anonymer, unwilliger Eltern
zu adoptieren freuen. Da wachsen die Kinder als Wunschkinder bestenfalls liebevoller auf als
bei den leiblichen Eltern. Zudem würde die Anerkennung aller Kinder, auch durch die
leiblichen Eltern, die Adoptivkinder den leiblichen Kindern auch ideell gleichstellen, weil die
biologische Abstammung als Grundlage der Rechtsbeziehung in den Hintergrund rückt. Es
werden einfach alle Kinder "adoptiert", auch von den leiblichen Eltern.

Natürlich ist Verhütung die zentrale Forderung zur Vermeidung ungewollter Kinder. Für die
kostenlose Abgabe sicherer Verhütungsmittel an Frauen und Männer oder geschlechtsreife
und sexuell aktive Jugendliche, habe ich ein offenes Ohr. Hatten wir ja auch in der DDR
schon mal. Nur sollte es dabei nicht die Antibabypille sein, sondern Kondome. Zum einen
weil damit auch der Schutz vor HPV und anderen sexuell übertragbaren Krankheitserregern
gesichert ist, Kondome die billigste Variante der Verhütung mit den wenigsten
Gesundheitsrisiken ist und die Männer an ihre Verantwortung beim Zeugungsakt gemahnt
werden. Die Antibabypille halte ich für eine Zumutung, wozu leichtfertiger Umgang durch
kostenlose Abgabe die allgemeinen Risiken für die einnehmenden Frauen nicht wichtig genug
nimmt. Zudem befürchte ich: Die Wegmanipulation der weiblichen Gebärfunktion reduziert
das weibliche Verantwortungsgefühl und schafft bei Männern ein Missverständnis von
Weiblichkeit, die nicht mehr an die Gebärfunktion, sondern nur an die sexuelle
"Verfügbarkeit" der Frauen geknüpft ist.

Ich möchte also keinen "bedenkenlosen Sex" durchsetzen, sondern vielmehr der aktuellen
Tendenz entgegenwirken, in dem die Konsequenzen daraus sichtbar werden, als
Schwangerschaft und als geborenes Kind. Nur finde ich dabei nicht, dass die Frauen allein die
Konsequenzen aus Bedenkenlosigkeit tragen sollten. Dass es leider Menschen gibt, die
bedenkenlos Sex haben und Kinder "entsorgen", wird heute den Frauen exklusiv zum
Vorwurf gemacht, obwohl auch Männer am Entstehen beteiligt sind. Durch ein missachtetes
Mitspracherecht, stehen Väter der Verantwortung frei, an der "Entsorgung" beteiligt zu
werden. Nun möchte ich aber die Verantwortung und bei Verweigerung anstehenden
Vorwürfe nicht auf Männer ausdehnen, sondern auch die Frauen daraus befreien. Denn leider
sind für die Konsequenzen aus bedenkenlosem Sex (also ein geborenes Kind, wobei ich jedes
herzlich willkommen heiße), den Frauen ins Schuldenregister geschrieben, denn nur diese
sind als Mütter zu ermitteln. Auch ließe sich viel besser gegen Abtreibungen argumentieren,
wenn es eine vernünftige Alternative dazu gibt, wobei die Schwangeren das Kind gebären
können, aber diese Geburt nicht in der Mutterschaft und im Verlust der Anonymität endet.

Ich begrüße es weder noch rechtfertige ich, aber ich nehme zur Kenntnis, dass heute eine
Abtreibung (die übrigens immernoch eine Straftat ist, also nicht "legal", aber unter
bestimmten Bedingungen nicht strafverfolgt wird) leider die einzige Möglichkeit ist, eine
Schwangerschaft zu beenden, ohne dass diese in der Mutterschaft mündet. Dabei unterstelle
ich Frauen, die sich für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch entscheiden nicht, den Tod
des Fötus zu wollen, sondern eben schwanger zu sein, aber keine Mutter werden zu wollen.
Eine andere Möglichkeit, das Kind lebend und termingerecht zu entbinden, zum natürlichen
Geburtszeitpunkt, aber dabei nicht vollautomatisch die Mutterschaft annehmen zu müssen, ist
eine willkommene Alternative für Frauen, die die Konsequenzen aus bedenkenlosem Sex
nicht (schlimmstenfalls allein!) austragen wollen. Jedes Kind, das so nicht abgetrieben wird,
sondern anonym entbunden, ist ein überzeugendes Argument, für ein Recht auf Anonymität.
Allerdings, und das sehe ich ein, müßte dafür auch ein Paradigmenwechsel in der Diskussion
um Abtreibung stattfinden. Wobei nämlich vorallem darauf abgestellt wird, Abtreibung als
Ausdruck des Selbstbestimmungsrechts der Frauen auszugeben. Dass es ein solches
Selbstbestimmungsrecht der Frauen gibt, ist unbestritten, nur setzt es mE. mit einer
Schwangerschaft aus und tritt hinter dem Lebensrecht des Kindes zurück. Sobald aber das
Kind geboren ist, tritt das Selbstbestimmungsrecht der Frau wieder ein und besorgt, dass eine
leibliche Mutter sich auch gegen das Kind entscheiden kann - jedenfalls dann, wenn sie es
könnte.

Ich denke, dass es in der deutschen Rechtsprechung und Normgebung ein ganz
grundsätzliches Problem gibt, was die Anerkennung der Frauen als Rechtssubjekt angeht.
Während also zum einen vom BVerfG der Leitsatz geprägt wird, dass Elternliebe nicht
erzwungen werden kann, nimmt kaum jemand Anstoß daran, dass jene Elternliebe eben von
ledigen Müttern mit dem Tage der Geburt trotzdem erzwungen wird. Das "Mutterprimat", die
juristische und ideelle Zuordnung der Frau zum Kind, ist hier nicht nur eine Frage geltenden
Rechts, sondern auch eine Frage der Mentalität, des sittlichen Bewußtseins. Der Anspruch,
dass für Kinder beide Elternteile zuständig und verantwortlich sind, dass ein Kind ein Recht
auf Mutter wie Vater hat, spiegelt sich nicht in der Rechtssprechung wieder, aber auch nicht
in der allgemeinen und politischen Wahrnehmung. So kommt es dann, dass Krippenplätze zur
"Frauenförderung" (aktuell in ZEIT) werden und dass Frauen von sogenannten
"Lebensschützern" als "Mörderinnen" tituliert werden, wenn sie abtreiben, ohne auch nur
einmal die (ausgeblendete) Verantwortung der Väter für eine ungewollte Schwangerschaft zu
thematisieren. So kommt es, dass wenn beide Eltern ihr Kind verlassen, nur die Mutter sich
strafbar macht, aber nicht der Vater. Dennoch nimmt vorallem die Rechtlosigkeit der Väter
einen breiten Raum in der öffentlichen Debatte ein, wobei der Mangel an Rechten auch einen
Mangel an Pflichten mit sich bringt, der auch Frauen zu wünschen wäre. Das gesetzlich
verankerte "Mutterprimat" besorgt nämlich die Ohnmacht der willigen ledigen Väter gegen
eben jenes und macht den Frauen zum Vorwurf, es in Anspruch zu nehmen. Nur leider sehe
ich derzeit nur spärlichen Zuspruch (löbliche Ausnahme sind die "Futuristen") zur
gleichberechtigen Verantwortung der Eltern in Bezug auf die Kinder, die eben nur eine
selbstbestimmte Elternschaft sein kann. Jedenfalls wenn man alle formalrechtlichen Zwänge
zur Elternschaft rigoros ablehnt wie ich es tue. Gerade das Urteil des
Bundesverfassungserichts - 1 BvR 1620/04 - gibt mir Recht, wonach es heißt, "dass ein
erzwungener Umgang angesichts der ablehnenden Haltung des Vaters nicht dem Wohl des
Kindes entspreche". Ein Recht, das dort einem unwilligen Vater zugestanden wird und als
Leitsatz formuliert, die Rechtsprechung beeinflussen wird- nämlich bei einer ablehnenden
Haltung gegenüber dem Kind, den Umgang zu verweigern, aber dies in völliger Ignoranz der
Tatsache, dass von Müttern hingegen, zumindest die Verantwortung ab dem Tage der Geburt
die Mutter zu sein, gesetzlich erzwungen wird. Ich sage, dass auch ein erzwungener Umgang
angesichts der ablehnenden Haltung der Mutter nicht dem Wohl des Kindes entspricht und
darum auch eine Mutter die Möglichkeit haben muß, ein Kind zu gebären aber nicht dessen
Mutter sein zu müssen. Die Freigabe zur Adoption ist zwar eine Möglichkeit, sich aus diesem
Zwang zu befreien, ignoriert aber das Mitspracherecht des Vaters, weil es bereits unter dem
"Mutterprimat" wirkt.
Das alles läßt mich ein Ungleichgewicht in der Wahrnehmung der Problemlage auch durch
das BVerfG erkennen, siehe:
http://www.bundesverfassungsgericht.de/p…/bvg07-089.html. Bemerkenswert
hierzu auch Sabine Fiala-Preinsperger mit ihren Anmerkungen aus therapeutischer Sicht zum
Thema "Elternliebe kann man nicht erzwingen":
http://www.gaimh.de/files/downloads/209efee3bab5c05f1289aa0fbef2faa5/Sabine%20Fiala%
20Preinsperger_Elternliebe%20kann%20man%20nicht%20erzwi..pdf


Ich weiß, dass das alles etwas unerwartet kommt und vielleicht ist die Zeit noch lange nicht
reif dafür, aber das Risiko, mich unbeliebt zu machen, gehe ich gern ein. Denn diese -
zumindest in D- völlig neue Perspektive und in Frankreich Rechtspraxis, setzt die Parameter
nicht nur im Kindschaftsrecht und Elternrecht neu, sondern trägt erheblich zur Überwindung
der Geschlechterdifferenzen bei und stärkt nicht nur die Elternrechte, sondern auch die des
Kindes. Dazu gehe ich davon aus, dass ein Kind nicht "nur" das Recht auf Eltern hat, sondern
auf Eltern, die es wirklich wollen und lieben (im Ausnahmefall sind das Adoptiveltern) und
sich dazu im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte und im entsprechenden Bewußtsein, bekennen.
Erst dieses Bekenntnis bringt - hoffentlich auch bald in D- Pflichten und Rechte mit sich und
das ungeachtet der Beziehung der Eltern zueinander. Auf Grundlage dieser egalitären Basis,
wonach Mutter und Vater dem Kind gegenüber gleichgestellt sind, nämlich beide die
Beziehung zum Kind anerkennen müssen, lassen sich dann auch alle anderen im
französischen Recht durchgesetzten Bestimmungen ableiten, wie zum Beispiel die
Strafbewehrung von Umgangsvereitelung und Umgangsverweigerung, das Recht auf
Anonymität etc. In Deutschland würden all diese Maßnahmen, ohne Abschaffung des
"Mutterprimats" via § 1591 BGB, nur das bestehende Unrecht vergrößern. In einem
Rechtssystem, in dem vorallem Mütter auch die alleinige Verantwortung für die kommende
Generation gesetzlich aufgebürdert wird, sind alle weiteren Regelungen, die darauf aufbauen
"windschief".

Lassen Sie mich bitte wissen, sobald sie etwas aus unserem Schriftwechsel veröffentlichen.
Ich habe noch nicht das Gefühl, Sie restlos überzeugt zu haben und vor allem das Recht auf
Anonymität finde ich bedeutsam genug, auf Ihre Zustimmung zu warten. Gerade aus diesem
Recht auf Anonymität ergeben sich nämlich viele andere Nebenrechte, die ich für wichtig
halte: Das Recht auf anonyme Geburt, sprich: der Mangel an Strafbarkeit bei anonymer
Geburt uoder Übergabe in die Babyklappe, das Recht auf Verweigerung zu
Vaterschaftsfestellungstests, die aber dann sowieso hinfällig werden, und das Recht auf
Schutz der eigenen Daten vor Nachforschungen auch der eigenen Kinder. Das Bürgerrecht
sene Daten zu schützen, erledigt sich meines Erachtens nämlich nicht damit, irgendwann ein
Kind geboren oder gezeugt zu haben. Erst mit diesem Recht auf Anonymität wäre auch erst
durchsetzbar, die ungewollten Väter vor der erzwungenen Vaterschaftsfestellung zu schützen
und den daraus erwachsenen moralischen und juristischen Forderungen auf Umgang (der aber
nicht wirklich durchsetzbar ist) und Kindesunterhalt (der jederzeit, zumindest theoretisch,
durchsetzbar ist). Damit hätte sich dann auch das Problem des "Samenraubs" zumindest in
den Konsequenzen für den ungewollten Vater erledigt, denn auch wenn sein Samen "geraubt"
würde, erwachsen für ihn keine materiellrechtlichen Konsequenzen.

Mit freundlichen Grüßen

Ines Fritz

Antwort von Dr. Karin Jäckel, "Es kann nicht das Menschenrecht des Erwachsenen auf Selbstbestimmung das Menschenrecht des nicht zur Selbstbestimmung fähigen Kindes dominieren.", Muttertag 8. Mai 2011

Zitat

Muttertag, 8. Mai 2011

Sehr geehrte Frau Fritz,

leider musste ich Sie aus sowohl beruflichen wie familiären Gründen auf Antwort
warten lassen, doch heute, am Vorabend des weltweit gefeierten Muttertags, ist ein so
passender Zeitpunkt über Muttersein und nicht Mutter sein wollen nachzudenken, dass
ich mich geradezu gedrängt fühle, unsere Diskussion fortzusetzen.

Wir befinden uns momentan in einer Ausgangsposition, wie sie kaum konträrer sein
könnte.
Sie sehen das Recht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Abstammung sekundär bzw.
nachrangig gegenüber dem Recht der Eltern auf Anonymität gegenüber dem Kind.
Ich sehe dies genau umgekehrt. Für mich hat das Kind ein primäres Recht gegenüber
den leiblichen Eltern und zwar nicht nur ein Wissensrecht sondern auch ein Fürsorgeund
Umgangsrecht.

Es mag sich meine Argumentation auf den ersten Blick sarkastisch ausnehmen, de facto
aber entstehen Kinder nicht aus eigenem freien Willen. Sie suchen sich weder den
Mutterbauch, noch das väterliche Zeugungssperma aus.
Ihre Entstehung und Leibhaftigkeit ist einzig und allein Folge des Sexualaktes zweier
Geschlechtsreifer, die zur Ausübung des Zeugungsaktes, der Schwangerschaft und der
Geburt körperlich imstande sind und aus den verschiedensten Gründen den zur
Zeugung führenden Sexualakt miteinander ausüben.

Die Entstehung eines Kindes ist kein Staatsakt.

Die Leibhaftigkeit eines Kindes ist überstaatlich oder vorstaatlich oder archetypisch,
denn das Leben des Individuums war lange vor jeder Staatsbildung und unterliegt nicht
dem Wohl der sozialen Solidargemeinschaft des aus freiem Willen der Bürger gebildeten
„Staates“ und seiner durch das Individuum zur Regentschaft ausgewählten und auf Zeit
ermächtigten Mitbürger.
Von daher haben weder die staatliche Gemeinschaft der Bürger noch deren frei
gewählte Regenten und Gesetzgeber das geringste Recht auf einen Eingriff in den
naturgegebenen biologischen Dualismus der Entstehung des Lebens und auf dessen
lebenslanges genetisches und zwischenmenschliches Bestehen.

Jedes Kind ist – ebenso wie jeder geschlechtsreife und daher als erwachsen bezeichnete
Mensch – eine staatsbildende Macht, die in der Ganzheit und Würde des Kindes frei und
unantastbar ist.
Hingegen ist nicht der Gesetz gebende Staatsregent – mag er nun an einen Schöpfergott
glauben oder nicht oder sich selbst dazu erheben wollen, - die
Menschenherstellungsmacht.

Der Tatsache, dass leider immer noch Kinder ungewollt gezeugt werden, - sei es aus
Leichtsinn, weil unverantwortlicherweise nicht oder nur unzulänglich verhütet wurde,
sei es im Zuge eines verbrecherischen Gewaltaktes oder sexuellen Kindesmissbrauchs –
trägt (auch) der deutsche Gesetzgeber weitreichend Rechnung.
Da ich die entsprechenden Angebote und deren straffrei gestellte Anwendung im Detail
bereits benannt hatte, liste ich sie nicht nochmals auf. Nur zur Abtreibung noch so viel:
Unabhängig davon, dass ich persönlich die vorherrschende lockere Einstellung zur
Abtreibung als probates, von nicht wenigen Frauen bedenkenlos auch mehrfach als
nachträgliches Schwangerschaftsverhütungsmittel und Wunschkindauswahlzensus
genutztes Recht entschieden ablehne, muss die Abtreibung zum Schutz des Kindes im
Mutterleib als absolute ultima ratio strafbewehrt bleiben, wenn sie bestimmte
Gesetzesauflagen nicht erfüllt.
Die Forderung der Frau zur bedingungslosen, eigenmächtigen und beliebigen
Abtreibungsberechtigung nach dem Motto „Mein Bauch gehört mir“ muss deshalb dem
Lebensrecht des ungeborenen Kindes untergeordnet sein und bleiben.

Es kann nicht das Menschenrecht des Erwachsenen auf Selbstbestimmung das
Menschenrecht des nicht zur Selbstbestimmung fähigen Kindes dominieren.

Factum ist, dass Frauen (auch) in Deutschland schon lange nicht mehr Mutter werden
müssen, wenn sie dies nicht wollen und auch nicht Mütter sein müssen, wenn sie dies
für sich ablehnen.
Gleiches gilt für Männer.

Die Anzahl von Kindern, die genau deshalb in Kinderheimen, bei Pflegeeltern und
Adoptiveltern, in SOS-Kinderdörfern etc. aufwachsen, ist gigantisch und wächst trotz
sinkender Kinderzahlen.
Ganz zu schweigen von den alljährlich rund 200 000 abgetriebenen Kindern, die
vorwiegend aus Gründen ihrer Mütter gar nicht erst leben durften.
Nicht zu vergessen auch die Kinder, die mit derzeit über 90 aller Altersstufen täglich
ihren Eltern, ganz überwiegend ihren Müttern, wegen deren Überforderungen amtlich
entzogen werden.

Frauen und Männern das Recht zu garantieren, nach Belieben Kinder in die Welt zu
setzen, zu denen sie sich nicht als Mutter und Vater bekennen und für die sie keine
persönliche Verantwortung und Zuständigkeit als Mutter und Vater übernehmen
müssen, mag ihrem Selbstbestimmungsrecht entsprechen.

Dieses Selbstbestimmungsrecht der Kindesgebärenden und des Kindeszeugenden
benähme jedoch allen Kindern das Geburtsrecht auf die eigenen, leiblichen Eltern und
deren Kenntnis wie der eigenen Abstammungskenntnis und würde sie als quasi frei
verfügbare Menschenware auf den Markt des Lebens werfen.
Sie wären dann gesetzlich zur beliebigen Annahme oder Ablehnung frei gegeben und der
Willkür der sie produzierenden und ganz nach Lust und Laune annehmenden oder
ablehnenden Erwachsenen gänzlich ausgeliefert.

Eine Vorstellung, die mich schaudern lässt.

Ihr Gedankengang mag Engels und seiner „industriellen Familie“ entlehnt sein, sehr
geehrte Frau Fritz. Möglicherweise denken Sie auch an Feminismus-Heldinnen wie
Simone de Beauvoir, die ihre Kinder abtrieb und Frauen als einzig mögliche
Transzendenz den Himmel der Männer-Arbeit durch das Abwerfen des Familienjochs
verhieß. Eventuell haben Sie Rousseau im Sinn, der seine Kinder allesamt ins Findelhaus
entsorgte und doch Erziehungsratgeber schrieb. Auch der Kibbuz-Gedanke liegt Ihnen
vielleicht nahe, der traditionell von Feministinnen geliebt wird und Kinder zu
Allgemeingut werden lässt, indem man sie nachhaltig ihren Eltern entfremdet.

Mir sind die zugrunde liegenden Ideologien zwar im wissenschaftlichen Sinne bekannt.
Fremd sind sie mir dennoch.

Sich der eigenen Kinder entledigen, keine elterliche Verantwortung übernehmen zu
wollen, ist keine Erfindung der Moderne. Der biblische Moses etwa wurde in einem
Binsenkorb ausgesetzt. Aristophanes berichtet über die griechische Gewohnheit, Kinder
in Tongefäßen auszusetzen, dem Cantharus, in denen ansonsten Öl und Wein
aufbewahrt wurden. Plato und Plutarch betrachteten Ungeborene als Tiere, Diogenes
sprach Neugeborenen die Seele ab. Kein Wunder, entsprach doch bei den alten Römern
und Griechen die Aussetzung dem Recht der „Fürsorge für sich selbst.“
Als Kaiser Konstantin dieses Gesetz durch eine Verordnung zur staatlichen Fürsorge für
unerwünschte Kinder aufhob, konnte die Staatskasse die explodierenden Kosten nur 14
Jahre lang tragen. Danach wurde die Verordnung wieder aufgehoben.

Auch Märchen und Sagen, die ja zumeist auf einem wahren Kern aufbauen, sind voll von
Kindesaussetzungsgeschichten; denken wir nur an „Hänsel und Gretel“, „Fundevogel“
oder Romulus und Remus, denen das alte Rom seine Entstehung verdanken soll.
Und natürlich kennt auch die reale Historie der Moderne sie, die Findelkinder, die vor
der Kirchentür ausgesetzt wurden.
Papst Innozenz III. ließ deshalb Ende des 12. Jahrhunderts in Rom ein Kloster als
Findelhaus mit einer Drehlade als Variante der traditionellen Windentür einrichten,
durch deren Klappe Kinder bis zu einer bestimmten Größe in eine kleine Wiege gelegt
werden und nach innen gedreht werden konnten. So konnten Kinder bei Nacht und
Nebel heimlich und anonym entsorgt werden. Da sie als Gottesgaben angesehen wurden,
nannte man sie gern Donatus oder Donata.

Auch in Deutschland suchte man nach Wegen zur anonymen Geburt und
Kindesaussetzung ohne Schaden für die zur Elternschaft Unwilligen.
Zur Eindämmung der Kindesaussetzungen und Kindsmorde erließ Friedrich der Große
ein „Edikt“, welches heimliche Schwangerschaft und Geburt verbot.
Sein philosophischer Zeitgenosse Kant erklärte, ungewollte Kinder hätten sich „in das
Gemeinwesen eingeschlichen wie eine verbotene Ware“, derer man sich ohne
Todesstrafe entledigen dürfen können müsse.
Die in der Gosse entsorgten Kinderleichen taten ein Übriges zur Entstehung der
„Findelhäuser“ wie etwa des „Rauen Hauses“ in Hamburg oder der dort vor dreihundert
Jahren eingerichteten ersten „Drehlade“ Deutschlands führten.
Psalm 26. 10 des Alten Testaments bildete mit seinem Versprechen „Wenn mich mein
Vater und meine Mutter auch verlassen haben, so hat mich Gott aufgenommen“ die
moralische Grundlage dafür.

In Frankreich, dessen Vorreiterrolle Sie, sehr geehrte Frau Fitz, für die
Selbstbestimmung der Frau durch die Legalisierung der anonymen Geburt preisen, hat
das System der Findelhäuser mit Findelkasten seit Kaiser Napoleon I. besondere
Bedeutung und wurde von ihm in allen französischen Departements flächendeckend
eingeführt.
Wie so eine Einrichtung aussah, zeigt beeindruckend ein Kupferstich von Henri Louis
Pottin:



Man sieht darauf die von ihrem Kind Abschied nehmende Mutter vor der Findelklappe,
während der Vater „Schmiere steht“, um sicher zu stellen, dass die Kindesaussetzung
unbeobachtet erfolgen kann. Das rechte Bild zeigt den Raum am anderen Ende der
Findeklappe, aus deren Kasten das ausgesetzte Kind entnommen wird.

Als Napoleon seine Siegeszug durch Europa antrat und auch in Deutschland das
Findelklappen-System etablierte, wurde das Angebot auch hierzulande so stark von
Elternunwilligen genutzt, dass die Aussetzung in Städten wie Mainz oder Köln von zuvor
rund 30 Kindern binnen zehn Jahren auf über 500 Kinder binnen drei Jahren stieg.

Mit Ihrer Forderung nach anonymer Mutterschaft stehen Sie, sehr geehrte Frau Fitz, also
durchaus nicht auf links-feministischem Neuland, sondern in einer langen Tradition des
immer wieder vorkommenden Versuchs Elternschaftsunwilliger, Ideologen und
Staatsregenten, Menschen von unerwünschten Kindern zu befreien und diese Befreiung
von ungewollter Elternschaft als Selbstbestimmungsrecht zu rechtfertigen.

Wie schon erwähnt, - wir sind uns einig darin, dass der Bauch der Frau und der Penis als
Zeugungs“werkzeug“ dem Mann gehört. Die Verfügungsgewalt darüber obliegt ihnen
allein. Sex miteinander zu haben und zu verhüten oder nicht, wird im
Selbstbestimmungsrecht geschützt.

Sobald aber aus Eizelle und Samen ein Kind entsteht, - und da sind wir konträr - so ist
dieses mit dem unverbrüchlichen, nicht zur Disposition stehenden natürlichen, nicht
menschengemachten, übergesetzlichen Recht, seinem Geburtsrecht auf Mutter und
Vater und das Wissen um seine eigene Abstammung ausgestattet, welches auch ein
Selbstbestimmungsrecht ist, indem es das Selbst des Kindes bestimmt.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts trugen vor allem Mediziner maßgeblich dazu bei, dieses
Recht des Kindes ins allgemeine Bewusstsein zu rücken, indem sie die Auswirkungen
der Aussetzung von „entelterten“ Kindern zu erforschen und zu erkennen begannen. Der
Begriff des Hospitalismus entstand.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts deckten führende Kinderärzte wie Artur Schloßmann
und Meinhard von Pfaundler die seelische Vernachlässigung von Kindern durch
Mutterentbehrung und professionelle Betreuungsroutine auf.

1940 stellte der in den USA forschende Rene Spitz fest, dass Kindern, die im ersten
Lebensjahr drei oder mehr Monate die mütterliche Zuwendung entbehren mussten,
schwer krankhafte Zustandsbilder aufwiesen. Schon die teilweise Mutterentbehrung
löste Depressionen aus, in der die betroffenen Kinder sich bis zum völligen inneren
Rückzug komplett verhaltensveränderten und einen Stillstand der Entwicklung erlitten.
Selbst bei Wiederherstellung der Mutter-Kind-Beziehung beobachtete er seelische
Narben, die sich auf die spätere Entwicklung auswirkten.
In seinem 1976 bei Klett erschienenen Buch „Vom Säugling zum Kleinkind.
Naturgeschichte der Mutter-Kind-Beziehungen im ersten Lebensjahr“ führte Spitz aus,
Mutter entbehrende Kinder
„sind nicht ausgerüstet für die fortgeschrittenen, komplizierten Formen des persönlichen
und gesell-schaftlichen Austauschs, ohne den wir als Art nicht fähig wären, weiter zu
existieren. Sie können sich nicht an die Gesellschaft anpassen. Sie sind emotionelle Krüppel;
... Ihre Fähigkeit zu normalen menschlichen und sozialen Beziehungen ist gestört; sie haben
niemals Gelegenheit gehabt, libidinöse (gefühlsmäßig liebevolle) Beziehungen zu erleben
und das anaklitische Liebesobjekt zu konstitutieren (eine Vertrauen spendende erste
Liebesbeziehung zu erleben). ... Das Elend dieser Kinder wird in die Trostlosigkeit der
sozialen Beziehungen des Heranwachsenden umgesetzt. Da ihnen die affektive Nahrung
(gefühlsmäßige Zuwendung) vorenthalten wurde, auf die sie Anspruch hatten, ist ihr
einziges Hilfsmittel die Gewalt. ... Das Kind wurde um die Liebe betrogen, dem Erwachsenen
bleibt nur der Haß".

Im Jahr 2000 setzte Hamburg im Zusammenhang mehrerer von Müttern verübter
Kindstode die Tradition der anonymen Kindesgeburt und Kindesaussetzung mit der
Einrichtung der ersten „Babyklappe“ fort, um dadurch weitere Kindsmorde zu
verhindern.

Obwohl sich die Anzahl der „Babyklappen“ in Deutschland mittlerweile auf knapp
hundert beläuft, ist ihr Erfolg umstritten und die auf sie zurückzuführende Reduzierung
von Kindsmorden durch anonyme Kindesaussetzung nicht nachzuweisen.

Internationale Wissenschaftler und Forscher wie - um nur eine kleine Auswahl zu
nennen - der Engländer Sir Richard Bowlby, der Kanadier Prof. Gordon Neufeld, der
Australier Dr. Steve Biddulph, der Deutsche Prof. Theodor Hellbrügge, die Schwedin
Astrid Wahlgren, der Deutsche Prof. Johannes Pechstein, der Amerikaner Patrick Fagan,
die Engländerin Melanie Gill, der Deutsche Wolfgang Bergmann, der in Ungar geborene
Deutsche Ronald Grossarth-Maticek und viele andere, - weisen in der Nachfolge
früherer Mediziner immer klarer die immense Wichtigkeit der Mutter-Vater-Kind-
Beziehung und der Ursprungsfamilie für die menschliche Gesundheit von Anfang an bis
ins hohe Alter nach.

Als kleinen Auszug dieser Forschung will ich nur Prof. Grossarth-Maticek zitieren,
dessen internationaler wissenschaftlicher Ruf über jeden Zweifel erhaben ist. Er hat in
einer Studie, die von 1973 bis 2003 mit 1310 Personen lief, erforscht, wer Krebs bekam,
wer einen Infarkt erlitt, wer bis ins Greisenalter gesund blieb. In seiner bivarianten
Forschungsarbeit wurde zum Beispiel hinterfragt, ob die schockartige Trennung des
Kindes von der Mutter, in deren Leib es zur Lebensfähigkeit heranreifte, Nachwirkungen
habe. Das Ergebnis: Ja! Das Kind erfährt dadurch einen hohen gesundheitlichen
Risikofaktor für spätere schwere Erkrankungen wie Krebs. Ebenso hochsignifikant ist
eine solche Trennung für späteren Alkohol- und Drogenkonsum sowie für eine
Anfälligkeit, Lernstörungen zu entwickeln und sich radikalen Gruppen wie etwa Neo-
Nazis anzuschließen.

In einem Vortrag zum Thema heißt es:
„Aber sehr wichtig ist es für den Erhalt unserer innovativen Kultur, eine gesunde
Familie zu haben, und dass wir wirklich sehen, welche Faktoren Gesundheit und
Antitotalitarismus hervorrufen und welche Faktoren geradezu auslösend sind für
Krankheit und Totalitarismus.“

„Familie“ ist traditionell die genetische und emotionale Binnenbeziehung der Mitglieder
einer aus Eltern und eigenen Kindern gebildeten Hausgemeinschaft; wobei „Haus“ im alten
Sinne gemeint ist.
Dass “Familie“ heute ein buntes Kaleidoskop der Lebensabschnittspartnerschaften
wechselnder Erwachsener mit „meinen, deinen, unseren“ Kindern sein kann, ist mir
natürlich bewusst und als Lebensalltag erkannt. Die aus diesem Selbstbestimmungsrecht
der Erwachsenen für Kinder allzu oft entstehende emotionale Entwurzelung durch
Eltern(teil)verlust, Sicherheistverlust usw. schlägt sich in der schnell wachsenden Zahl
vernachlässigter, verwahrloster, verarmter, seelisch kranker und therapiebedürftiger
Kinder und Jugendlicher nieder.

Dr. Jürgen Borchert sagte 2007 in einem bemerkenswerten Vortrag, die Front liege nicht
im Hindukusch sondern in der Familienpolitik Deutschlands, die hierzulande ja in erster
Linie Frauenpolitik ist und die seit 1965 den Anteil aller Kinder in der Sozialhilfe alle
zehn Jahre verdoppelt und Deutschland in die am schnellsten alternde Nation der Welt
verwandelt habe.

Ich habe diese Zeit mit wachem politischem Interesse miterlebt und kann Dr. Borchert
nur bestätigen.

Allen Mütter und Vätern das Recht zu geben, sich nach freiem Belieben und anonym
ihrer Kinder in die „industrielle Familie“ der staatlichen Solidargemeinschaft zu
entledigen und damit alle Kinder ihres Menschenrechts auf Eltern zu berauben, würde
nicht nur die dann legal in die elternlose professionelle Fremdbetreuung abservierten
Kinder in ihrer ganzheitlichen Gesundheit schädigen, ihre Partnerwahl dem Risiko der
Inzest-Beziehung aussetzen und sie in ihrer Liebes- und Bindungsfähigkeit verkümmern
lassen.
Es würden auch die Staatskassen der Kosten für die öffentliche Fürsorge der gesetzlich
entelternten Kinder keinesfalls Herr werden, was man ja heute schon an den mit den
exorbitant zunehmenden Kindesentziehungen rasant steigenden, die Kommunen
ruinierenden Sozialausgaben sieht.

Wenngleich wir darin übereinstimmen, dass das Mutterprimat zugunsten eines
Mutter&Vater-Primats erweitert werden muss, um das Recht des Kindes auf beide
Eltern zu gewährleisten, sehe ich nicht, dass die gesetzliche Entelterung aller Kinder zu
einem Vorteil für Kinder führen könnte oder würde. Im Gegenteil.

Darüber hinaus sehe ich nicht, wie Frauen wirksam dazu gezwungen werden könnten,
die Identität des Mannes preiszugeben, um diesem Mann das ihm nach Ihrem Modell der
selbstbestimmten Elternschaftsanerkennung zustehende Recht auf Annahme des Kindes
zu gewährleisten, wen sie ihn nicht als Vater eines gemeinsamen Kindes benennen
wollen.
Gerade das Recht auf Selbstbestimmung ermöglicht es Frauen nicht nur den Behörden
gegenüber zu schweigen, zu lügen, zu täuschen und zu verheimlichen; dies ist ihnen
sogar innerhalb der gültigen Ehe und auch gegenüber ihren Kindern unbenommen.
Unwissenhaft, Nachlässigkeit und Vergessen sind nicht strafbar und leicht behauptet.
Dazu bedarf es keines Mutterprimats; es genügt der simple Nicht-Willen.

Zur besseren Einsicht zu bringen wären die Teilhabe des Vaters am Leben gemeinsamer
Kinder verweigernder Mütter und umgekehrt allenfalls dann, wenn den Verweigernden
dadurch finanzieller Schaden entstünde.
Müsste jede Frau, die den Namen des Vaters ihres Kindes nicht nennen kann oder will
und auch keine Strafanzeige wegen Vergewaltigung mit Schwangerschaftsfolge
eingereicht hat, auf Kindesunterhaltsvorschuss durch das Jugendamt verzichten, weil
diese Vorschussleistung dann ja nirgends eingetrieben werden könnte, würde sich die
Anzahl der ausgegrenzten Väter schnell reduzieren.

Diese Maßnahme wird jedoch vom Gesetzgeber nicht angewandt, da Kindesunterhalt
eine dem Kind zustehende Leistung ist und wenn nicht der leibliche Elternteil, so doch
die Solidargemeinschaft als „Vater Staat“ dafür haftet, dass jedes Kind die notwendigen
lebenserhaltenden Mittel erhält und erhalten muss.
Auf diesem Wege sind Kinder längst in der „industriellen Familie“ angekommen, die
Friedrich Engels einst beschwor.

Ohne ein wirksames, das Recht des Kindes auf beide Eltern schützendes Regulativ zur
Erweiterung des Mutterprimats zum Mutter&Vater-Primat und zur problemlosen und
einwandfreien Zuordnung eines jeden Mann, der ein Kind zeugte, zu genau diesem Kind,
- auch ohne Angabe der Frau über seine Identität und ohne ihr Zustimmung zu seiner
elterlichen Teilhabe - sind und werden Frauen/Mütter so lange stets auf der sicheren
Seite der alleinig gewollten Elternschaft sein, wie Männern die Vaterschaft des von einer
bestimmten Frau geborenen Kindes nicht rechtstatsächlich beweisbar anzusehen ist.
Und das ist wohl bleibend.

Allein erziehende Väter, die sich leider nicht automatisch anders und
kindesrechtkonform, sondern viel zu oft ebenso ausgrenzend verhalten wie Mütter,
müssten diesem Regulativ selbstverständlich ebenfalls unterliegen.

Ich grüße Sie zum Muttertag aus dem Schwarzwald in den schönen Harz!

Karin Jäckel

3

Montag, 23. Mai 2011, 14:54

Email von Ines Fritz, "Ich bin sehr dafür, ein Recht des Kindes auf Mutter UND Vater auch auf dem Rechtsweg durchsetzen zu können, allerdings dann bitte nicht gegen den Willen des unwilligen Vaters oder der unwilligen Mutter. Sich weigern zu können, die Eltern eines geborenen Kindes zu werden, gehört für mich zur Selbstbestimmung.", 8. Mai 2011, 17:36

Zitat

Von: Ines Fritz
Gesendet: Sonntag, 8. Mai 2011 17:36
An: Karin Jäckel
Betreff: Re: Fortsetzung

Sehr geehrte Frau Dr. Jäckel,

mit ihrer Ausführungen über die Bedürfnislage des Kindes, wonach die Kenntnis über die eigene
Abstammung von erheblicher Bedeutung ist, entspricht auch dem Verständnis vom Kindswohl in der
bundesdeutschen Gesetzgebung. Hier haben nämlich weder Vater noch Mutter das Recht auf
Anonymität gegenüber dem eigenen Kind. Ein solches Recht formuliert zwar der EuGMR, aber zu
einem Rechtsstreit in F. Dazu steht es den Ländern frei, es auf nationaler Ebene anders zu gestalten.
Deutschland macht es anders. Bemerkenswert ist aber vorallem, dass nach deutschem Recht für ein
uneheliches Kind nur die Bekanntgabe einer Mutter auf der Geburtsurkunde zwingend erforderlich
ist, denn nur der sorgeberechtigte Elternteil wird verlangt, also die ledige Mutter. Der Vater wird nur
amtsbekannt, also auch ermittelbar, wenn die Mutter verheiratet ist, die Vaterschaft festgestellt
wurde oder der Vater die Vaterschaft anerkennt. Sind sich Mutter und Vater darin einig, dass der
Vater unbekannt bleiben soll, bleibt er es auch. Er hat zwar auch kein durchsetzbares Recht auf
Anonymität, so wie in F, aber er ist auch nicht ermittelbar.

Ein Recht des Kindes auf Mutter und Vater ist in D nur gegenüber der Mutter durchsetzbar, aber
nicht gegen den ledigen Vater, der die vaterschaft nicht freiwillig anerkennt.Ich bin sehr dafür, ein
Recht des Kindes auf Mutter UND Vater auch auf dem Rechtsweg durchsetzen zu können, allerdings
dann bitte nicht gegen den Willen des unwilligen Vaters oder der unwilligen Mutter. Sich weigern zu
könnne, die Eltern eines geborenen Kindes zu werden, gehört für mich zur Selbstbestimmung. Hier
teile ich zudem die Auffassung des BVerfG, dass erzwungener Umgang nicht dem Kindswohl dient.
Aus der deutschen Situation, lediglich als ledige Mutter mit dem Tag des Geburt zum Umgang mit
dem Kind verpflichtet zu sein, ergibt sich dann im Vergleich vom deutschen zum französischen Recht
die geänderte Bewußtseins- und Rechtslage, wonach ein Kind vorallem eine Mutter braucht und
nicht zwingend einen Vater. Auch in Frankreich hat ein Kind ein Recht auf Kenntnis seiner
Abstammung, kann dies aber nicht gegen die Eltern durchsetzen, weil nämlich dort nicht nur der
Vater unbekannt sein kann und darf, sondern auch die Mutter. Der Tatsache aber, dass es in
Deutschland Kinder gibt, die offiziell keinen Vater haben und auch keinen Vater haben müssen,
schenken Sie bisher wenig Beachtung. Wie wollen Sie diesem Problem begegnen, denn das ist ja ein
Widerspruch zum Recht des Kindes auf Mutter und Vater und Kenntnis der Abstammung?

Das Recht eines Kindes auf Mutter und Vater erkenne ich vollumfänglich an, nur muß es eben auch
gegen den ledigen Vater durchsetzbar sein und nicht nur bei der ledigen Mutter verbleiben. Wenn
Sie nun aber dieses Recht auf Kenntnis der Abstammung auch für jedes uneheliche Kind fixieren
wollen, stellt sich mir die Frage, wie Sie für uneheliche Kinder die Vaterschaft verpflichtend klären
und gegen die Meinung des BVerfG durchsetzen wollen, wonach Umgang mit dem leiblichen Vater
nicht erzwungen werden kann? Wäre demnach jede ledige Mutter verpflichtet, eine
Vaterschaftsanerkennung zu erwirken oder die Vaterschaft über den Rechtsweg feststellen zu
lassen? Kann dann das Kind auch ein Recht auf Umgang gegen den unwilligen Vater auch mittels
Zwangsmaßnahmen durchsetzen? Mich interessieren hier ihre Vorschläge zur Umsetzung des Ideals,
wo doch in D die durchsetzbaren Rechte des Kindes gerade gegenüber dem Vater auf Barunterhalt
begrenzt sind.

Moralische Forderungen zu formulieren, finde ich gut, nur geht das selten ohne Anerkenntnis des
allgemeinen Kontext gut, also jenem Kontext, in dem diese Forderungen auch wirken sollen.
Tatsächlich ist es doch so, dass der Vaters eines Kind einer ledigen Mutter im deutschen Recht
anonym bleiben kann, wenn die Mutter und der Vater es wollen. Für Mütter gibt es diese
Möglichkeit nicht. Ein Vater darf sogar den Umgang verweigern, auch das darf eine Mutter nicht -
dafür muß sie erst die Mutterschaft ablegen. Und selbst wenn der Vater namentlich bekannt ist und
die Vaterschaft anerkannt hat oder diese festgestellt wurde, kann ein Kind trotzdem keinen Umgang
mit ihm durchsetzen. Verweigert die ledige Mutter den Umgang, verschweigt oder verleugnet sie
ihre Identität, um ebenfalls anonym zu bleiben, macht sie sich strafbar, denn jede - auch die ledige -
Mutter hat mit dem Tage der Geburt das Sorgerecht. Dieses Sorgerecht kann sie nur ablegen, wenn
sie das Kind zur Adoption freigibt. Ein lediger Vater aber, gegen den keine Ansprüche in Vertretung
des Kindes geltend gemacht werden, ist juristisch nicht dessen Vater, hat weder das Sorgerecht noch
ist er amtsbekannt, er ist anonym. Wie tragen Sie in ihren Überlegungen dieser Schieflage Rechnung
und wie wollen Sie dieses Dilemma auflösen?

Ich respektiere ihre Einstellung, dem Recht des Kindes auf kenntnis über die Abstammung Vorrang
vor dem Recht der Eltern auf Anonymität einzuräumen. Meine Begeisterung für das französische
Kindschaftsrecht, resultiert vorallem aus der Tatsache, dass dort ein Recht auf Mutter und Vater auch
juristisch durchsetzbar ist, Umgangsverweigerung ist dort eine Straftat wie auch Umgangsverteilung.
Nur wurde in F zuvor auch die merkwürdige Unfreiheit der Frauen in D behoben, wonach Mutter
eines Kindes, die Frau ist, die es geboren hat. Hier nun im Namen der Kinder für ein Recht auf einen
Vater zu kämpfen, ist ein edles und nachvollziehbares Anliegen, aber ich habe bisher keine Ahnung,
wie Sie sich damit gegen die geltende deutsche Rechtslage durchsetzen wollen, ohne dabei auch die
Rechte jener ledigen Väter zu beschneiden, die bisher nicht in die Vaterschaft genötigt wurden und
deren Identität unbekannt ist.

Ihnen alles Liebe zum Muttertag und einen entspannten Sonntag im Kreis ihrer Familie.

Mit freundlichen Grüßen

Ines Fritz

Antwort von Dr. Karin Jäckel, "Männer müssen ebenso verpflichtet werden, sich als Vater zur eigenen Vaterschaft zu bekennen, wie Frauen der Mutterschaft bzw. dem Bekenntnis zu dem von ihnen geborenen Kind verpflichtet sind. Zu diesem Zweck muss das natürliche, unantastbare Geburtsrecht des Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung und auf beide Eltern dem Recht von Frau und Mann auf sexuelle Selbstbestimmung und Unwilligkeit zur Elternschaft untergeordnet werden.", 18. Mai 2011, 18:25

Zitat

Mittwoch, 18. 5. 2011, 18: 25 Uhr

Sehr geehrte Frau Fritz,

wir sind uns wohl gänzlich einig, dass die derzeitige allein Mütter auf ihre Mutterschaft fixierende
und allein Mütter dem besonderen Schutz der Solidargemeinschaft unterstellende Rechts- und
Grundgesetz-Vorgabe weder Frauen noch Kindern dient und Männer bzw. Väter in
gleichberechtigungswidriger Weise benachteiligt.

Der Gesetzgeber muss zwingend eine Gleichstellung von Frauen und Männern resp. Müttern und
Vätern herstellen und das Recht wie die Pflicht zum Bekenntnis zum leiblichen Kind und zur gelebten
Elternschaft garantieren.

Sie wollen dieses Ziel erreichen, indem Frauen von der Mutterschaft entpflichtet werden, um sie
Männern gleichzustellen, deren Vaterschaft nicht festzustellen ist.

Anonyme Elternschaft sehen Sie in diesem Zusammenhang als Teil des Grundrechts auf
Selbstbestimmung an.

Ich will dieses Ziel erreichen, indem Männer ebenso verpflichtet werden, sich als Vater zur eigenen
Vaterschaft zu bekennen, wie Frauen der Mutterschaft bzw. dem Bekenntnis zu dem von ihnen
geborenen Kind verpflichtet sind.

Zu diesem Zweck muss das natürliche, unantastbare Geburtsrecht des Kindes auf Kenntnis seiner
Abstammung und auf beide Eltern dem Recht von Frau und Mann auf sexuelle Selbstbestimmung
und Unwilligkeit zur Elternschaft untergeordnet werden.

Ich stimme Ihnen zu, dass Ihre Forderung leicht durchsetzbar wäre, während mein Ideal vor hohen
Hürden steht.

Um mein Ideal durchsetzen zu können, müsste (zumindest)
  1. der besondere Schutz für Frauen und Mütter im Grundgesetz fallen.
  2. stattdessen dieser besondere Schutz Müttern und Vätern gleichermaßen gewährt werden.
  3. das Recht des Kindes auf Kenntnis beider Elternteile im Grundgesetz und anderen wesentlichen
    Rechtsbereichen festgeschrieben und garantiert werden.
  4. die wissentliche Verweigerung der Preisgabe der eigenen Mutterschaft wie Vaterschaft unter
    Strafe gestellt und durch Erzwingungshaft ermittelt werden.
  5. die wissentliche Verweigerung der
    Preisgabe der Person des leiblichen Vaters unter Strafe gestellt und durch Erzwingungshaft
    ermittelt werden.
  6. die wissentliche Vortäuschung der Vaterschaft oder Mutterschaft unter Strafe gestellt werden.
  7. das Recht des Mannes auf Feststellung der eigenen Vaterschaft wie der Mutterschaft garantiert
    werden, auch gegen den Willen der Mutter und des Kindes.
  8. das Recht der Frau auf Feststellung der eigenen Mutterschaft wie der Vaterschaft garantiert
    werden, auch gegen den Willen des betreffenden Mannes und des Kindes.
  9. das Recht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Abstammung und Identität im Grundgesetz
    verankert und garantiert werden.
  10. das Recht des Kindes auf Erforschung der eigenen Abstammung durch Vaterschafts- und
    Mutterschaftstest auch gegen den Willen der betreffenden Erwachsenen garantiert werden.
  11. das Recht des Kindes auf gelebte Teilhabe am Leben beider Eltern bzw. auf Umgang mit beiden
    Eltern im Grundgesetz verankert und garantiert werden. Auch gegen den Willen eines oder beider
    Elternteile.
  12. dieses Recht des Kindes dem Recht von Mutter und Vater auf sexuelle Selbstbestimmung und
    Unwilligkeit zur Elternschaft übergeordnet werden.
  13. elterlicher Umgang mit dem Kind als dem
    Kindeswohl dienend garantiert werden; es sei denn, dies widerspräche nach richterlicher
    Sachstandsermittlung und kinderpsychologischer Begutachtung nicht dem Kindeswohl.
  14. Umgangsvereitelung wie Umgangsverweigerung unter Strafe gestellt werden. Und zwar sowohl
    in der Form der Umgangsverweigerung durch die Mutter wie durch den Vater wie auch eines
    Elternteils gegenüber dem anderen.
  15. Punkt 11 15 auf alle Eltern ausgeweitet werden, die ein Kind an Kindes Statt annehmen.


Bis hierher wäre die gesetzliche Regelung ebenso leicht zu schaffen wie Ihre Version, sehr geehrte
Frau Fritz.

Wirklich schwer ist es nur, Vaterschaft zu ermitteln, wenn Frau und Mann ihren Sexualpartner
nachhaltig verschweigen bzw. in ihrer sexuellen Selbstbestimmung so hemmungs- und
verantwortungslos vorgehen, dass ihre Sexualpartner beliebig sind und so oft wechseln, dass man
sich namentlich nicht kennt.

In allen diesen Fällen ist von fehlender sittlicher und moralischer Reife sowie fehlender
Erziehungsfähigkeit sowohl der Frau wie des Mannes auszugehen, so dass zum Besten des Kindes die
Inobhutnahme durch andere Erziehungsberechtigte angeordnet werden müsste.

Auch in diesem Fall müsste dem Kind jedoch die Kenntnis zumindest des sicheren Elternteils und der
Umgang mit diesem Elternteil garantiert werden, sofern dies nicht dem Kindeswohl schadete.

Ausnahme wäre selbstverständlich die Entstehung eines Kindes aus einer Vergewaltigung durch
einen unbekannten Täter, nach dessen Person polizeilich gefahndet wird.
In diesem Fall müsste die Anzeigepflicht bei Vergewaltigung mit Schwangerschaftsfolge gesetzlich
aus dem Kindesrecht auf Kenntnis der eigenen Eltern heraus angeordnet werden.

Sicher sind diese Überlegungen nicht umfassend und könnten, ja, müssten ausgefeilt und optimiert
werden. Sie zeigen aber schon in meiner rudimentären Form, dass es kein Hexenwerk darstellte, das
Recht aller Kinder auf beide Eltern gesetzlich festzuschreiben und zu garantieren wie umzusetzen.

Die Basis dazu wäre die Aufhebung des Mutterprimats zugunsten des Kindesprimats.

Die Folge wäre die längst überfällige elterliche Gleichstellung.

Es würde endlich das Recht des Kindes auf Mutter und Vater juristisch durchsetzbar.
Umgangsverweigerung und Umgangsvereitelung wären Straftaten.

Die Selbstbestimmung der Frau und des Mannes würde vom bloßen Recht zur
verantwortungsbewusst gelebten Pflicht, die sowohl gegenüber dem jeweiligen Partner wie dem mit
diesem in die Welt gesetzten Kind wirksam wäre.

Es würde der unselige Massenstatus der Alleinerziehenden – sei es Mutter oder Vater – beendet und
dem Recht wie dringenden Bedürfnis des Kindes auf Gemeinschaft, Erziehung und Fürsorge durch
beide Eltern entsprochen.

Es würde die grassierende seelische Erkrankung und ganzheitliche Vernachlässigung von Trennungsund
Scheidungskindern eingedämmt, da es fortan weit seltener zu Eltern(teil)entbehrung und
Elternentfremdung, zu dem Bindungsschwäche verursachende Parental Alienation Syndrome oder zu
elterlicher Überforderung durch Alleinzuständigkeit käme.

Last but not least würde der elende Geschlechterkampf zumindest im Familienbereich entscheidend
reduziert und eine neue Würde im Umgang zwischen Männern und Frauen herbeigeführt, die in
einem gemeinsamen Kind Spuren ihrer Zweisamkeit hinterlassen haben.

Was die Entscheidung des BVerfG zum Umgang betrifft, der zum Kindeswohl nicht erzwungen
werden kann, so erinnere ich daran, dass Gerichtsbeschlüsse wie Gesetze menschengemacht und
temporär sprich angreifbar und korrigierbar sind.

Aus vielfacher eigener Erfahrung darf ich Ihnen versichern, dass der erzwungene Umgang eines
Vaters oder einer Mutter mit ihrem Kind durchaus dazu führt, dass dieser Umgang nach einiger Zeit
der Gewöhnung von beiden genossen werden kann.
Ich verweise hier auf das prominente Beispiel des Musikers Udo Jürgens, der durch die Mutter seiner
nicht ehelichen Tochter per Gerichtsbeschluss zum Umgang mit seiner Tochter gezwungen wurde
und heute ein schöne lebendige Vater-Tochter Beziehung mit ihr lebt. Oder denken wir an den
Tennishelden Boris Becker und sein vom ihm massiv verleugnetes und abgelehntes „Besenkammer-
Kind“, das er mittlerweile herzlich liebt und in sein Leben integriert hat.
Ihr Beispiel lehrt, dass dann, wenn eine Pflicht unausweichlich ist, sie auch angenommen und
bewältigt wird.

Es muss sich das lange verdrängte Wissen neu verinnerlichen, dass Kinder ein Lebenssinn gebender
Schatz für Mutter und Vater und ein wunderbares, beglückendes (Gottes)Geschenk sind, das von
beiden Eltern Zuwendung, Förderung und Schutz verdient und einen unverbrüchlichen
Rechtsanspruch darauf hat.

Ich bin überzeugt, dass die Erneuerung dieses Wissens zu einer kinderfreundlicheren Gesellschaft
führen wird, in der Frauen wie Männer sich voneinander angenommener und respektierter fühlen
und gemeinsam dafür eintreten werden, dass Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung im
Miteinander Erfüllung finden.

Es grüßt Sie freundlich,

Karin Jäckel

P. S.

Wie ich aus Goslar lesen, scheint die Ablösung von Monika Ebeling aus dem Amt der
Gleichstellungsbeauftragten beschlossene Sache.

Ist denn schon absehbar, wie die mit dem Amt verbundene Aufgabe künftig zur Gleichstellung von
Frauen und Männer, Mädchen wie Jungen erfüllt werden wird?